Das Fürstenbistum Minden gliederte sich in fünf landesherrlichen Ämter, deren
Verwaltungsmittelpunkte die fünf Landesburgen Schlüsselburg, Petershagen,
Hausberge, Rahden und Reineberg waren. Die Zentralverwaltung, die bischöfliche
Kanzlei befand sich seit Anfang des 14. Jahrhunderts, ebenso wie die Residenz
des Bischofs, im Schloss Petershagen.
Aber auch die Grafen von Tecklenburg waren am Nordhang des
Wiehengebirges und insbesondere im Kirchspiel Alswede stark begütert. Sie
versuchten durch den Bau von Burgen ihre Grundherrschaften zu sichern.
Vermutlich Graf Otto I. von Tecklenburg (1209-1263) errichtete auf dem Mesenkopf
im Wiehengebirge im bischöflichmindischen Forstbann von Lübbecke um 1213 eine
Burg. Dies konnte der Mindener Bischof Conrad von Rüdenberg natürlich nicht
hinnehmen und in einer gemeinsamen militärischen Aktion mit dem Bistum Osnabrück
wurde die tecklenburgerische Mesenburg auf dem Mesenkopf erobert und zerstört.
Angeblich soll die Befestigung auf dem Meesenkopf auf Veranlassung des Mindener
Bischofs Conrad abgetragen worden sein. Man habe die Steine für den Kirchenbau
der St. Andreas Kirche in Lübbecke benutzt, weiß die jüngere Bischofschronik
zu berichten.
Im Gebiet des heutigen Altkreises Lübbecke gab es drei Landesherrliche
Burgen: zwei bischöflich - mindische die Burg auf dem Reineberg und die Burg
Rahden - und eine gräflich - ravensbergische, nämlich die Burg auf dem Limberg.
Nach der Sage sollen die Grafen von Tecklenburg, die auch um Levern begütert
waren, die Burgen Reineberg, Rahden und Limberg begründet haben. Nach der
Mindener Bischofschronik soll der 29. Bischof von Minden, Conrad I. den
Tecklenburgern im Jahre 1213 den Reineberg abgenommen und hier ein befestigtes
Schloss errichtet haben. Urkundlich wird die Burg auf dem Reineberge -
"Castro in Reineberge" - zum ersten Mal im Jahre 1221 erwähnt.
Die Burg Reineberg, die Stadt Lübbecke und die Burg Rahden dienten den
Bischöfen von Minden als befestigte Stützpunkte ihrer Macht, um sich von hier
aus gegen den Bischof von Osnabrück, die Grafen von Tecklenburg und die
Edelherren von Diepholz zu behaupten. Später wuchs ihre Bedeutung noch mehr
durch den Ausbau der Verwaltung des Territoriums.
Die Burg Reineberg war zunächst im gemeinsamen Besitz der benachbarten und sich
nicht immer freundlich gesonnenen Fürstbistümer Minden und Osnabrück. Aus
einem in 1306 geschlossenen Vertrag geht hervor, dass beide gleiches
Eigentumsrecht an der Burg hatten. Schon am 23. Februar 1314 erklärten dann
Bischof Engelbert von Osnabrück und sein Domkapitel, "dass Friede und
Eintracht zwischen seiner und der Mindenschen Kirche oft gestört worden sei,
weil seine Vorgänge den Osnabrückischen Anteil an dem Schlosse häufig an
Edle, Ritter und Andere verpfändet hätten, woraus dann blutige Fehden, Raub,
Brand und allerhand Schaden beiden Stiftern erwachsen seien".
Dennoch hielten die Spannungen an. Seit der Zeit Karls des Großen bildete die
Hunte die Grenze zwischen den Bistümern Osnabrück und Minden. Um das Stift
Osnabrück nach Osten und Norden abzuschirmen, wurden 1310 die Burg Wittlage und
um 1324 die Hunteburg gebaut. Damit entfiel dann für die Osnabrücker die
Wichtigkeit des Mitbesitzes der Burg Reineburg.
Im Jahr 1412 finden wir den Ritter Dietrich von Münchhausen als Pfandinhaber
des Schlosses im Streit mit seinem Landesherren Bischof Wulbrand und dem
Domkapitel zu Minden, weil er ohne deren Einverständnis den Reineberg an den
Grafen Nikolaus II. von Tecklenburg verpfändet hatte. Der Bischof protestierte
dagegen und belagerte die Burg. Die Tecklenburger rückten zum Einsatz heran,
wurden aber von Lübbecker Bürgern mit Unterstützung des Drosten zum Limberg,
Allhard von dem Busche, vertrieben. Die Versuche der Tecklenburger, sich in den
Besitz der Burg zu bringen, waren damit gescheitert. Home zurück
Die Burg auf dem Reineberge war nach einer zeitgenössischen Schilderung
des Mindener Domherrn Tribbe aus dem 15. Jahrhundert ein festes Bollwerk:
"Und sie ist gut verschanzt mit Mauern und Türmen und besonders mit einem
starken Turm. Ferner hat sie ein großes Haus, in der Volkssprache > ein
starkes Stenwach < genannt, eine Küche und andere Gebäude, die in Burgen
und Verschanzungen notwendig sind."
Die Reineburg war wie fast alle Burgen dieser Art bei dem chronischen Geldmangel
der Landesherren oft verpfändet. Um 1525 finden wir Johann Tribbe als Drosten
zum Reineberg. Im Jahre 1543 war das Schloss einer Witwe Clara von Hatzfeld und
deren Söhne Meinolf und Joachim verpfändet. Kaum war jedoch Bischof Georg 1554
zur Regierung gelangt, als er den Entschluss fasste, ale verpfändeten
Schlösser seines Stiftes wieder einzulösen. Deshalb kündigte er auch dem
derzeitigen Pachtinhaber, Hilmar von Quernheim, das Pfand. Dieser wollte seinen
Pfandbesitz gern behalten und erreichte auch tatsächlich eine Verlängerung auf
mehrere Jahre, bis der Bischof endlich im Jahre 1564 "am Montage in der
Osterwoche durch Abgeordnete nach dem Reineberge die Loße thun" d. h. das
Pfand aufkündigen ließ. Da Hilmar von Quernheim nicht reagierte, ließ der
Bischof am 2. Mai die Burg stürmen. Aber schon 1567 wurde Hilmar nach einem
Vergleich die Burg für zwölf Jahre wieder pfandweise überlassen.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg auf dem Reineberg noch schwer in
Mitleidenschaft gezogen und dreimal geplündert, in 1636, 1638 und 1640. Auch
die umliegenden Bauernschaften hatten schwer zu leiden. Pfarrer C. Harhausen
(1656 - 1715) hat in seiner Chronik festgehalten: "Im Jahre 1618 begann der
Dreißigjährige Krieg, und im Jahre 1623, da Tilly bei Minden vorbeizog, und
1625, da der König von Dänemark bei Windheim lagerte, nahte sich das
Kriegsfeuer auch hiesiger Gegend. Die Städte suchten sich durch theuer bezahlte
Salvgardien (Schutzbriefe) vergebens zu schützen. Alle Schrecken des Krieges
brachte das Jahr 1636, da die Dörfer um Lübbecke von den Kaiserlichen
geplündert wurden. Viele, die durch Mord, Hunger und Elend nicht umkamen,
erlagen den Seuchen. Schon 1634 starben viele an > Hauptkrankheit und
Blutgang < (Nervenfieber und Ruhr). Dazu kam 1636 noch die Pest. Die Äcker
blieben zu jener schrecklichen Zeit meist unbestellt liegen, da ja Niemand
hoffen konnte, zu erndten, was er säete."
Am 9. September 1636 ließ der Kaiserliche Oberwachtmeister Heister die ganze
Registratur auf dem Reineberge verbrennen, und 1647 nahm die Witwe des am 21.
Januar verstorbenen schwedischen Commandanten von Minden, des Obersten
Hinrichsen, "Alles vom Amtshause" mit sich fort.
Am 28. März 1673 nahmen münsterische Truppen im Rahmen des französisch -
niederländischen Krieges Lübbecke und Reineberg ein, da Brandenburg auf Seiten
der Niederlande stand. Dann wurde es, das Fürstentum Minden war im
Westfälischen Frieden von 1648 an Brandenburg gekommen - stiller um die alte
Bischofsburg. Im Jahre 1719 hatte Friedrich Wilhelm I. die Vereinigung der
Grafschaft Ravensberg mit Minden verfügt, und es erfolgte nun, 1723 - 1808, der
Ausbau der Kriegs- und Domänenkammer in Minden als überörtliche Aufsicht
über die Verwaltung der fünf mindenschen und acht rabensbergischen Ämter. Die
Reineburg war noch einige Male samt dem zugehörigen Amte verpfändet und wurde
auf Befehl des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1723 wegen
Baufälligkeit abgebrochen. Was noch brauchbar von ihr war, wurde zum Teil zum
Bau des Regierungsgebäudes in Minden (am Domhof) und zum Teil zum Bau des neuen
Amtshauses im Reineberger Felde "zum Siek" genannt, wo schon einige
Wirtschaftsgebäude standen, verwendet.
Aus dem Herrschaftsbereich der ehemaligen Burg entwickelte sich das mindische
Amt Reineberg, dem späteren Amt Hüllhorst.
Im Jahre 1951 fand eine amtliche Vermessung der noch sichtbaren Burgreste statt.
Der bekannte Heimatforscher Professor Langewische aus Bünde hatte ausfindig
gemacht, dass die Reineburg ehemals fünf Vorburgen vorgelagert waren.
Für den Namen Reineberg - Reineburg finden wir im Laufe der Jahrhunderte die
unterschiedlichsten Schreibweisen: Reynenberch, Rehnebergh, Rrynenbroich,
Rehne-Remmeberg, Förwerk Rehnbergh.
Auf dem Gipfel ist heute nur noch der Burggraben sichtbar, der eine Gesamtlänge
von 310 Meter hat und zwischen 15 und 22 Meter breit ist.