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Vehnemoor

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Abendstimmung im Naturschutzgebiet „Vehnemoor“ (2015)

Das Vehnemoor ist einer der größten Hochmoorkomplexe in Nordwest-Niedersachsen.

Naturräumliche Lage

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Das über 1600 ha große Vehnemoor ist der östliche Ausläufer der Hunte-Leda-Moorniederung. Diese in Ost-West-Richtung verlaufende Niederung trennt auf einer Länge von etwa 60 km und einer Breite von bis zu 25 km die Ostfriesisch-Oldenburgische Geest von den Geestschwellen von Hümmling und Cloppenburger Geest. Naturräumlich wird das Vehnemoor im Südwesten, Süden und Osten von den Esterweger Geestinseln, den Garreler Talsandplatten, dem Wardenburger Land und dem Oldenburger Geestsporn halbkreisförmig umgeben. Im Norden teilt der weit hereinragende Eschhügel der Edewechter Geest die Niederung. Östlich davon bildet die Geestinsel von Jeddeloh I sowie das Wildenlohsmoor die Grenze, westlich davon geht das Vehnemoor in das Lange Moor sowie das Fintlandsmoor über. Namensgebend ist die das Moor von Süden nach Norden durchfließende Vehne. Über diesen kleinen Moorfluss erfolgte bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Gebietsentwässerung, danach hat der heutige Küstenkanal, der das Vehnemoor zentral in ost-westlicher Richtung durchzieht, die Funktion der Hauptvorflut übernommen. Heute wird das Vehnemoor zudem von einem dichten Gitter strukturarmer Entwässerungsgräben geprägt.

Die großen Moorgebiete Nordwestdeutschlands entstanden in den Warmzeiten des Holozäns. Durch Abschmelzen der Eismassen der Elster- und Saale-Eiszeiten bildete sich eine Grundmoräne, deren Relief sich durch Bodenkriechen einebnete und absenkte. Das mitgeführte Geschiebe aus Ton, Kies sowie vorwiegend Fein- und gelegentlich Mittelsande bildet heute den mineralischen Untergrund des Vehnemoores. Aus diesen sandigen Substraten bildeten sich ausgeprägte Auswaschungsböden mit wasserstauendem Verdichtungshorizont im Untergrund (Podsole). Als vor etwa 8000 Jahren ein Temperaturanstieg erfolgte und feuchteres ozeanisches Klima einsetzte, begann in den podsolierten, dauerfeuchten Senkenbereichen großflächiges Wachstum von Torfmoosen. Ihre abgestorbenen Vegetationsreste bildeten in den kommenden Jahrtausenden die organischen Böden des Naturraumes „Hunte-Leda-Moorniederung“.

Heute herrschen im Vehnemoor feuchte bis nasse, örtlich frische, meist entwässerte, nährstoffarme Hochmoorböden, bei Moorkultivierung örtlich auch Sandmischkulturen und gekuhlte Flächen vor. Mit Einsetzen des industriellen Torfabbaus und der landwirtschaftlichen Kultivierung ist das natürliche Moorwachstum bis auf wenige Refugien zum Erliegen gekommen.

Besiedlungsgeschichte und Rohstoffabbau

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Im Vehnemoor wurden mehrere bedeutende archäologische Funde gemacht, darunter mehrere vorgeschichtliche Bohlenwege, eine Bienenklotzbeute aus der Zeit um 500, die beiden Moorleichen, die Männer von Husbäke, und ein Prachtmantel.[1] Eine weitere im Vehnemoor gefundene Moorleiche ist der Mann aus Hogenseth. Der Fund wurde allerdings nicht wissenschaftlich untersucht. Bis weit in das 19. Jahrhundert trennte das früher unwegsame und fast nur im Sommer passierbare Vehnemoor das protestantisch geprägte Oldenburg vom katholischen Münsterland. Dadurch war das Moor politische wie auch konfessionelle Grenzregion. Ein Verkehrsweg und Leitlinie der früheren Besiedelung und Kultivierung war die durch kleine Sandaufschüttungen erhöhte Flussaue der Vehne. Die Erschließung des Moores erfolgte von Norden, von der Jeddeloher Geestinsel und den sie umgebenden, von der Vehne durchströmten Niedermooren. Erst mit der etwa 1730 einsetzenden Moorbrandkultur konnten trockenere Randbereiche wirtschaftlich genutzt werden. Die unwegsamen Ödländereien wurden auch zur Haltung anspruchsloser Heidschnucken genutzt.

Eine erste, ganzjährig in Nord-Süd-Richtung nutzbare Wegeverbindung durch das Vehnemoor war der ab 1815 angelegte „Edewechter Damm“, an dem später auch die gleichnamige Siedlung Edewechterdamm entstand. Die Hauptphase der Besiedlung erfolgte allerdings erst durch den Bau des Küstenkanals, der die weiten Flächen des Vehnemoores durch Entwässerung nutzbar machte. In seiner Folge wurden beidseits des Kanals Moorkolonien gegründet, die den Siedlern anfangs einen mühsamen Lebenserwerb durch Anbau von Buchweizen und Torfstich ermöglichte. Später traten – begünstigt durch den Transportweg Küstenkanal – zahlreiche Torfwerke und Moorgüter hinzu (z. B. in Ahrensdorf, Edewechterdamm, Harbern), die maschinell Brenntorf abbauten. 1916 wurde in Bösel-Edewechterdamm die Vehnemoor GmbH mit dem Ziel gegründet, dem damaligen großen Mangel an Kohle durch großflächige, maschinelle Brenntorfgewinnung gegenzuwirken. Dieser industrielle Torfabbau prägt – wenn auch heute überwiegend für Gartenbausubstrate – bis heute den Zentralbereich des Vehnemoores nahe Edewechterdamm. Im Ort Overlahe befindet sich zudem ein Produktionsstandort der Firma Klasmann-Deilmann, einer Unternehmensgruppe zur Produktion und Vertrieb von Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau in Deutschland. Folgen der flächigen Abtorfung sind ein massiver Rückgang naturnaher Hochmoorbereiche. Heute sind noch etwa 2200 ha zur Abtorfung vorgesehen.[2] Im Gebiet der Vehnemoor-Gesellschaft wurden in den 1950er Jahren abgetorfte Moor übersandet und anschließend durchmischt („Sand-Moor-Mischkultur“) und so ackerbaulich nutzbar gemacht (heute: Siedlung Overlahe in Bösel). Die Randbereiche des Vehnemoores haben trotz starker Entwässerung vielfach noch eine ursprüngliche Hochmoortorfauflage und sind überall durch Weidewirtschaft und Moorgrünlandnutzung geprägt.

Moorgut Jordanshof

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Das Moorgut Jordanshof wurde 1917 am Hansaweg in Husbäke gegründet. Namensgebend war der rheinische Großindustrielle Dr. Hans Jordan, ein Aktionär der bremischen „Siedlungs- und Torfverwertungs-Gesellschaft Hansa GmbH“. Die „Hansa“ erwarb im Ersten Weltkrieg 1686 Hektar unerschlossenes Hochmoor an der Südseite des Küstenkanals (Gebiet etwa von Jeddeloh II bis Overlahe, südlich bis nahe Bösel), um für die Bremer Bevölkerung Nahrungsmittel anzubauen und Brenntorf zu gewinnen. 1920 wurde Dr. Jordan Alleinbesitzer des gesamten Areals.

Nach dem Tod von Jordan (1923) führten seine Frau Claire und Schwiegersohn Dr. Willy Springorum sein Werk fort. Bis dahin hatte man schon 300 ha Moor zur landwirtschaftlichen Nutzung kultiviert, v. a. am Prinzendamm in Jeddeloh II. Damit gehörte der Jordanshof seinerzeit zu den renommiertesten und erfolgreichsten Moorgütern des Oldenburger Landes (u. a. mit großem Kuhstall und gutseigener Molkerei). Die praktizierte „deutsche Hochmoorkultur“ war innovativ, erwies sich aber durch hohe Kultivierungs- und Düngekosten als wenig rentabel. 1957 wurde daher das Moorgut aufgelöst.

1991 wurden unmittelbar am verbliebenen Gutsgelände 96 ha Resthochmoor als Naturschutzgebiet Vehnemoor-Jordanshof ausgewiesen, welches sich seitdem zu einem Moorbirkenwald entwickelt hat. 2025 wurde für diese Fläche von der neugegründeten Moorgut Jordanshof GmbH die Wiedervernässung, Entwicklung als CO₂-Senke und artenreiches Moor beantragt[3].

Agilla Torfwerk GmbH / Torfwerk Edewecht

Eng verbunden mit dem Jordanshof war das Torfwerk Agilla. Bereits 1922 verpachtete der Jordanhof einen Teil des Areals zur Abtorfung an die Berliner „Agilla Torfwerk GmbH“. 1926 wurde dann der größte Teil der Hochmoorflächen an die Vehnemoor GmbH und zu einem geringeren Teil an die Agilla Torfwerk GmbH verpachtet. Letztere firmierte nach Eigentümerwechsel seit 1935 unter den Namen „Torfwerk Edewecht“, 1993 übernommen durch die niederländische Firma Griendsveen. Griendsveen ist bis heute aktiver Torfabbauer im Vehnemoor.

Direkt am Hunte-Ems-Kanal (heute: Küstenkanal) lag das 1650 ha große Moorgut Vehnemoor von Friedrich von Essern. 1916 verkaufte von Essern sein landwirtschaftlich genutztes Moorgut inklusive Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Geräten und Viehbeständen. Käufer war Georg Klasmann jun., der das Potenzial des Moorguts zum Torfabbau erkannte und das Gut Vehnemoor für 670.000 Mark erwarb. Kurze Zeit stieg der Torfproduzent Friedrich Graf von Landsberg-Velen mit 250.000 Mark in den Kauf des Moorgutes ein.

Am 21. Juni 1916 gründeten die beiden Gesellschafter die Vehnemoor GmbH mit Sitz in Oldenburg. Vorgesehen war der Aufbau eines Torfwerkes, was jedoch im Ersten Weltkrieg durch Mangel an Material und Arbeitskräften vorerst nicht möglich war. Stattdessen wurde bis Ende des Krieges zuerst nur die vorhandene Landwirtschaft von ursprünglich 20 auf 105 ha ausgedehnt.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wechselte noch unter Geschäftsführer Klasmann 1919 der Firmensitz nach Edewechterdamm-Bösel. Der Bau des Torfwerks konnte nun beginnen. Am 10. November 1921 verließen die ersten Torfballen das neu erbaute Werk. Der Weißtorf wurde vorerst noch im Handstich abgestochen. Die Zukunft sollte aber der maschinellen Abtorfung gehören, wie Klasmann 1921 erläuterte: „Es werden […] Vorbereitungen getroffen, um mit dem Torfbaggern anzufangen. Auch ist eine Torfstreufabrik für 40.000 t Jahresleitung im Bau. 30 ha sollen jährlich abgetorft werden. Man wird mit einem Kapitalaufwand von 5 Mio. Mark für das Unternehmen rechnen müssen.“ Bereits 1922 wurde der maschinelle Abbau mit zwei Wielandt-Baggern aufgenommen, nachdem eine Hochspannungsleitung fertiggestellt war.

Wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg war die Möglichkeit des Massenguttransportes zu überregionalen Märkten. Daher erfolgte als eine der ersten Maßnahmen 1920 der Werksanschluss an die Kleinbahn Bad Zwischenahn–Edewechterdamm. Daneben ermöglichte die verkehrsgünstige Lage am Hunte-Ems-Kanal den Schiffstransport zum Bremer Überseehafen, wodurch die Vehnemoor GmbH schnell eine Bedeutung als Exportwerk erlangte. Torf aus dem Vehnemoor wurde so auf die Kanarischen Inseln und bis in die USA transportiert.

Der wirtschaftliche Erfolg lockte bald auch viele Arbeiter aus Thüringen und Sachsen, die infolge der wirtschaftlichen Krise Anfang der 1920er bei der Vehnemoor GmbH Arbeit suchten. Als Unterkunft für neue Saisonarbeiter wurden Baracken errichtet. Für das Stammpersonal, Torfmeister und Handwerker wurde 1924 ein noch heute bestehendes, dreistöckiges „Arbeiterheim“ gebaut, in dem 75 Personen untergebracht werden konnten. 1930 wurden bereits knapp 450.000 Torfballen jährlich exportiert.[4][5]

Im Zweiten Weltkrieg waren ab Mai 1942 bei der Vehnemoor GmbH auch sowjetischeZivilarbeiter“ beschäftigt. Die Betriebsleitung kritisierte gegenüber den NS-Stellen, dass diese Zivilarbeit „in der schlechten Verfassung und in der mangelhaften Verpflegung“ für die schwere Akkordarbeit ungeeignet waren. Angesichts dieser Situation, kommentierte der Torfbetrieb, „sei es sinnvoller, eine geringere Anzahl von Zivilrussen in Deutschland einzusetzen und diese dann besser zu verpflegen“. Auch durch diesen Einspruch wurde die Lebensmittelzuteilung im Werk im Oktober 1942 angehoben.[6] Nach dem Zweiten Weltkrieg trat zunehmend die Produktion gartenbaulicher Kultursubstrate an die Stelle von Brenntorf. Sowohl die Vehnemoor GmbH als auch das Torfwerk Edewecht waren derzeit bedeutende Arbeitgeber: bei der Vehnemoor GmbH waren um die 600 Personen tätig, im Torfwerk Edewecht weit über 100 Personen beschäftigt.
1991 wurde der Bahnanschluss wegen mangelnder Rentabilität stillgelegt, der Transport der Torfprodukte erfolgt heute mit dem LKW oder dem Schiff. 1990 fusionierte die Vehnemoor GmbH mit der Firma Deilmann und wird seitdem in der Klasmann-Deilmann GmbH weitergeführt. Bis heute ist das Vehnemoor ein wichtiger Produktionsstandort für Klasmann-Deilmann.

Torfwerk Staatsmoor A.G.

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Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb die oldenburgischen Staatsmoorgesellschaft von der Gemeinde Edewecht 410 ha Hochmoorfläche in Husbäke-Hogenset, um dort eine Torfbrikettwerk zu betreiben. Der energieaufwändige Produktionsprozess war aber unrentabel und der Betrieb 1933 aufgegeben. Die Fläche wurde an den Oldenburger Staat verkauft und ab 1935 für die heutige Siedlung Hogenset veräußert. Die Torfstreuproduktion der Staatsmoor AG wurde im Torfwerk Möllenberg weitergeführt.

Lager im Vehnemoor

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Kriegsgefangenenlager in Husbäke
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Im Ersten Weltkrieg befand sich südlich des Küstenkanals beim späteren „Jordanshof“ von Anfang 1915 bis 1918 das eingezäunte Barackenlager „Süd-Edewechter Moor“, wo etwa 3000 – überwiegend russische – Kriegsgefangene das Moor per Hand entwässern mussten.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich ab etwa 1940 ein Kriegsgefangenenlager im Tanzsaal des Geschäftshauses Orth (heute Ecke B401 / östlicher Bachmannsweg). Hier waren 80 überwiegend französische Kriegsgefangene untergebracht. Sie waren tagsüber in der Nähe als landwirtschaftliche Helfer eingesetzt. In den letzten Kriegstagen wurde das Lager durch Kriegshandlungen zerstört.

Arbeitsdienstlager Hogenset
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Ende 1933 / Anfang 1934 entstand im Zusammenhang mit dem Aufbau der „Kolonie Hogenset“ südlich des Küstenkanals ein Stammlager der Reichsarbeitsdienstabteilung 7/190 Edewechtermoor. Aufgaben des Arbeitsdienstes waren vor allem Moorentwässerung (Grabenaushub, Drainagen legen) und Unterstützer der Neusiedler beim Abtorfen von Siedlerstellen am Hogenset. Die Neusiedlerfamilien wurden zudem durch sog. Arbeitsmaiden aus dem Lager Langenmoor unterstützt.

Das Lager (heute: Kreuzungsbereich Breslauer Str. / Hogenset) bestand aus mehreren hölzernen Mannschaftsbaracken, einer Wirtschaftsbaracke und einem Wachgebäude, die hufeisenförmig um einen quadratischen Appellplatz gruppiert waren. Durch Kriegseinwirkung wurde eine Baracke 1945 zerstört, die restlichen wurden nach 1945 als Flüchtlingsbehausungen genutzt oder abgebaut und als provisorische Wohnstätten im Dorf wieder aufgebaut.

Trivia: Vehnemoor als Grenzort

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  • In der alten Gaueinteilung Norddeutschlands bildete das Vehnemoor den historischen Grenzraum zwischen dem Lerigau und dem Ammergau. Mit kleinen Verschiebungen bildet das Moor – speziell der es in Ost-West-Richtung durchziehende Küstenkanal – bis heute die Grenze zwischen den Landkreisen Cloppenburg und Ammerland. Gleichzeitig bildet es immer noch eine Konfessionsgrenze (nördlich: evangelisch, südlich: katholisch).
  • Eine gern erzählte Grenzanekdote betrifft auch den Schanktresen des Arbeiterheims der Vehnemoorgesellschaft. Durch ihn verlief die Grenze der damaligen Gemeinde Bösel und Altenoythe. Man konnte also in der einen Gemeinde ein Getränk bestellen und es kurz darauf in der anderen trinken.

Die Sage vom Dustmeer

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In der Grenzkarte Oldenburg/Münster von 1755 ist inmitten des Vehnemoores noch das 20 ha große Dustmeer als „does-meer“ kartiert. Diese geologische Besonderheit eines Hochmoorsees bestand bis zur Trockenlegung um 1950. Nach einer Volkssage rührt die Bezeichnung Dustmeer von Teufelsmeer her. Ähnlich der Sage von der Entstehung des Zwischenahner Meeres hat auch hier der Teufel einen Klumpen Erde aus dem Boden gerissen, um damit eine Kirche (in Altenoythe) zu treffen. An dem Ort, wo er die Erde entnahm, entstand später das Dustmeer.

Mit steigendem Umweltbewusstsein der Bevölkerung seit Ende der 1970er-Jahre stellte sich auch die Frage nach der wirtschaftlichen Erfordernis des großflächigen Torfabbaus. 1989 zeigte sich bei öffentlichen Diskussionen zur vorläufigen Sicherstellung kleinerer Teilflächen des Vehmemoors als Naturschutzflächen (Vehnemoor-West, Jordanshof und Dustmeer), dass die Renaturierung nach Abtorfung in weiten Teilen ungeklärt war. Daraufhin gründete sich die Interessengemeinschaft zur Rettung des Vehnemoores e. V. mit dem Ziel, die verbliebenen Restflächen aus industrieller Abtorfung abschließend für eine Regenerierung zu sichern.[7] Die betroffene Torfindustrie reagierte mit eigenen Gutachten zur Naturverträglichkeit des Torfabbaus.[8]

Naturschutzgebiet Vehnemoor

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Das Vehnemoor ist ein Naturschutzgebiet in den niedersächsischen Landkreisen Ammerland und Cloppenburg. Das Naturschutzgebiet mit dem Kennzeichen NSG WE 270 hat eine Fläche von 1.676 ha. Es liegt im Süden der Gemeinde Edewecht und im Norden der Gemeinde Bösel. Seit 2008 steht es unter Naturschutz. Zuständig sind die Landkreise Ammerland und Cloppenburg als untere Naturschutzbehörden.[9]

Das ehemalige Naturschutzgebiet Vehnemoor-Dustmeer (Kennzeichen: NSG WE 208; Fläche: 64 ha, seit 1991), für das allein der Landkreis Cloppenburg zuständig war, ist seit 2008 mit gesamter Fläche Bestandteil des neu ausgewiesenen Naturschutzgebietes Vehnemoor.[10]

Das gilt ebenso für das ehemalige Naturschutzgebiet Vehnemoor-Jordanshof (Kennzeichen: NSG WE 206, seit 1991), das mit einer Gesamtfläche von 96 ha ebenfalls 2008 im Naturschutzgebiet Vehnemoor aufgegangen ist.[11] Hier hatten der Landkreis Ammerland mit 48,5 ha und der Landkreis Cloppenburg 47,5 ha fast gleich großen Anteil.

Naturschutzgebiet Vehnemoor-West

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Darüber hinaus existiert das Naturschutzgebiet Vehnemoor-West (Kennzeichen: NSG WE 207). Für das 87 ha großen Schutzgebiet ist allein der Landkreis Cloppenburg als untere Naturschutzbehörde zuständig. In dem sich regenerierenden Gebiet mit HochmoorGrünland, Stadien von Hoch- und Übergangsmooren und Moorwald wachsen Pfeifengras, Glocken-Heide, Besenheide und Birken.[12]

  • B. Brandt: Das Vehnemoor in Oldenburg, eine sterbende Naturlandschaft. In: Die Naturwissenschaften. Vol. 11, Nr. 31, August 1923, S. 677–679, doi:10.1007/BF01551552.
  • Sofie Meisel: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 54/55 Oldenburg/Emden (= Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung [Hrsg.]: Geographische Landesaufnahme. Naturräumliche Gliederung Deutschlands. 54/55, 2). Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung, Bad Godesberg 1962, OCLC 257053292.
  • Karl Schlabow: Der Prachtmantel Nr. 2 aus dem Vehnemoor in Oldenburg (= Staatliches Museum für Naturkunde und Vorgeschichte [Hrsg.]: Abhandlungen und Berichte. Nr. 2). Dieckmann, Oldenburg 1953, DNB 454363354, S. 160–201 (aus: Oldenburger Jahrbuch. Band 52, 1952/1953).
  • tog: Moorschutz: Es geht um die letzten Reste. In: Oldenburger Umwelthaus Nachrichten. Beilage zum Oldenburger STACHEL. Nr. 4/97, S. 3 (Stachel.de (Memento vom 3. Januar 2009 im Internet Archive)).
  • Wilfried Kuhlmann: Husbäke Chronik. Eigenverlag Husbäke 2013

Einzelnachweise

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  1. Der Prachtmantel aus dem Vehnemoor. Ein Meisterstück germanischer Webkunst. (Memento vom 19. Juni 2008 im Internet Archive) In: wardenburg.de.
  2. Landschaftssteckbrief. 60002 Vehnemoor / Fintlandsmoor. (Memento vom 4. Oktober 2015 im Internet Archive) Bundesamt für Naturschutz.
  3. Wiedervernässung Vehnemoor-Jordanshof. In: moor-net.de. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  4. Klasmann-Deilmann: Standort Vehnemoor wird 100 Jahre alt. In: Gabot.de, 28. Juni 2016.
  5. Schanktresen genau auf der Gemeindegrenze. In: Nordwest-Zeitung. 6. März 2014, abgerufen am 27. Juni 2023.
  6. Katharina Hoffmann: Ausländische ZwangsarbeiterInnen in Oldenburg während des Zweiten Weltkrieges. Eine Rekonstruktion der Lebensverhältnisse und Analyse von Erinnerungen deutscher und polnischer ZeitzeugInnen. Dissertation. Fachbereich Sozialwissenschaften, Carl-von-Ossietzky Universität, Oldenburg 1999, S. 70, urn:nbn:de:gbv:715-oops-4206 (Abstract [mit Link zum Volltext: PDF; 4,0 MB]).
  7. Homepage der Interessengemeinschaft Vehnemoor e. V. In: vehnemoor.de, abgerufen am 27. Juni 2023.
  8. Büro für angewandte Landschaftsökologie: Gutachtliche Stellungnahme zum Nutzungskonflikt Torfabbau versus Naturschutz bei drei Teilflächen im Vehnemoor auf der Grundlage landschaftsökologischer Untersuchungen und Bewertungen. Im Auftrag der Vehnemoor GmbH und Torfwerk Edewecht. (vervielf. Schreibmaschinenmanuskript), Anh. Altenberge 1991.
  9. Naturschutzgebiet „Vehnemoor“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
  10. Naturschutzgebiet „Vehnemoor-Dustmeer“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
  11. Naturschutzgebiet „Vehnemoor-Jordanshof“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
  12. Naturschutzgebiet „Vehnemoor-West“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)

Koordinaten: 53° 3′ 45″ N, 7° 59′ 5″ O