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Wirtschaftswald

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Nutzwald in Südmecklenburg
Wirtschaftswald in Bayern: Buchen-Fichten Altdurchforstung

Als Wirtschaftswald oder Nutzwald werden als Überbegriff mehr oder weniger intensiv bewirtschaftete Wälder bezeichnet, die meist vorrangig zur Produktion von Holz genutzt werden. Wird der Wirtschaftswald durch Aufforstung langfristig nutzbar erhalten und die Baumartenzusammensetzung gezielt nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten gesteuert, wird auch der Begriff Forst verwendet, der sich meist auf ein räumlich abgegrenztes Teilstück eines Wirtschaftswaldes bezieht.

Wirtschaftswald unterscheidet sich vom Urwald und anderen nicht oder nur sehr geringfügig bewirtschafteten Waldflächen. Der „Wirtschaftswald außer regelmäßigem Betrieb“ wird gelegentlich auch als Nichtwirtschaftswald oder Ausschlusswald bezeichnet. Dies ist meist auf sogenannten Grenzertragsstandorten der Fall, auf denen eine Bewirtschaftung aus ökonomischer Sicht kaum oder nicht sinnvoll ist.

Situation in Deutschland

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In Deutschland ist der Wirtschaftswald die hauptsächlich vorherrschende Form des Waldes. Nach einer Untersuchung der Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, sind in Deutschland 5,6 % der Waldfläche ohne Nutzung.[1] Zu diesen verbindlich ungenutzten Waldflächen zählen u. a. Nationalparke und Naturwaldreservate.

Hinzu kommen Teile der 48 % der deutschen Waldfläche, die sich in Privatbesitz befinden und von ihren Besitzern aus verschiedensten Gründen nicht bewirtschaftet werden.[2] Diese Flächen werden jedoch nicht offiziell erfasst, Schätzungen gehen aber von etwa einem Viertel bis einem Drittel unbewirtschafteter Privatwaldflächen aus.

Naturnähe, Biodiversität und Totholzvorrat in den deutschen Wirtschaftswäldern, vor allem in den Staatswäldern, haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert und sind Gegenstand laufender Untersuchungen.[1]

Bewirtschaftung

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Unterschieden werden zum Beispiel die verschiedenen Betriebsarten Niederwald, Mittelwald und die heute vorherrschende Betriebsart Hochwald. Der Hochwald wird in der Regel schlagweise (Femelschlag, Saumschlag usw.) bewirtschaftet, daneben existieren geringe Flächen an schlagfreiem Hochwald, also wirtschaftlich genutzten Dauerwäldern und Plenterwäldern. Zur Holzernte werden verschiedene Verfahren eingesetzt, die heute außer im Kleinprivatwald meist mechanisiert sind. Weitere Aspekte der Bewirtschaftung sind zum Beispiel die Kulturbegründung (Pflanzung), die Durchforstung und die Jagdbewirtschaftung. Auch die Erschließung mittels Forststraßen und Rückegassen zählt zur Bewirtschaftung. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln spielt in der Forstwirtschaft nur eine sehr geringe Rolle.

Forstbetriebsplanung

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In der Forstverwaltung wird der Begriff Wirtschaftswald in der Betriebsplanung verwendet und hierbei wesentlich enger ausgelegt. Grundsätzlich gehören nur Holzbodenflächen zum Wirtschaftswald. Diese werden zum Beispiel im Saarland unterschieden in:[3]

  • den „Wirtschaftswald im regelmäßigen Betrieb“ (WW i. r. B), der alle Holzbodenflächen, die einer regelmäßigen Bewirtschaftung unterliegen, umfasst;
  • den „Wirtschaftswald außer regelmäßigem Betrieb“ (WW a. r .B), der alle Holzbodenflächen, die nicht regelmäßig bewirtschaftet werden können, oder deren nachhaltige Nutzungsmöglichkeit für absehbare Zeit unter 1 Erntefestmeter Derbholz je Jahr und ha liegt, umfasst;
  • oder den „Sonderwirtschaftswald mit erhöhtem Betriebsaufwand“ (WW m.e.B). Dieser umfasst Waldflächen die nicht regelmäßig bewirtschaftet werden können, aber im Unterschied zum WW a.r.B besonderen Arbeitsaufwand erfordern. Hierunter fallen insbesondere Flächen in Bereichen mit erhöhter Verkehrssicherungspflicht wie zum Beispiel Steilhänge an Bebauungsrändern oder an Straßen.

Einzelnachweise

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  1. a b Natürliche Waldentwicklung – 5,6 Prozent der deutschen Wälder forstwirtschaftlich ungenutzt. 17. April 2019, abgerufen am 15. Februar 2026.
  2. Private Waldbesitzer. In: AGDW – Die Waldeigentümer. Abgerufen am 15. Februar 2026.
  3. Verwaltungsvorschriften Saarland (PDF; 407 kB) Anweisung für die Forstplanung in den Wäldern des Saarlandes (1. September 2002).