Zum Inhalt springen

Wells Fargo (Fernsehserie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Fernsehserie
Titel Wells Fargo
Originaltitel Tales of Wells Fargo
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Genre Western
Erscheinungsjahre 1957–1962
Länge 30–60 Minuten
Episoden 201 in 6 Staffeln
Idee James Brooks, Frank Gruber, Gene Reynolds
Musik Mort Greene, Harry Warren, Stanley Wilson
Erstausstrahlung 18. März 1957 auf NBC
Deutschsprachige Erstausstrahlung Feb. 1964 auf ARD
Besetzung

Wells Fargo ist eine US-amerikanische Fernsehserie aus den Jahren 1957 bis 1962, die von Overland Productions und den Revue Studios für NBC mit Dale Robertson in der Hauptrolle produziert wurde.[1][2][3]

Die Westernserie spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und basiert lose auf historischen Ereignissen rund um das Transportunternehmen Wells Fargo & Company. Im Mittelpunkt steht James Whitcomb „Jim“ Hardie, ein erfahrener und unerschrockener Ermittler, der für Wells Fargo als Sonderagent arbeitet und als „der Linkshänder mit dem Colt“ bekannt ist. Seine Aufgabe besteht darin, Postkutschen, Goldtransporte und Bankfilialen zu schützen, Überfälle aufzuklären und Verbrecher quer durch den amerikanischen Westen zu verfolgen. Die Entwicklung seiner Figur wurde von der Biografie des realen Wells‑Fargo‑Detektivs Fred J. Dodge beeinflusst.

Jede Folge erzählt eine abgeschlossene Geschichte, in der Hardie auf Gesetzlose, Betrüger, Kopfgeldjäger, Siedlerfamilien, Rancher oder historische Persönlichkeiten der Zeit trifft. Die Serie verbindet klassische Western‑Elemente wie Reitjagden, Schießereien und Grenzlanddramatik mit kriminalistischen Motiven. Dabei wird Hardie als moralisch gefestigter, ruhiger und gerechter Held dargestellt, der Konflikte nicht nur mit der Waffe, sondern oft auch mit Verhandlungsgeschick löst. Die Serie zeichnet ein idealisiertes, aber atmosphärisch dichtes Bild des amerikanischen Westens und zeigt die Expansion von Kommunikation, Transport und Gesetzesherrschaft in einer Zeit, in der die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis noch fließend war.

Hardies eigene Vergangenheit wurde in der Serie mit Ausnahme einer Folge nur selten thematisiert. In der Folge wird er als in Louisiana geborener Herumtreiber dargestellt, der beinahe selbst zum Gesetzlosen geworden wäre, bevor er seine wahre Bestimmung fand. Im Verlauf der Serie ritt Hardie häufig einen fuchsfarbenen Wallach mit breiter Blesse und vier weißen Fesseln. Das Pferd gehörte dem Darsteller Dale Robertson selbst und trug den Namen „Jubilee“.

Die Serie wurde von Overland Productions und den Revue Studios produziert, heute Universal Television, und in Los Angeles, Kalifornien und Arizona gedreht. Ausführende Produzenten waren Nat Holt und Earle Lyon. Regie führten unter anderem Earl Bellamy, William F. Claxton, Lewis R. Foster, Jerry Hopper, Leslie H. Martinson, Sidney Salkow, R. G. Springsteen, George Waggner und William Witney nach einer Idee von James Brooks, Frank Gruber und Gene Reynolds. Martinson führte bei den ersten beiden Folgen Regie, die von N. B. Stone Jr. und Dwight Newton geschrieben wurden. Zu den Komponisten gehörten Paul Dunlap, Michael Greene, Melvyn Lenard, Morton Stevens, Harry Sukman und John Williams, die Titelmusik stammte von Mort Greene, Harry Warren und Stanley Wilson.[1]

In den ersten beiden Jahren gehörte die Serie zu den „Top 10“ der Nielsen‑Einschaltquoten. In der Fernsehsaison 1957–58 belegte sie Platz 3,[4] und in der Saison 1958–59 erreichte sie Platz 7.[5] In der sechsten Staffel wurde auf Wunsch von NBC die Handlung auf eine Pferdefarm verlagert, von der Hardie fortan operierte, und es wurden weitere Figuren eingeführt, darunter der Schauspieler William Demarest als Jeb Gaine. Zudem wurde auf ein einstündiges Format umgestellt, die Titelmelodie geändert und in Farbe produziert. Die kritisierten Änderungen beschleunigten den Quotenrückgang zum Ende der fünften Staffel und endeten schließlich in der Absetzung des Formats, das in der letzten Staffel von Juggernaut Productions produziert wurde.

Mitentwickler Frank Gruber schrieb mehrere Folgen, darunter eine, die er gemeinsam mit L. Ron Hubbard verfasste.[6] Weitere bekannte Autoren waren der Romanautor Louis L’Amour (der Ideen lieferte, die von anderen ausgearbeitet wurden), Cyril Hume, Mark Hanna, Steve Fisher und Sam Peckinpah. Einige der Folgen zeigen Kondensstreifen am Himmel, die von Flugzeugen des zum Drehort nahegelegenen Phoenix Sky Harbor International Airport und der Luke Air Force Base stammten.[1]

Einige Darsteller und spätere Stars verkörperten Persönlichkeiten der damaligen Zeit oder hatten wiederkehrende Rollen in Wells Fargo, darunter Claude Akins als der Boxer John L. Sullivan (5×), Lyle Bettger als John Wesley Hardin (2×), Charles Bronson als Butch Cassidy, Chuck Connors als Sam Bass (2×), Jeanne Cooper als Belle Starr, Royal Dano als Cole Younger, Cesare Danova als Tiburcio Vasquez, John Dehner als Wade Cather (3×), Paul Fix als Philip Sheridan, Beverly Garland als Pearl Hart, Anne Helm als Nellie Bly, Kelo Henderson als Ike Clanton, Bobby Jordan als der Bandit Robert Ford, Martin Landau als Doc Holliday, Michael Landon als Tad Cameron (2×), Steve McQueen als Bill Longley, Don Megowan als Ben Thompson, Phillip Pine als Kid Curry, Edward Platt als Tom Bell (3×), Addison Richards als Lew Wallace, Paul Richards als Johnny Ringo, Warren Stevens als Clay Allison und Robert Vaughn als Billy the Kid. Weitere bekannte Gastdarsteller waren Dan Blocker, James Coburn, Dan Duryea, Bruce Gordon, Harry Holcombe, Richard Jaeckel, DeForest Kelley, Alan Napier, Jack Nicholson, Leonard Nimoy, Sydney Pollack, Jason Robards senior, Dan Sheridan, Guy Stockwell, Lee Van Cleef und Adam West – neben zahlreichen anderen.[1][2][3]

Veröffentlichung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pilotfilm der Serie wurde als eine Folge der Anthologie-Serie Schlitz Playhouse of Stars ausgestrahlt. A Tale of Wells Fargo lief am 14. Dezember 1956. Regie führte Bernard Girad, das Drehbuch stammte von Frank Gruber nach einer Geschichte, die er gemeinsam mit Zane Grey verfasst hatte.[7]

Die Erstausstrahlung in den Vereinigten Staaten erfolgte schließlich vom 18. März 1957 bis 2. Juni 1962 auf NBC.[1] Die Serie wurde zunächst montags von 20:30 bis 21:00 Uhr (Eastern Time) ausgestrahlt. Pall Mall (American Tobacco Company) und General Foods waren die Sponsoren.[8] In der Fernsehsaison 1960–61 wurde Wells Fargo gegen die Detektivserie Surfside 6 auf ABC platziert sowie die Sitcom Bringing Up Buddy von CBS mit Frank Aletter. In der letzten Staffel wechselte die Serie auf den Samstagabend und trat damit in direkte Konkurrenz zu Perry Mason.[7]

In Deutschland wurden 16 von 34 Folgen der sechsten Staffel erstmals im Jahr 1964 von Februar bis Juni auf dem Hauptsender der ARD ausgestrahlt. Wiederholungen folgten von Juli 1966 bis Februar 1968.[3] Vom 13. Januar 1971 bis 3. Februar 1972 wiederholte das Hessische Werbefernsehen die Folgen und vom 16. Juli 1971 bis 19. Juli 1973 das Werbefernsehen des Sender Freies Berlin. Vom 10. November 1971 bis 10. Mai 1972 wurden die synchronisierten Folgen im Bayerischen Werbefernsehen gezeigt und vom 10. Juli 1972 bis 30. Oktober 1972 im Saarländischen Werbefernsehen. Werbefernsehen beschreibt dabei das werbefinanzierte Vorabendprogramm der 1970er- und 1980er-Jahre, das im jeweiligen Sendegebiet des zuständigen Dritten Programms ausgestrahlt wurde. Zuletzt zeigte der deutsche Privatsender RTLplus Wells Fargo im Jahr 1991 – vom 17. Juni bis 9. Juli.[3]

In den Vereinigten Staaten waren Wiederholungen der Serie auf dem Sender GRIT sowie ab 2016 auf Starz Western zu sehen.[9] Die Timeless Media Group veröffentlichte im Jahr 2011 zudem die ersten beiden Staffeln als ein sechs Medien umfassendes DVD-Video-Set: The Complete 1st and 2nd Seasons (Region 1). Später erschien eine „Best of“-Version der sechsten Staffel mit insgesamt 22 Folgen: Tales of Wells Fargo – The Best of the Color Season. In Deutschland veröffentlichte der Distributor Pidax Film im Jahr 2019 vier Folgen der sechsten Staffel auf DVD-Video und im Jahr 2020 sechs weitere Folgen.[1][3]

Episodenübersicht

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fernsehserie besteht aus 201 Folgen in sechs Staffeln mit einer Nettolänge von 30 Minuten je Folge in den Produktionsjahren von 1957 bis 1961 sowie von 60 Minuten je Folge in den Produktionsjahren 1961 und 1962 (Staffel 6).[1]

Staffel Folgen Erste Ausstrahlung Letzte Ausstrahlung
1 14 18. März 1957 8. Juli 1957
2 38 9. September 1957 26. Mai 1958
3 39 8. September 1958 15. Juni 1959
4 37 7. September 1959 30. Mai 1960
5 39 5. September 1960 10. Juli 1961
6 34 30. September 1961 2. Juni 1962

Insgesamt wurden nur sechzehn Folgen der in Farbe produzierten, finalen sechsten Staffel im deutschsprachigen Raum gezeigt und liegen in einer synchronisierten Fassung vor. Diese wurden teilweise auch als 39 auf 30 Minuten geschnittene Fassungen gezeigt und im Vorspann mit folgendem Text eingeführt: „Ich heiße Jim Hardie und bin bei der Transport- und Versicherungsgesellschaft Wells Fargo angestellt. Meine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass die unserer Firma anvertrauten Güter- und Geldtransporte pünktlich und sicher ihren Bestimmungsort erreichen. Oft muss ich aber auch Überfälle auf unsere Postlinien und die bei uns versicherten Güter der Eisenbahn aufklären.“[3]

Gesamtfolge Staffelfolge Deutscher Titel Originaltitel Erstausstrahlung (USA)
167 1 Geheimauftrag 7,5 Casket 7.3 30. September 1961
168 2 Der schwarze Hengst The Dodger 7. Oktober 1961
171 5 Tanoa Tanoa 28. Oktober 1961
172 6 Ein Clown in Gloribee Mr. Mute 4. November 1961
174 8 Der letzte Kampf A Fistful Of Pride 18. November 1961
180 14 Jeffs 60. Geburtstag Trackback 30. Dezember 1961
181 15 Flucht aus Mexiko Moneyrun 6. Januar 1962
182 16 Die Juwelen der Primadonna Return To Yesterday 13. Januar 1962
183 17 Der Überfall Reward For Gaine 20. Januar 1962
184 18 Katherines Erlebnisse in Gloribee Assignment In Gloribee 27. Januar 1962
185 19 Eine alte Schuld Incident At Crossbow 3. Februar 1962
187 21 Verseuchte Herde Hometown Doctor 17. Februar 1962
188 22 Ein neuer Lehrer in Gloribee The Traveler 24. Februar 1962
191 25 Eine Mutter kämpft um ihren Sohn Who Lives By The Gun 24. März 1962
194 28 Die Bewährungsprobe Remember The Yazoo 14. April 1962
195 29 Wertvolle Ladung The Angry Sky 21. April 1962

Eine Rezension der ersten Folge in der Branchenzeitschrift Variety beschrieb die Serie als „streng nach Schema, ohne jene Charakterisierung oder menschlichen Werte, die bislang die besseren Fernsehwestern bereichert haben.“[8] Weiter hieß es, Robertson wirke in seiner Rolle „hinreichend autoritär“, doch „das Gesamtprodukt erinnere an den schwächeren Film eines ‘Double Features’ [Zweiteilers bzw. Doppelfilms].“[8] Zusammenfassend stellte die Kritik fest, dass die Serie sich eher für die Syndikation eigne, da „eine Ausstrahlung im [Sender-] Netzwerk die Bereitschaft voraussetzt, sich vom ‘Routinehaften’ zu lösen.“[8]

Synchronisation

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synchronisation erfolgte durch Rondo Film in Berlin unter der Dialogregie von Werner Peters.[10]

Darsteller Sprecher Rolle
Dale Robertson Heinz Petruo James Whitcomb „Jim“ Hardie
William Demarest Eduard Wandrey Jeb Gaine
Lory Patrick Brigitte Grothum Tina Swenson
Jack Ging Joachim Kemmer Beau McCloud
Virginia Christine Sigrid Lagemann Ovie Swenson
Mary Jane Saunders Karin Buchholz Mary Gee Swenson

Zweitauswertung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fernsehserie brachte auch eine Reihe von Merchandising-Artikeln und Publikationen für junge Leser hervor, darunter das gebundene Buch Danger at Dry Creek (Golden Press, 1959) sowie eine Serie von Dell Comics und Little Golden Books. Zu den nicht genannten Künstlern, die an der Comic‑Adaption mitwirkten, gehörten Dan Spiegle, Gil Kane, Alberto Giolitti und Russ Heath.[11][12]

Eine gebundene und eine Taschenbuchausgabe mit acht Fernsehspielen, geschrieben von Frank Gruber, erschien 1958 bei Bantam Books.[13] Die britische Firma Tower Press veröffentlichte zudem ein Puzzle, von dem ein Exemplar im People’s Museum von Limerick ausgestellt wird.

Commons: Tales of Wells Fargo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. a b c d e f g Wells Fargo. Internet Movie Database, abgerufen am 18. Januar 2026.
  2. a b Wells Fargo in The Movie Database, abgerufen am 18. Januar 2026.
  3. a b c d e f Wells Fargo bei Fernsehserien.de, abgerufen am 18. Januar 2026.
  4. TV Ratings: 1957–1958. classictvhits.com; (englisch).
  5. TV Ratings: 1958–1959. classictvhits.com; (englisch).
  6. Tales of Wells Fargo. In: IMDB. 18. März 1957; (englisch).
  7. a b Tales of Wells Fargo bei Television Academy
  8. a b c d Tales of Wells Fargo In: Variety, 20. März 1957, S. 39. Abgerufen am 2. Juli 2023 (englisch). 
  9. Tales of Wells Fargo bei GRIT
  10. Wells Fargo. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 18. Januar 2026.
  11. TALES OF WELLS FARGO – Comic Book Cowboys. In: westernclippings.com. (englisch).
  12. Russ Heath. In: lambiek.net. (englisch).
  13. Frank Gruber: Tales of Wells Fargo: New Western Stories. Bantam, 1958, ISBN 978-0-85456-842-0 (englisch).