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Flüchtlinge in der deutschen Botschaft in Prag 1989
Flüchtlinge in der Prager Botschaft

ML Mona Lisa

Flucht in die Prager Botschaft

Familie Kuhn und der
Sommer 1989


Für Susanne und Herbert Kuhn ist der Tag der Deutschen Einheit mit ganz besonderen Erinnerungen verbunden. Sie gehörten mit ihren Kindern 1989 zu den ersten DDR-Flüchtlingen in der Prager Botschaft. Sie und weitere Tausende brachten durch ihre Suche nach Freiheit die DDR zum wanken. Jedes Jahr ist seitdem für sie ein neues Jahr in Freiheit.


Gesellschaft start
 

ML Mona Lisa

Das Magazin

nächste Sendung:
14.11.04 18:00 Uhr

 
Überwältigender Rückhalt  
   

Bereits am 1. Juli 1989 flohen Susanne und Herbert Kuhn mit ihren drei Kindern, sechs, acht und zehn Jahre alt, in die deutsche Botschaft in Prag. Drei Jahre zuvor hatten sie einen Ausreiseantrag gestellt, danach folgten ununterbrochen Schikanen: Sie mussten ihr Haus verlassen, wurden zwangsumgesiedelt, abgehört und bekamen Drohanrufe.

 
 
Susanne und Herbert Kuhn
Susanne und Herbert Kuhn

Fluchtort Prag
     Für Susanne Kuhn wurde schließlich das Leben in der DDR unerträglich. Sie fühlten sich nur noch im engsten Familien- und Freundeskreis sicher. Und sie wollten nicht länger mit ansehen, wie ihre Kinder charakterlich verbogen werden sollten, so Herbert Kuhn. Am 30. Juni 1989 abends schließlich stieg die Familie in einen Zug nach Prag. Andere Fluchtwege über die grüne Grenze hatten sie, wegen der Gefahr für die Kinder, ausgeschlossen. Sie hatten nur Gepäck für drei Tage bei sich, um nicht aufzufallen.

 
   

Es war Samstag, der 1. Juli. In Prag warteten sie Stunden, bis endlich ein Auto vorfuhr und jemand die deutsche Botschaft betrat. In dem Moment wollten sie mit hineinschlüpfen. Susanne Kuhn mit dem ältesten Kind war schon drin, Herbert Kuhn stand mit den beiden anderen Kindern und Gepäck noch draußen. Ein tschechischer Milizionär wollte ihn packen, da schubste er ihn weg, schnappte sich die Kinder und sprang in die Botschaft. Das Tor fiel zu. Und von den Kuhns fiel die Anspannung und Angst der vergangenen Tage ab.

 
 
Drei Monate Ungewissheit in der Prager Botschaft
Hier lebten Kuhns drei Monate

Drei Monate Ungewissheit
      Über der Wohnung des deutschen Botschafters durften sie einen Lagerraum beziehen. Der Botschafter Herbert Huber und seine Frau Jacqueline halfen ihnen mit Essen, Kleidung, aber auch menschlicher Wärme. Für Susanne Kuhn wurde Jacqueline Huber zu einer Art Ersatzmutter.

 
   

Für den Botschafter waren die Kuhns besondere Flüchtlinge. Ihr Zusammenhalt und ihre Überzeugung haben ihn beeindruckt. Er selbst stand vor einer großen Herausforderung: So viele Flüchtlinge reinlassen wie möglich, damit der Druck auf die DDR und das Gastland erhöht wird. Innerhalb weniger Wochen stieg die Zahl der Flüchtlinge auf 4.000 an. Für Herbert Huber war es das größte Flüchtlingsdrama, das eine deutsche Botschaft je erlebt hat.

 
 
Herbert Huber, Botschafter a.D.
Herbert Huber, Botschafter a.D.

Wunsch nach Freiheit
      Am 30. September 1989 war dann klar: Es gibt eine Wende. Der damalige Außenminister Genscher kam in die Botschaft, nach Gesprächen mit der DDR-Führung in New York. Für ihn war dieser Tag politisch und persönlich eine Herausforderung, erinnert sich Huber: "Ich habe Herrn Genscher gesehen und habe gemerkt, dass es ihm gut ging. Später hat er mir erzählt, dass er nicht wusste, ob er diese Szene überhaupt überleben würde, er hatte ja kurz vorher eine, ich glaube, Bypass-Operation gehabt." Im Palais Lobkowicz, der deutschen Botschaft in Prag, wird der Balkon heute noch "Genscher Balkon" genannt. Hier verkündete er den Wartenden im Garten, dass sie in die Bundesrepublik ausreisen dürften.

 
   

Palais Lobkowicz: Ort deutscher Geschichte in Prag
Buchtipp
Harald Salfellner, Werner Wnendt
Das Palais Lobkowicz
Ein Ort deutscher Geschichte in Prag
Vitalis-Verlag, 1999
ISBN 80-85938-65-0
24,95 Euro

 
   

Auch die Kuhns verließen nach drei Monaten Prag und reisten nach Bayern aus. Direkt an der Grenze sind sie aufgewachsen. Die Mauer hat ihre Lebensgeschichte mitgeschrieben. Jetzt haben sie zwei Leben und zwei Heimaten, sagen sie. "In Thüringen haben wir unsere Wurzeln, aber unsere emotionale Heimat liegt in Bayern, so wie wir hier aufgenommen wurden." Heute pendeln sie zwischen Hof und ihrem Haus bei Erfurt, das sie zurückbekommen haben. Und das Leben in Freiheit bedeutet ihnen alles.

 
   

  Flucht in die Prager Botschaft  
  Ein Beitrag von Monika Gras
Sendedatum: ML Mona Lisa, 3.10.2004, 18.00 Uhr
Wiederholung in 3sat, 6.10.2004, 12.15 Uhr
 

 
 
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