Reineburg                  Home            zurück         19.10.11      

Das Fürstenbistum Minden gliederte sich in fünf landesherrlichen Ämter, deren Verwaltungsmittelpunkte die fünf Landesburgen Schlüsselburg, Petershagen, Hausberge, Rahden und Reineberg waren. Die Zentralverwaltung, die bischöfliche Kanzlei befand sich seit Anfang des 14. Jahrhunderts, ebenso wie die Residenz des Bischofs, im Schloss Petershagen.
Aber auch die Grafen von Tecklenburg waren am Nordhang des Wiehengebirges und insbesondere im Kirchspiel Alswede stark begütert. Sie versuchten durch den Bau von Burgen ihre Grundherrschaften zu sichern. Vermutlich Graf Otto I. von Tecklenburg (1209-1263) errichtete auf dem Mesenkopf im Wiehengebirge im bischöflichmindischen Forstbann von Lübbecke um 1213 eine Burg. Dies konnte der Mindener Bischof Conrad von Rüdenberg natürlich nicht hinnehmen und in einer gemeinsamen militärischen Aktion mit dem Bistum Osnabrück wurde die tecklenburgerische Mesenburg auf dem Mesenkopf erobert und zerstört. Angeblich soll die Befestigung auf dem Meesenkopf auf Veranlassung des Mindener Bischofs Conrad abgetragen worden sein. Man habe die Steine für den Kirchenbau der St. Andreas Kirche in Lübbecke benutzt, weiß die jüngere Bischofschronik zu berichten.

 

Im Gebiet des heutigen Altkreises Lübbecke gab es drei Landesherrliche Burgen: zwei bischöflich - mindische die Burg auf dem Reineberg und die Burg Rahden - und eine gräflich - ravensbergische, nämlich die Burg auf dem Limberg. Nach der Sage sollen die Grafen von Tecklenburg, die auch um Levern begütert waren, die Burgen Reineberg, Rahden und Limberg begründet haben. Nach der Mindener Bischofschronik soll der 29. Bischof von Minden, Conrad I. den Tecklenburgern im Jahre 1213 den Reineberg abgenommen und hier ein befestigtes Schloss errichtet haben. Urkundlich wird die Burg auf dem Reineberge - "Castro in Reineberge" - zum ersten Mal im Jahre 1221 erwähnt.
Die Burg Reineberg, die Stadt Lübbecke und die Burg Rahden dienten den Bischöfen von Minden als befestigte Stützpunkte ihrer Macht, um sich von hier aus gegen den Bischof von Osnabrück, die Grafen von Tecklenburg und die Edelherren von Diepholz zu behaupten. Später wuchs ihre Bedeutung noch mehr durch den Ausbau der Verwaltung des Territoriums.
Die Burg Reineberg war zunächst im gemeinsamen Besitz der benachbarten und sich nicht immer freundlich gesonnenen Fürstbistümer Minden und Osnabrück. Aus einem in 1306 geschlossenen Vertrag geht hervor, dass beide gleiches Eigentumsrecht an der Burg hatten. Schon am 23. Februar 1314 erklärten dann Bischof Engelbert von Osnabrück und sein Domkapitel, "dass Friede und Eintracht zwischen seiner und der Mindenschen Kirche oft gestört worden sei, weil seine Vorgänge den Osnabrückischen Anteil an dem Schlosse häufig an Edle, Ritter und Andere verpfändet hätten, woraus dann blutige Fehden, Raub, Brand und allerhand Schaden beiden Stiftern erwachsen seien".
Dennoch hielten die Spannungen an. Seit der Zeit Karls des Großen bildete die Hunte die Grenze zwischen den Bistümern Osnabrück und Minden. Um das Stift Osnabrück nach Osten und Norden abzuschirmen, wurden 1310 die Burg Wittlage und um 1324 die Hunteburg gebaut. Damit entfiel dann für die Osnabrücker die Wichtigkeit des Mitbesitzes der Burg Reineburg.
Im Jahr 1412 finden wir den Ritter Dietrich von Münchhausen als Pfandinhaber des Schlosses im Streit mit seinem Landesherren Bischof Wulbrand und dem Domkapitel zu Minden, weil er ohne deren Einverständnis den Reineberg an den Grafen Nikolaus II. von Tecklenburg verpfändet hatte. Der Bischof protestierte dagegen und belagerte die Burg. Die Tecklenburger rückten zum Einsatz heran, wurden aber von Lübbecker Bürgern mit Unterstützung des Drosten zum Limberg, Allhard von dem Busche, vertrieben. Die Versuche der Tecklenburger, sich in den Besitz der Burg zu bringen, waren damit gescheitert.            
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Die Burg auf dem Reineberge war nach einer zeitgenössischen Schilderung  des Mindener Domherrn Tribbe aus dem 15. Jahrhundert ein festes Bollwerk: "Und sie ist gut verschanzt mit Mauern und Türmen und besonders mit einem starken Turm. Ferner hat sie ein großes Haus, in der Volkssprache > ein starkes Stenwach < genannt, eine Küche und andere Gebäude, die in Burgen und Verschanzungen notwendig sind."
Die Reineburg war wie fast alle Burgen dieser Art bei dem chronischen Geldmangel der Landesherren oft verpfändet. Um 1525 finden wir Johann Tribbe als Drosten zum Reineberg. Im Jahre 1543 war das Schloss einer Witwe Clara von Hatzfeld und deren Söhne Meinolf und Joachim verpfändet. Kaum war jedoch Bischof Georg 1554 zur Regierung gelangt, als er den Entschluss fasste, ale verpfändeten Schlösser seines Stiftes wieder einzulösen. Deshalb kündigte er auch dem derzeitigen Pachtinhaber, Hilmar von Quernheim, das Pfand. Dieser wollte seinen Pfandbesitz gern behalten und erreichte auch tatsächlich eine Verlängerung auf mehrere Jahre, bis der Bischof endlich im Jahre 1564 "am Montage in der Osterwoche durch Abgeordnete nach dem Reineberge die Loße thun" d. h. das Pfand aufkündigen ließ. Da Hilmar von Quernheim nicht reagierte, ließ der Bischof am 2. Mai die Burg stürmen. Aber schon 1567 wurde Hilmar nach einem Vergleich die Burg für zwölf Jahre wieder pfandweise überlassen.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg auf dem Reineberg noch schwer in Mitleidenschaft gezogen und dreimal geplündert, in 1636, 1638 und 1640. Auch die umliegenden Bauernschaften hatten schwer zu leiden. Pfarrer C. Harhausen (1656 - 1715) hat in seiner Chronik festgehalten: "Im Jahre 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, und im Jahre 1623, da Tilly bei Minden vorbeizog, und 1625, da der König von Dänemark bei Windheim lagerte, nahte sich das Kriegsfeuer auch hiesiger Gegend. Die Städte suchten sich durch theuer bezahlte Salvgardien (Schutzbriefe) vergebens zu schützen. Alle Schrecken des Krieges brachte das Jahr 1636, da die Dörfer um Lübbecke von den Kaiserlichen geplündert wurden. Viele, die durch Mord, Hunger und Elend nicht umkamen, erlagen den Seuchen. Schon 1634 starben viele an  > Hauptkrankheit und Blutgang < (Nervenfieber und Ruhr). Dazu kam 1636 noch die Pest. Die Äcker blieben zu jener schrecklichen Zeit meist unbestellt liegen, da ja Niemand hoffen konnte, zu erndten, was er säete."
Am 9. September 1636 ließ der Kaiserliche Oberwachtmeister Heister die ganze Registratur auf dem Reineberge verbrennen, und 1647 nahm die Witwe des am 21. Januar verstorbenen schwedischen Commandanten von Minden, des Obersten Hinrichsen, "Alles vom Amtshause" mit sich fort.
Am 28. März 1673 nahmen münsterische Truppen im Rahmen des französisch - niederländischen Krieges Lübbecke und Reineberg ein, da Brandenburg auf Seiten der Niederlande stand. Dann wurde es, das Fürstentum Minden war im Westfälischen Frieden von 1648 an Brandenburg gekommen - stiller um die alte Bischofsburg. Im Jahre 1719 hatte Friedrich Wilhelm I. die Vereinigung der Grafschaft Ravensberg mit Minden verfügt, und es erfolgte nun, 1723 - 1808, der Ausbau der Kriegs- und Domänenkammer in Minden als überörtliche Aufsicht über die Verwaltung der fünf mindenschen und acht rabensbergischen Ämter. Die Reineburg war noch einige Male samt dem zugehörigen Amte verpfändet und wurde auf Befehl des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1723 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Was noch brauchbar von ihr war, wurde zum Teil zum Bau des Regierungsgebäudes in Minden (am Domhof) und zum Teil zum Bau des neuen Amtshauses im Reineberger Felde "zum Siek" genannt, wo schon einige Wirtschaftsgebäude standen, verwendet.
Aus dem Herrschaftsbereich der ehemaligen Burg entwickelte sich das mindische Amt Reineberg, dem späteren Amt Hüllhorst. Im Jahre 1951 fand eine amtliche Vermessung der noch sichtbaren Burgreste statt. Der bekannte Heimatforscher Professor Langewische aus Bünde hatte ausfindig gemacht, dass die Reineburg ehemals fünf Vorburgen vorgelagert waren.
Für den Namen Reineberg - Reineburg finden wir im Laufe der Jahrhunderte die unterschiedlichsten Schreibweisen: Reynenberch, Rehnebergh, Rrynenbroich, Rehne-Remmeberg, Förwerk Rehnbergh.
Auf dem Gipfel ist heute nur noch der Burggraben sichtbar, der eine Gesamtlänge von 310 Meter hat und zwischen 15 und 22 Meter breit ist.  

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