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Verlag Traugott Bautz
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ALBERTUS MAGNUS (Albert der Große), der größte deutsche Philosoph und Theologe des Mittelalters, * wahrscheinlich 1193 in Lauingen an der Donau im bayrischen Schwaben als Sohn des Grafen von Bollstädt, † 15.11. 1280 in Köln. - A. M. studierte in Padua und wurde dort 1223 Dominikaner. Er lehrte in den Konventen zu Köln, Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg, Straßburg und seit etwa 1243 wieder in Köln, wo auch Thomas von Aquin sein Schüler war. Dieser begleitete seinen Lehrer 1245 nach Paris. Dort erwarb A. M. den theologischen Doktorgrad und hielt in dem Ordenshaus St. Jakob Vorlesungen und Disputationen. 1248 wurde er primarius lector und Regens der Ordensschule in Köln, wohin ihm auch Thomas von Aquin folgte, um unter ihm sein Studium fortzusetzen. 1252 wurde A. M. an die Universität Paris berufen. 1254-57 war er Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 1256 trat A. M., von Alexander IV. an den päpstlichen Hof in Anagni berufen, als Verteidiger der Bettelorden auf gegen die Schrift »De periculis novissorum temporum« des Wilhelm von Saint Amour in Burgund, des Hauptvertreters der Partei, die auf Ausschluß der Bettelmönche von der Pariser Universität drang, und erreichte, daß der Papst jene Schrift verdammte. Seit 1258 lehrte A. M. wieder in Köln. Alexander IV. ernannte ihn 1260 zum Bischof von Regensburg. A. M. ordnete die zerrütteten Verhältnisse des Bistums, trat aber 1262 von seinem Amt zurück und kehrte wieder in das Kölner Dominikanerkloster zurück. Eine Zeitlang weilte er in Orvieto am Hof Urbans IV., der ihn 1263/64 als Legat in Deutschland und Böhmen mit der Kreuzzugspredigt beauftragte. Danach lehrte A. M. in den Dominikanerklöstern in Würzburg und Straßburg. 1270 wurde Köln sein ständiger Wohnsitz. - A. M. war ein Polyhistor größten Stils, dem man den Ehrentitel »Doctor universalis« beigelegt hat. Durch seine umfangreichen naturwissenschaftlichen, medizinischen und philosophischen Kenntnisse überragte er alle seine Zeitgenossen. A. M. war ein gründlicher Kenner des Aristoteles und benutzte die ganze aristotelische Philosophie zur Darstellung und Begründung des kirchlichen Dogmas. So ist er der Begründer des christlichen Aristotelismus in der Scholastik. - A. M. wurde 1622 selig- und 16.12. 1931 heiliggesprochen.
Werke: Komm. zu den Sentenzen des Petrus Lombardus; Summe de creaturis: Summa theologiae (unvoll.); Komm. zu den bibl. Büchern u. den Schrr. des Aristoteles u. des christl. Neuplatonikers Dionysius Areopagite. - Ges.ausg. v. Petrus Jammy, 21 Bde., Lyon 1651 ff.; v. A. Borgnet. 38 Bds., Paris 1890-99; neue krit. Ges.ausg. v. 40 Bänden durch das A.-M.-Institut in Köln, hrsg. v. Bernhard Geyer, 1951 ff. - M. H. Laurent u. M. J. Congar, A. M.-Bibliogr., in: RThom 36, 1931, 422 ff.; - A. Pelzer, Vollst. A. M.-Bibliogr., in: A.-Festschr. des Angelikum, Rom 1945.
Lit.: Radulphus de Noviomago, Legenda B. A. M., Köln 1490 (Neuausg. 1928); - Petrus de Prussia, Vita B. A. M., Antwerpen 1621: - Georg v. Hertling. A. M. Btrr. zu seiner Würdigung, 1880 (19142); - Franz Pelster, Krit. Stud. z. Leben u. zu den Schrr. A.s d. Gr., 1920; - Franz Strunz, A. M. Weisheit u. Naturforschung im MA, 1926; - Karl Künstle, Ikonogr. der Hll., 1926, 44 f.; - Heinrich Balß, A. M. als Zoologe, 1928; - Ders., A. M. als Biologe. Werk u. Ursprung, 1947; - Martin Grabmann, Der Einfluß A.s d. Gr. auf das ma. Geistesleben, in: ZKTh 25, 1928, 153 ff. 313 ff.; - Ders., Der hl. A. d. Gr., 1932; - Ders., A. M., Theologe, Philosoph u. Naturforscher, in: PhJ 62, 1951, 473 ff.; - Wilhelm Scherer, Des sel. A. M. Lehre v. der Kirche, 1928; - Herbert Dome, Die Gnadenlehre des sel. A. M., 1929; - Hieronymus Wilms, A. d. Gr., 1930; - Heribert Christian Scheeben, A. d. Gr. Zur Chronologie seines Lebens, 1931; - Ders., A. M., 1932 (19552); - P. G. Meersseman, Introductio in opera omnia B. A. M., Brügge 1931; - Ders., Gesch. des Albertismus. I: Die Pariser Anfänge des Kölner Albertismus, Paris 1933; - Joseph Goergen, Des hl. A. M. Lehre v. der göttl. Vorsehung u. dem Fatum unter bes. Berücks. der Vorsehungs- u. Schicksalslehre des Ulrich v. Straßburg (Diss. Vechta in Oldenburg), 1932; - Festschr. z. Feier der Heiligsprechung v. A. M. am 16.5. 1932 in Lauingen, hrsg. v. Joseph Deißler, 1932; - Karl Schmieder, A.s d. Gr. Lehre vom natürl. Gotteswissen, 1932; - A. Pucetti, A. M., Rom 1932; - J. M. Vosté, S. A. M. sacrae paginae magister, Rom 1932/33; - Valmar Cremer, A. d. Gr. als Kreuzzugslegat für Dtld. 1263/64 u. der Kreuzzugsbestrebungen Urbane IV., 1933; - Rhaben Liertz, Die Naturkunde v. der menschl. Seele nach A. d. Gr., 1933; - Ders., A. d. Gr. Gedanken über sein Leben u. aus seinen Werken, 1948; - Heinrich Ostlender. A. M., 1933 (umgearb. u. erw. 19562); - Ulrich Dähnert, Die Erkenntnislehre des A. M., gemessen an den Stufen der »Abstractio«, 1934: - Ludwig Athanasius Winterswyl. A. d. Dt. Das Leben u. Wirken des A. M., 1936; - Bernhard Geyer, Die A. d. Gr. zugeschr. Summa Naturalium (Philosophia Pauperum). Texte u. Unterss., 1938; - Ders., Zur neuen Ges.ausg. der Werke des A. M., 1955; - Ders., A. M., in: Die großen Deutschen I, 1956, 201 ff.: - Ferdinand Haben, Die Inkarnationelehre des hl. A. M. (Diss. München), 1939; - Alfons Hufnagel, Die Wahrheit als philos.-theol. Problem bei A. d. Dt., 1940: - Ludwig Mathar, A. d. Dt. Ein Lb., 1940; - Dionys Siedler. Intellektualismus u. Voluntanismus bei A. M., 1941; - Raimund Erni, Die Herz-Jesu-Lehre A.s d. Gr. (Diss. Rom), 1941; - Joseph Braun, Tracht u. Attribute der Hll. in der dt. Kunst, 1943, 52 f.; - Peter Dörfler, A. M., 1946; - Rudolf Baumgardt, Der Magier. Das Leben des A. M., 1949; - Albert Fries, Die unter dem Namen des A. M. überlieferten mariolog. Schrr. Literarkrit. Unters., 1954; - Ders., Meßerkl. u. Kommuniontraktat keine Werke A.s d. Gr.?, 1955; - Ders., Die Gedenken des hl. A. M. über die Gottesmutter, Freiburg/Schweiz 1958; - Leopold Brandl, Die Sexualethik des hl. A. M. Eine moralgeschichtl. Unters., 1955; - H. Jorissen, Meßerkl. u. Kommuniontraktat Werke A.s d. Gr., 1956; - L. Réau, Iconographie de l'art chrétien III/1, Paris 1958, 46 f.; - Otto Wimmer, Hdb. der Namen u. Hll., 19592, 101 f.; - Hans Aurenhammer, Lex. d. christl. Ikonogr. I, Wien 1967, 78 ff.; - Alfons Müller, Die Lehre v. der Taufe bei A. d. Gr. (Diss. München), 1967; - Franz-Josef Nocke, Sakrament u. personaler Vollzug bei A. M. (Diss. München), 1967; - Hauck IV, 463 ff.; - Überweg II, 401 ff. 739 ff.; - VerfLex I, 25 ff.; - ADB I, 186 ff.; - NDB I, 144 ff.; - RE I, 291 ff.; XXIII, 29; - EKL I, 64 f.; - RGG I, 214 ff.; - CathEnc I, 264 ff.; - LThK I, 285 ff.; - LM I, 111 ff.
Friedrich Wilhelm Bautz
Textanmerkungen:
Vor allem aufgrund seiner Jugendbeschreibungen geht man heute davon aus, daß Albert aus einer Ministerialenfamilie stammte. Der Titel Graf von Bollstädt wurde aber mit sehr großer Sicherheit im 15. Jahrhundert erfunden bzw. beruht auf einer Verwechslung. (Quellen u. Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland, 27. Heft; Heribert Christian Scheeben; Meinulf Lohrum u.a.).
Bibliographieergänzung:
Irven M. Resnick & Kenneth F. Kitchell, Albert the Great. A selectively annotated bibliography (1900-2000). Rempe, Ariz. 2004.
Werkeergänzung:
Buch über d. Ursachen u.d. Hervorgang von allem aus d. ersten Ursache. Lat.-Dt. Nach d. Text d. Ed. Coloniensis übers. u. hrsg. von Henryk Anzulewicz ... Hamburg 2006.
Literaturergänzung:
Loris Sturlese, Vernunft und Glück. Die Lehre vom "intellectus adeptus" und die menschliche Glückseligkeit bei Albert dem Großen. Münster 2005 (=Lectio Albertina; 7); - Ingrid Craemer-Ruegenberg, Albertus Magnus. Völlig überarb. aktualisierte und mit Anm. vers. Neuaufl. Hrsg. von Henryk Anzulewicz. Leipzig 2005 (=Dominikanische Quellen und Zeugnisse; 7); - Stephanie Hauschild, Die sinnlichen Gärten des Albertus Magnus. Ostfildern 2005; - Hödl, Ludwig, Der dogmatische Begriff der sakramentalen Konzelebration in der scholastischen Theologie des 13. und 14. Jahrhunderts, in: ZKTh 127. 2005, S. 361-390; - Elmar Schieder, Aus einer alten Stadt. 3 Lebensbilder. Regensburg 1981; - Albertus Magnus und die Anfänge der Aristoteles-Rezeption im lateinischen Mittelalter. Von Richardus Rufus bis zu Franciscus de Mayronis. Hrsg. von Ludger Honnefelder ... Münster 2005 (=Subsidia Albertina; 1); - Heinrich Ostlender, A.M. 3., umgearb. u. erw. Aufl. von "Der hl. Albert der Große" 1932, 4. Aufl. Köln 1984; - Dagmar Gottschall, K.v.M.s Buch von d. natürl. Dingen. E. Dokument dtsprach. Albertus Magnus-Rezeption im 14. Jhr. Leiden [u.a.] 2004 (=STGMA; 83); - G. Endreß, D. arabische Aristoteles u. sein Leser. Physik u. Theologie im Weltbild A.s d. Gr. Münster 2004; - Albert Lehner, A.M. Frommer Handel mit d. Regensburger Bischof. E. Streitschrift. Regensburg 2005; - Bruce McNair, Thomas Aquinas, Albert the Great and Hugh of St Cher on the vision of God in Isaiah Chapter Six, in: DR 124.2006, S. 79-88; - Henryk Anzulewicz, D. Ethikkonzeption d. A.M. im Licht e. neuen Forschungsarbeit: zur Studie von Jörn Müller, in: Archa verbi 2.2005, S. 140-171; - Henryk Anzulewicz, D. Gottähnlichkeit d. Menschen u. seine Gleichförmigkeit mit Christus: A.d.Gr. u. Simon Fidati von Cascia über d. Verwirklichung d. Menschen als Mensch u. Christ, in: Simon Fidati von Cascia OESA. Carolin M. Oser-Grote, Andreas E.J. Grote, Hgg. Würzburg 2006, S. 305-322; - Walter Senner, Wahrheit bei Albertus Magnus u. Thomas von Aquin, in: D. Geschichte d. philos. Begriffs d. Wahrheit. Hrsg. von Markus Enders u. Jan Szaif. Berlin 2006, S. 103-148; - Karl Lehmann, Zum Begriff d. Theologie bei A.M. Münster 2006; - Andreas Bächli-Hinz, Monotheismus u. neuplaton. Philos. Eine Unters. zum pseudo-aristotel. Liber de causis u. dessen Rezeption durch A. d. Gr. Sankt Augustin 2004.
Letzte Änderung: 29.06.2007