Tractatus logico-philosophicus

Der Tractatus logico-philosophicus oder kurz Tractatus (ursprünglicher deutscher Titel: Logisch-philosophische Abhandlung) ist das erste Hauptwerk des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889–1951) und das einzige buchförmige philosophische Werk, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde.
Unmittelbar nach seiner Veröffentlichung wurde der Tractatus von Fachleuten einzelner positivistischer Logikergruppen als bewundernswerter Geniestreich aufgenommen.[1] Wittgensteins Lehrer und Förderer Bertrand Russell und der Wiener Kreis um Moritz Schlick sind für seine schnelle, fachinterne Verbreitung verantwortlich gewesen. Mit der Schrift, „das bedeutendste Werk“ seiner Zeit, so Schlick, sei der Weg zur sprachanalytischen Philosophie „erstmals aus der Tiefe begründet, […] an einem Wendepunkt angelangt“.[2] Schlick selbst hat, neben weiteren Befürwortern eines logischen Empirismus, seine Positionen und Formulierungen nach Wittgensteins Werk neu ausgerichtet. An erster Stelle stehe die Einsicht, dass alle Erkenntniskritik (im klassischen Kantischen Sinne) auf logische Klärung der Sprache hinausläuft, mit dem Tractatus sich der so genannte „Linguistic Turn“ in der Philosophie vollzogen hat.[3]
Aus heutiger philosophiehistorischer Sicht enthält der Tractatus die wohl wirkungsmächtigste „Vision eines im Sinne der Idealsprache vollendeten Programmes“, die in ihrer geschlossenen Formgebung auf gleicher Stufe „mit der Aufhebung der Philosophie“ selbst stehe.[4] In diesem einschränkenden Sinne bleibt er Ausgangspunkt für vielfältige logisch-analytische Entwicklungslinien der heutigen Philosophie, vor allem im europäischen und anglo-amerikanischen Raum.[5] Nicht zuletzt gehört die Abhandlung seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu den einflussreichsten Werken der Logikgeschichte: Zahlreiche Kommentarbände, Lehrveranstaltungen und Qualifikationsschriften sind allein diesem Werk gewidmet.[6][7]
Entstehungsgeschichte
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Die Konzeption zu der Abhandlung ist aus den philosophischen Studien Wittgensteins und seinen zahlreichen Diskussionen mit Russell entstanden, den Wittgenstein schon 1911 in Cambridge aufsuchte und der das Zustandekommen der Schrift und ihre erste Veröffentlichung zehn Jahre später maßgeblich förderte. Wittgenstein setzte die Berarbeitung des Werks während des Ersten Weltkriegs fort, um es 1918 abzuschließen.[10][11]
Es erschien mit Unterstützung von Russell zunächst 1921 in Wilhelm Ostwalds Annalen der Naturphilosophie. Diese von Wittgenstein nicht gegengelesene Fassung enthielt grobe Fehler. Eine korrigierte, zweisprachige Ausgabe (deutsch/englisch) unter Mitwirkung Wittgensteins erschien 1922 bei Kegan Paul, Trench, Trubner & Co. in London in der Reihe International Library of Psychology, Philosophy and Scientific Method und gilt als die offizielle Fassung. Die englische Übersetzung stammte von C. K. Ogden und Frank Ramsey. Eine zweite zweisprachige Ausgabe erschien 1933.
1929 legte Wittgenstein den Tractatus (der lateinische, an Spinozas Tractatus theologico-politicus erinnernde Titel geht auf G. E. Moore zurück) als Dissertation am Trinity College der Universität Cambridge vor, zur Begutachtung durch Russell und Moore, um dort eine behördliche Anstellung zu erwirken.[12][13]
Inhalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemeine Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Inhaltlich setzt der Tractatus bei der sprachanalytischen Philosophie Gottlob Freges und Bertrand Russells an und bei deren, zu damaliger Zeit weit verbreiteten logizistischen Sichtweise auf die allgemeine Syntax der Sprache. Unter diesen Voraussetzungen stehend, umfasst Wittgensteins Werk die gesamte Wirklichkeitserkenntnis.[14] Er gilt als der erste Begründungsversuch des damaligen Standpunktes des Logischen Atomismus.[15][16][17][18][19]
Logisches (Sinn und Bedeutung einer Aussage): Als logisches Werk beschreibt der Tractatus die Bedingungen, unter denen allgemein eine Aussage[20]
- (1) einen „Sinn“ hat (im Sinne Freges), und
- (2) eine „Bedeutung“ hat (im Sinne Freges), also wahr oder falsch sein kann.
Das erste Merkmal einer sinnvollen Aussage (1) betrifft die Bedingungen, wie ein Satz Sachverhalte darstellen kann und mündet in der Abbildtheorie, wie Tatsachen erkannt werden können. Wittgenstein sagt das so:
- „Was das Bild darstellt, ist sein Sinn.“ (2.221).
Hierbei geht es um eine umfassende Ausarbeitung der Bildtheorie nach der damals viel beachteten Einleitung zu Hertz’ Prinzipien der Mechanik.[21][22]
Das zweite Merkmal einer sinnvollen Aussage (2) betrifft dann die internen semantischen Regeln zur Beurteilung ihrer Gültigkeit: Das fügt sich ein in Wittgensteins Konzeption einer Korrespondenztheorie.[23] Wittgenstein sagt das so:
- „In der Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung seines Sinnes [des Bildes] mit der Wirklichkeit besteht seine Wahrheit oder Falschheit.“ (2.222).
Hierbei geht es um allgemeine („logische“) Bewertungsregeln, die im logischen Atomismus mit Russells Darstellung übereinstimmen, Wittgenstein erläutert sie nur anders.[24] Ein entscheidender äußerer Unterschied betrifft die Frage nach der Darstellbarkeit dieser Semantik selbst. Wittgenstein lehnte eine solche innerlogische, formale Repräsentation entschieden ab und betont im Tractatus mehrfach die Nicht-Übertragbarkeit zu einem semantischen Regelkalkül, distanzierte sich am deutlichsten von Russells logischem Konzept einer Typentheorie für umgangssprachliche Bezeichnungen, womit wir die Welt und ihre Tatsachen erkennen und bewerten.[25] Konsequenterweise könne Russells Typentheorie für diese Art von Selbstreferentialität gar nicht auftreten.
Beide Konzeptionen werden heute historisch als originäre Ideen zum logischen Atomismus angesehen. Wittgensteins Abhandlung tritt dabei mit einer atomistischem Auffassung hinsichtlich des gemeinsamen Untergrundes zwischen (1) und (2) auf: mit Hilfe von Elementarsätzen, die den realen Sachverhalt logisch abbilden, die unabhängig voneinander und zugleich eindeutig die Realität wiedergeben. Diese Auffassung stellt gleichzeitig den Ausgangspunkt und die (philosophisch) hauptsächliche Schwierigkeit dar.[26] Im Tractatus wird die Schwierigkeit in der Unterscheidung zwischen Sagen und Zeigen deutlich gemacht, wenn es da heißt:
- „Der Satz zeigt seinen Sinn.
- Der Satz zeigt, wie es sich verhält, wenn er wahr ist. Und er sagt, dass es sich so verhält. …
- Der Satz konstruiert eine Welt mit Hilfe eines logischen Gerüstes und darum kann man am Satz sehen, wie sich alles Logische verhält, wenn er wahr ist. …
- Man versteht ihn [den Satz], wenn man seine Bestandteile versteht.“ (4.022–5).
In diesem denotativen Zusammenhang zwischen Sinn und Bedeutung in Satz 4.022 ff., der nur auf einen innersprachlichen Unterschied hinweist,[27] sieht Michael Dummett die „größte Klarheit“ in der wahrheitstheoretischen Übereinkunft Wittgensteins mit Frege und Russell.[28]

Wittgensteins Tractatus gilt zudem als eine der ersten Schriften, die eine tabellenartige Wahrheitswert-Semantik der Aussagenlogik vorstellt.[29]
Philosophisches: Als philosophisches Werk umfasst es die vielfältigen gedanklichen Folgerungen, die sich aus der logischen Analyse ergeben und oft hohen Interpretationsspielraum zulassen. Es betrifft die Grenze zum „Unsinnigen“, was bei Wittgensein nicht gleichzusetzen ist mit „Sinnlosem“. Das ganze Bereich der Ethik und Metaphysik gehört somit im Tractatus dazu. Sie münden in zum Teil lakonischen Aussagen wie: „Die Logik muss für sich selber sorgen.“ (5.473), oder: „Die Philosophie ist keine der Naturwissenschaften.“ (4.111).
Wittgenstein beansprucht die klärende Behandlung aller Hauptprobleme der Philosophie. Entsprechend eigenartig ist seine Notiz aus dem Vorwort, mit der Schrift diese Probleme „im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben“. Diese Überzeugung, die in klar umschriebene Grenzen der idealsprachlichen Terminologie setzt, kennzeichnet die Phase der „Ersten Philosophie“ Wittgensteins.[30] Der Tractatus beinhaltet somit nicht nur rein logisch-theoretische Fragen der Philosophie, sondern für Wittgenstein war der eigentliche „Sinn des Buches … ein ethischer“, insofern alles Metaphysische, Ethische, alles Mystische und Ästhetische „von Innen her begrenzt“ werde.[31] In Wittgensteins eigenen Worten bestehe der Sinn diesen ethischen Teils „aus all dem, was ich nicht geschrieben habe. Und gerade dieser zweite Teil ist der Wichtige“.[32]
Textform: Eine besondere Eigenart dieser Schrift ist das einen Zusammenhang herstellende „Nummerierungsverfahren“ im Text,[33] der ohne diese Untersätze aus gerade mal sieben „Hauptsätzen“ (1–7) besteht, wobei der letzte Hauptsatz als einziger für sich alleine steht: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“. Insgesamt deuten die Chiffrierungen – man findet etwa auch einen Satz 5.47321 – auf die eigene Schwerpunktsetzung hin. Sie bilden das „tragende Gerüst des ganzen Gebäudes“,[34] so auch Wittgensteins eigenes Bestehen auf ihre Drucklegung.[35] Doch die genauere Intention Wittgensteins, die zu einem logisch geordneten, philosophischen System hinführen sollte, gibt bleibende Rätsel auf.[36] Besonders kritisch wird die in diesem Zusammenhang die Frage untersucht, inwiefern Wittgenstein ein „abgeschlossenes System“ überhaupt kennzeichnen oder beabsichtigen konnte.[37]
Zudem fällt der Text, für philosophische Verhältnisse, kurz und inhaltsschwer, aphorismenartig, karg und konzentriert aus.[38] Doch Wittgenstein hielt das Werk in dieser Form für abgeschlossen. An den Übersetzer der ersten zweisprachigen Ausgabe C. K. Ogden schrieb Wittgenstein auf dessen Nachfrage, ob es weitere Ergänzungen und Erläuterungen gebe – und es gab durchaus welche:
« Es tut mir schrecklich leid, dass der Text so kurz ist, aber was soll ich tun? Auch wenn sie mich auspressen wie eine Zitrone, würden Sie nichts mehr herausbekommen. […]
(Statt die Ergänzungen zu drucken, um das Buch aufzublähen, sollten Sie lieber ein Dutzend Seiten für den Leser frei lassen, damit er seine Flüche aufschreiben kann, wenn er das Buch gekauft hat und es nicht versteht.) »

Wittgensteins Anspruch auf logische Klarheit der sprachanalytischen und logischen Sachverhalte wird dadurch verzerrt, dass sein Tractatus vieldeutige und zum Teil unverständliche Formulierungen beinhaltet, die mitunter auf die formallogische und damals neuartige Terminologie (nach Frege und Russell) zurückgreift.[40]
Problem der Eindeutigkeit: Weiterhin markant ist, dass Wittgenstein selber sich in seiner späteren Schaffensphase von dem Tractatus hinsichtlich der Eindeutigkeitsfrage in sprachlichen Abbildungen der Tatsachenbestände – was im Kern seine Isomorphie-Hypothese[41][42] der Abbildtheorie meint – distanziert hat. Die abbildende Zuordnung innerhalb eines „logischen Raums“, wie Wittgenstein sagt, die Zuordnung zwischen den Elementen der Gegenstandswelt und der Satzstruktur selbst, bezieht sich weder funktional noch intentional eindeutig auf Tatsachenbestände. Die Satzstruktur kann nur ein Bild von möglichen Sachverhalten aufweisen. Die Eindeutigkeit der Verbindung zwischen sprachlichen (atomaren) Urelementen, den logischen Konstanten und Namen, mit elementaren Gegenständen der Wirklichkeit, die in der Verbindung einen Elementarsatz bilden, muss dadurch infrage gestellt werden. Im Tractatus sagt Wittgenstein das als eine Aufforderung zur Idealsprache, als eine Art normative Setzung, so wie Wittgenstein (zusammen mit Ramsey) die gesamte Logik „normativ“ begriffen hat.[43] Die Frage bleibt, inwiefern dies als eine Einschränkung zu verstehen ist:
« Um […] Irrtümerm zu entgehen, müssen wir eine Zeichensprache verwenden, welche sie ausschließt, indem sie nicht das gleiche Zeichen in verschiedenen Symbolen, und Zeichen, welche auf verschiedene Art bezeichnen, nicht äußerlich auf die gleiche Art verwendet. Eine Zeichensprache also, die der logischen Grammatik – der logischen Syntax – gehorcht. »
Und ebenso betont Wittgenstein auch später noch, in erweiterter Betrachtung der Bedeutungstheorie von Umgangsprachen:
« Wo die Umgangssprache die logische Struktur vermittelt, dort müssen wir sie durch einen Symbolismus ersetzen, der ein klares Bild der logischen Struktur vermittelt, der Scheinsätze ausschließt und der seine Ausdrücke nicht mehrdeutig verwendet. »
Die Forderung zur Idealsprache wird von Wittgenstein zu seiner Zweiten Philosophie[46] ab den 1930ern relativiert. Inwiefern hierin nun eine erweiterte Sprachperspektive oder tatsächlich ein radikaler Bruch in Wittgensteins Philosophie zum Vorschein kommt, bleibt ein aktuelles wie beständiges Diskussionsthema.
Besondere Einzelaspekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aus dem Vorwort
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie im Titel des Buches angedeutet, enthält es zum einen eine logische Theorie, zum anderen legt Wittgenstein darin eine philosophische Methode dar. „Das Buch will also dem Denken eine Grenze ziehen, oder vielmehr – nicht dem Denken, sondern dem Ausdruck der Gedanken: Denn um dem Denken eine Grenze zu ziehen, müßten wir beide Seiten dieser Grenze denken können“ (Vorwort). Wittgensteins Hauptanliegen ist es, die Philosophie von Unsinn und Verwirrung zu bereinigen, denn „[d]ie meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig. Wir können daher Fragen dieser Art überhaupt nicht beantworten, sondern nur ihre Unsinnigkeit feststellen. Die meisten Fragen und Sätze der Philosophen beruhen darauf, dass wir unsere Sprachlogik nicht verstehen.“ (4.003)
„Im Einzelnen“ erhebt Wittgenstein „überhaupt nicht den Anspruch auf Neuheit; und darum gebe ich auch keine Quellen an, weil es mir gleichgültig ist, ob das, was ich gedacht habe, vor mir schon ein anderer gedacht hat“ (Vorwort).
Wittgenstein widmete sein Erstlingswerk Tractatus Logico-Philosophicus seinem Freund und Lebensgefährten David Pinsent zum Gedenken.[47]
Abschnitte 1–3: Welt und Wirklichkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Beschreibung von Welt und Wirklichkeit greift Wittgenstein auf folgende Termini zurück: Tatsache, Sachverhalt, Gegenstand, Form, logischer Raum. Folgende Sätze seien zur Erklärung dieser Begriffe herangezogen:
- „Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.“ (1.1)
- „Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.“ (2)
- „Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen (Sachen, Dingen).“ (2.01)
- „Das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten ist die Wirklichkeit.“ (2.06)
- „Die Art und Weise, wie die Gegenstände im Sachverhalt zusammenhängen, ist die Struktur des Sachverhaltes.“ (2.032)
- „Die Form ist die Möglichkeit der Struktur.“ (2.033)
Die Welt ist nach Wittgenstein keine Liste sie ausmachender Dinge oder Gegenstände, sondern erscheint in deren Verbindung (Anordnung): Dieselben Dinge können in verschiedenster Weise verbunden sein und bilden so verschiedene Sachverhalte. Etwa kann eine Halskette im Schaufenster liegen, den Hals einer Frau zieren oder Gegenstand einer Versteigerung sein. In jedem der drei Beispielfälle ist die Halskette in unterschiedlicher Weise mit den Dingen um sie verbunden und dadurch Bestandteil eines anderen Sachverhaltes. Nicht alle diese Sachverhalte können gleichzeitig bestehen, sondern immer nur einer auf Kosten der anderen, und ebendies ist die Wirklichkeit: der eine tatsächlich bestehende und die deswegen nichtbestehenden Sachverhalte. Alle überhaupt möglichen Sachverhalte aber, in die ein Ding oder Gegenstand eintreten kann, sind dessen Form (2.0141).
Die Halskette ist ein veranschaulichendes Bild, denn was Wittgensteins „Dinge“ (oder „Gegenstände“) eigentlich sind, ist im Tractatus nicht genau spezifiziert. Wittgenstein stellt lediglich die Forderung auf, dass sie „einfach“ und atomar (also selber „nicht zusammengesetzt“, keine Sachverhalte) sein müssen (vgl. 2.02, 2.021). Alle bestehenden und nichtbestehenden Sachverhalte zusammengenommen bilden die Wirklichkeit. „Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt.“ (2.063).
Ontologisch sind die Ausgangspunkte seiner Philosophie nur die real existierenden Sachverhalte, sie sind für Wittgenstein das, was der Fall ist. Tatsachen sind bestehende Sachverhalte, die aus mehreren Gegenständen zusammengesetzt sind. Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen (Sachen, Dingen). Charakterisiert werden kann ein Gegenstand in einem Verständnis, in einer solchen Sprache der äußeren Beziehungen allein dadurch, dass man die möglichen Beziehungen angibt, in die dieser Gegenstand zu anderen Gegenständen treten kann.
Abschnitte 1–3: Bild, Gedanke, Satz, Elementarsatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach solch einführender Ontologie kommt Wittgenstein zu dem Thema, das ihn vorrangig interessiert: Sprache und deren Bedeutung. Ob er hierin nun eine realistische Bedeutungstheorie annimmt, d. h. ob Sätze[48] durch etwas ihnen als Welt Entsprechendes „wahr“ gemacht werden, bleibt eine Frage der Interpretation. Heute werden mehrere Lesarten diskutiert, die ganz mit Wittgensteins Verständnis der Reichweite semiotischen Sinngebens zusammenhängen.[49][50]
Indem wir denken, stellen wir uns (laut 2.1) Tatsachen in „Bildern“ vor, in denen sich „Gedanken“ konstellieren (3). Was Wittgenstein hier mit „Bild“ meint, wird klarer, wenn man es sich als Gebilde oder auch Mosaik vorstellt, als etwas Zusammengesetztes. Durch den sprachlichen „Satz“ wird diese Zusammensetzung „sinnlich wahrnehmbar“ (3.1). Der Bezug zur Wirklichkeit liegt für Wittgenstein in der gleichen Zusammensetzung oder Struktur von Tatsache-Bild-Gedanke-Satz.
Tatsachen zerfallen in Sachverhalte (2), Sachverhalte in Gegenstände (2.01) – in der Sprache stehen für die Gegenstände dann „Namen“ (3.22), den Sachverhalten entsprechen „Elementarsätze“ (4.21 & 4.0311), den Tatsachen „Sätze“, die folglich aus Elementarsätzen zusammengesetzt sind (5).
Tatsächliche „Laut- oder Schriftzeichen“ (Wörter) bilden – im Vernehmen des von ihnen vorgestellten Gedankens – „mögliche Sachlagen“ (3.11) in der Vorstellung des Denkers (2.221). Da „Tatsache“ immer „bestehende Verbindung“ meint, muss auch ihr Vorstellen oder Denken sowie dessen Ausdruck im sprachlichen Satz zusammengesetzt (zerlegbar) sein. Wie der Sachverhalt aus einfachen Gegenständen oder „Dingen“, so ist der ihn ausdrückende Elementarsatz aus (Ding-)„Namen“ zusammengesetzt (3.202); deren „Konfiguration“ aber „im Satzzeichen entsprechen die Konfigurationen der Gegenstände in […] Sachlage(n).“ (3.21; „Satzzeichen“ ist hier nicht im Sinne von Interpunktion gemeint, sondern: „Das Zeichen, durch welches wir den Gedanken ausdrücken, nenne ich das Satzzeichen.“)
Der „Name bedeutet den Gegenstand. Der Gegenstand ist seine Bedeutung“ (3.203). Jeder Gegenstand hat seinen Namen, der – wie sein Gegenstand im Sachverhalt – nur mit anderen im Elementarsatz Sinn ergibt. Es müssen Namen, um Gedanken einzugeben, Elementarsätze konfigurieren. Immer entspricht deren Namen-„Mosaik“ dem eines Sachverhalts (der von ihnen vertretenen Gegenstände); besteht dieser, wird sein Elementarsatz dadurch wahr (2.222). Wahrheit entspringt somit der Gleichheit zweier Muster: von Tatsache (bestehendem Sachverhalt) und Satz.
Abschnitt 4: Sagen und Zeigen, Grenzen der Sprache
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Satz 4.0312 formuliert Wittgenstein seine zentrale These: „Mein Grundgedanke ist, daß die ‚logischen Konstanten‘ nicht vertreten. Daß sich die Logik der Tatsachen nicht vertreten läßt.“ Zeichenketten wie „und“, „oder“, „nicht“, „wenn … dann“ sind mit anderen Worten keine Namen im Sinne des Tractatus: Sie stehen nicht für Dinge, „vertreten“ nichts, ermöglichen höchstens die Vertretung. Denken lässt sich nach Wittgenstein nur, was konfiguriert ist, nicht aber „Konfiguration“ an sich, unabhängig von Konfiguriertem, logisch Gebildetem: „Der Satz kann die logische Form nicht darstellen, sie spiegelt sich in ihm. Was sich in der Sprache spiegelt, kann sie nicht darstellen. Was sich in der Sprache ausdrückt, können wir nicht durch sie ausdrücken. Der Satz zeigt die logische Form der Wirklichkeit. Er weist sie auf.“ (4.121) Wittgenstein steht hier im expliziten Gegensatz zu Bertrand Russell. Dass logische Konstanten wie „und“, „oder“, „wenn … dann“ nicht für etwas stehen, zeigt sich auch daran, dass sie ohne weiteres ineinander überführt, letztlich alle durch den Sheffer-Strich dargestellt werden können (vgl. 3.3441). Darüber hinaus verfängt Wittgensteins Ontologie: Wenn die komplexe Sachlage, die durch (die Elementarsätze) ‚a‘ und ‚b‘ ausgedrückt wird, besteht, die Elementarsätze also wahr sind, dann weil a und b bestehen. Es ist nicht nötig, wie Russell annahm, darüber hinaus auch noch eine Relation zwischen den Sachverhalten „und“ (und „Bekanntschaft“ damit) konstatieren zu müssen.[51]
Die Logik, also die Struktur einer Tatsache, ihre Form, nennt Wittgenstein die „Grenze“ der Welt (vgl. 5.61), somit auch die Grenze des Beschreibbaren. In Sachen Logik lässt sich nichts Überprüfbares darstellen: „So kann man z. B. nicht sagen ‚Es gibt Gegenstände‘, wie man etwa sagt: ‚Es gibt Bücher‘. Und ebenso wenig: ‚Es gibt 100 Gegenstände‘, oder ‚Es gibt Gegenstände‘. […] Wo immer das Wort ‚Gegenstand‘ […] richtig gebraucht wird, wird es in der Begriffsschrift durch den variablen Namen ausgedrückt. […] Wo immer es anders, also als eigentliches Begriffswort gebraucht wird, entstehen unsinnige Scheinsätze.“ (vgl. 4.1272)
Der Satz „zeigt“ seinen Sinn (vgl. 4.022) in der Verbindung seiner Elementarsätze, ist deren „Wahrheitsfunktion“ (vgl. 5). Deswegen kann es keine sinnvollen Sätze über das geben, was Sätze ausmacht: Verbindungen; denn jeder solcher Sätze müsste, um Sinn zu haben, schon gerechtfertigt sein durch das, was er eigentlich erst feststellen will: die Logik von etwas, wozu er, als sinnvoller Satz, von vornherein gehören muss. „Wir können nichts Unlogisches denken, weil wir sonst unlogisch denken müssten.“ (3.03)
Zusammenhang zum Elementarsatz-Problem: Der Unterschied zwischen Sagen und Zeigen ist im gesamten Tractatus ein grundsätzliches Problem: das heißt, auch die Existenz von Elementarsätzen hängt daran.[52] Was sich zeigt, bringt hierin „unterschiedliche positive Verhältnisse zwischen Sprache und Wirklichkeit“ zum Ausdruck, die nicht (gewissermaßen „selbst-reflexiv“) in einer logischen Theorie der Sprache abgebildet werden können. (Andernfalls hätte Wittgenstein die Typentheorie nach Russell umfänglich akzeptiert. Die Objekte der Wirklichkeit sind von anderem Typ.) Der Unterschied läuft auf denjenigen zwischen Darstellen und Darstellung (die Handlungsausführung und deren Ergebnis) hinaus. Er lässt sich am Beispiel „x ist moralisch gut“ veranschaulichen.
„Daß eine Person z. B. moralisch gut ist, kann zwar gesagt werden; aber auch die wiederholte Bejahung oder Verneinung ändert nichts daran, daß sie es tatsächlich ist; denn das hat sich in ihrem Handeln gezeigt. Solange es sich nicht gezeigt hat, sind alle bejahenden oder verneinenden Behauptungen nur Hypothesen; und wenn es sich gezeigt hat, sind jene Behauptungen entweder redundant oder falsch. Ähnliches gilt für Liebe, Haß und in Abhängigkeit vom individuellen Geschmack auch für das Schöne, Häßliche, Delikate etc.“
In diesem Sinn schließt Wittgenstein zurück auf eine einheitliche logische Form. Es „zeigt der Satz die logische Form der Wirklichkeit“ (4.121), die ihm laut Tractatus unterlegt wird: „Er weist sie auf.“ Und das setzt sich fort bis hin zu den „einfachsten“ Aussagen über die Wirklichkeit, den aus der Komplexität der Wirklichkeit herausgeschälten Elementarsätzen, die „das Bestehen eines Sachverhaltes behaupten“ (4.21). Sie grenzen an die logische Struktur der Wirklichkeit und der Sprache und müssen daher a priori einsichtig sein – „ohne weiteres“, wie Wittgenstein in 5.551 sagt.

Das Würfelbeispiel: In Satz 5.5423 verdeutlicht Wittgenstein, dass die Wahrnehmung des Würfels aus einer zusammengesetzten „Erscheinung“ bestehen müsse: „Einen Komplex wahrnehmen heißt wahrnehmen, daß sich seine Bestandteile so und so zueinander verhalten. Dies erklärt wohl auch, daß man die Figur auf zweierlei Art als Würfel sehen kann; und alle ähnlichen Erscheinungen.“ (Aus der Wahrnehmung kann nicht entschieden werden, welche Seite vorne und welche hinten ist, das erscheint so nicht in der Abbildung.) Diese Erscheinungen sind daher noch keine Elementarsätze, diese zeigen sich erst dahinter als eine logische Struktur. So folgt der Satz 5.55: „Wir müssen nun die Frage nach allen möglichen Formen der Elementarsätze a priori beantworten.“ – Falls sich das nicht zeigt, nicht „ohne Ansehen der Welt“ sagen ließe, stellt sich das ganze Verfahren als „grundfalsch“ heraus (5.551).
Für Wittgenstein besteht hier das philosophische Hauptproblem, das belegt auch eine eindrucksvolle Notiz in seinen Tagebüchern vom Juni 1915, die er im wahrsten Sinne im Schützengraben verfasst hatte. (Das Frage- und Ausrufezeichen kann auf seine Uneinigkeit in diesem Punkte hindeuten.)
„Und immer wieder drängt es sich uns auf, daß es etwas Einfaches, Unzerlegbares gibt, ein Element des Seins, kurz ein Ding. Es geht zwar nicht gegen unser Gefühl, daß wir Sätze nicht soweit zerlegen können, um die Elemente namentlich anzuführen, aber wir fühlen, daß die Welt aus Elementen bestehen muß.
Die Welt hat eine feste Struktur. Ob nicht die Darstellung durch unzerlegbare Namen nur ein System ist? – Alles, was ich will, ist ja nur vollständige Zerlegtheit meines Sinnes!!“
Abschnitt 4: Sinnvolle und sinnlose Sätze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wittgenstein unterscheidet drei Arten von Sätzen: sinnvolle, sinnlose und unsinnige. Ein sinnvoller Satz ist ein Satz, der einen Sachverhalt oder eine Tatsache abbildet; sein Sinn besteht in den vorgestellten Verhältnissen: „Man kann geradezu sagen: statt, dieser Satz hat diesen und diesen Sinn; dieser Satz stellt diese und diese Sachlage dar.“ (vgl. 4.031) Ein sinnloser Satz ist entweder tautologisch (etwa: „Es regnet oder es regnet nicht.“) oder – umgekehrt – kontradiktorisch („Olaf ist ein verheirateter Junggeselle“ oder „Sie zeichnet ein fünfseitiges Viereck“); er ist kein Bild einer Tatsache, hat also keinen Sinn, „die Tautologie lässt der Wirklichkeit den ganzen – unendlichen – logischen Raum; die Kontradiktion erfüllt den ganzen logischen Raum und lässt der Wirklichkeit keinen Punkt.“ (4.463)
Abschnitte 5–6: Unsinnige Sätze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als unsinnig bezeichnet der Tractatus alle Sätze, die weder sinnvoll noch sinnlos sind. Ein Satz wie etwa „Was ich hiermit schreibe, ist falsch“, der sich nur auf sich selbst und auf nichts außer ihm in der Welt bezieht (eine Anspielung auf das Paradoxon des Epimenides), erlangt infolgedessen nie Bedeutung. Ein Satz wird unsinnig, wenn einem seiner Bestandteile, Namen oder Elementarsatz, keine Bedeutung, kein von ihm unterschiedenes Sachliches, das er (seinerseits nur) abbildet, gegenübersteht (5.4733): „Der Name bedeutet den Gegenstand. Der Gegenstand ist seine Bedeutung“ (3.203). So ergibt z. B. auch „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“ einen „Unsinn“, da es in diesem Satz auf etwas ankommt, das nicht von der Wirklichkeit abhängt. „Es ist klar, daß sich die Ethik nicht aussprechen läßt.“ (6.421) Ethische Sätze sind Vorschriften; das Sosein kann sie verletzen (nicht mit ihnen übereinstimmen), ohne dass sie dadurch inhaltlich einbüßen. Sätze, auf deren Geltung die Wirklichkeit keinen Einfluss hat, sind nach Auffassung des Tractatus „Unsinn“. Das trifft nicht nur auf ethische, sondern auch auf philosophische Sätze, letztlich den Tractatus selber zu: „Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt …“ (6.54). Philosophische Sätze, seien es nun ethsche, ästhetische oder metaphysische, stellen mit anderen Worten nichts Diesseitiges vor; denn „alles Geschehen und Sosein ist zufällig.“ Die philosophische Fassung dessen aber, was „es nicht-zufällig macht“, beschreibt etwas, das „nicht in der Welt liegen“ kann; „denn sonst wäre dies wieder zufällig. Es muß außerhalb der Welt liegen“ (6.41). Sinn können aber – nach dem Gebrauch, den der Tractatus von diesem Wort macht – nur Sachverhalte oder aus ihnen zusammengesetzte Tatsachen in der Welt ergeben.
Abschnitte 5–6: Die allgemeine Satzform
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Tractatus werden im Prinzip zwei grundlegende Auffassungen dargelegt, was ein Satz ist: Zum einen ist er ein Bild eines Sachverhaltes, zum anderen ist er „eine Wahrheitsfunktion der Elementarsätze“ (5); Elementarsätze werden durch Operationen (diese entsprechen den Junktoren der Logik) miteinander verknüpft. Alle Sätze können nach Wittgenstein mit Hilfe der Elementarsätze und ihrer Verknüpfung durch Operationen generiert werden. Daher gibt Wittgenstein in Satz 6 die allgemeine Satzform, also die allgemeine Form der Wahrheitsfunktion an:
stellt eine Satzvariable dar, in welcher Elementarsätze verknüpft sind. Also kann z. B. für (P, Q, R) stehen (vgl. 5.501). repräsentiert genau die Verknüpfung von Elementarsätzen durch einen Junktor, der selbst funktional vollständig ist, derartige Junktoren werden Sheffer-Operatoren genannt. Wittgenstein bezeichnet mit dabei den Peirce-Operator bzw. NOR. Wittgenstein verzichtet bei der Angabe der allgemeinen Wahrheitsfunktion auf Quantoren; stattdessen lässt sich Allgemeinheit (und somit auch Existenz) durch eine (möglicherweise unendliche) Verknüpfung aller Elementarsätze bzw. aller relevanten Gegenstände des Individuenbereichs, welche die Allheit umfassen soll, darstellen.
Wittgensteins Schreibweise einer Wahrheitsfunktion ist beispielsweise für eine Wahrheitsfunktion auf zwei Elementarsätzen p und q die folgende (vgl. 5.101): bzw.
Dies ist so zu verstehen, dass die Zeichen in der ersten Klammer die letzte Spalte einer Wahrheitstabelle repräsentieren. F bzw. steht für falsch, W für wahr. Dabei muss natürlich die Reihenfolge der Belegungen festgelegt sein. Die vollständige Wahrheitstabelle wäre also:
| p | q | (WFWW)(p,q) |
|---|---|---|
| W | W | W |
| W | F | F |
| F | W | W |
| F | F | W |
Somit entspricht gerade der logischen Implikation, also .
Die allgemeine Wahrheitsfunktion ist somit wohl derart zu verstehen: Man erhält den Satz p, indem man sukzessive die Elementarsätze, die durch spezifiziert werden, miteinander mit dem logischen NOR verknüpft.
Abschnitte 5–6: Psychologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Was die Inhalte menschlichen Bewusstseins angeht, stellt 5.542 fest: „Es ist aber klar, dass ‚A glaubt, dass p‘, ‚A denkt, dass p‘, ‚A sagt, dass p‘ von der Form ‚„p“ sagt p‘ sind: Und hier handelt es sich nicht um eine Zuordnung von einer Tatsache und einem Gegenstand, sondern um die Zuordnung von Tatsachen durch Zuordnung ihrer Gegenstände.“ – Psychologische Begriffe wie „Glauben“, „Denken“, „Vorstellen“, „Träumen“, „der und der Meinung-sein“ usf. kennzeichnen mit anderen Worten nichts aus einer „Tatsache“ (gemeint hier: die Seele als das, was „glaubt“, „träumt“ oder „denkt“) und einem ihr zugeordneten Gegenstand (gemeint: der Glaubens-, Vorstellungs- oder Trauminhalt „p“) Zusammengesetztes, sondern beziehen sich allein auf objektive, d. h. in Sätze übertragbare, „innere Bilder“ (aus Gegenständen zusammengesetzte Sachverhalte oder Tatsachen). Sie können nichts darüber hinausgehend Seelisches, das Vorgestellte Überbietendes (wesentlich von ihm Verschiedenes), zum Gegenstand haben. Denn wäre die Seele eine Tatsache wie ihr Inhalt, müsste auch sie abbildbar, mithin aus Gegenständen oder Sachverhalten zusammengesetzt, sein. „Eine zusammengesetzte Seele“ aber „wäre […] keine Seele mehr“ (5.5421), denn sie könnte in diesem Fall wie alles Zusammengesetzte zerlegt oder zerstört werden, sterben; die Seele ist aber (nach Platon) einfach, also nicht zusammengesetzt, daher unsterblich. Woraus für Wittgenstein folgt: „Das denkende, vorstellende Subjekt gibt es nicht“ (5.631) – in demselben Sinne etwa, in dem es Ethik oder Ästhetik nicht wie (raumeinnehmende, zusammengesetzte und zählbare) Bäume oder Häuser „gibt“. Unser Gemüt, indem es das eine oder andere tatsächlich vorstellt, wird doch nicht davon bedingt, kann auch nicht daraus bestimmt werden. Eine Grenze verläuft für Wittgenstein daher nicht zwischen Innenwelt und Außenwelt, die beide in ihrer sprachlichen Verfasstheit auf derselben Ebene liegen, sondern zwischen Sinn und Unsinn: dem, was sich vorstellen lässt, und dem, was eine Nichtvorstellung von einer Vorstellung unterscheidet.
Abschnitte 5–6: Ethik und Mystik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wittgenstein schrieb im Oktober 1919 an Ludwig von Ficker, dass der Sinn des Tractatus ein ethischer sei, und dass es als zweiteiliges Werk anzusehen ist, dessen ethischer Teil nicht geschrieben worden ist, weil er nur Unsinn sein würde.[55] Zur Ethik schreibt er im Tractatus: „Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben. Sätze können nichts Höheres ausdrücken.“ (6.42) Ein Satz kann nicht formulieren, was ihn trägt, und daher „Welt“ immer nur darstellen, nicht aber an- oder einklagen. Ebenfalls kommt Wittgenstein auf Gott, Solipsismus und Mystik zu sprechen, so schreibt er: „Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist.“ (6.44) Dieses Mysterium kann überhaupt nicht mit Sätzen erklärt werden (vgl. 6.522), da diese nur vorstellen, was möglich ist, nicht aber, warum es möglich ist.
Abschnitte 5–6: Die Leiteranalogie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gegen Ende des Buches entlehnt Wittgenstein Arthur Schopenhauer eine Analogie: Er vergleicht den Tractatus mit einer Leiter, welche „weggeworfen“ werden müsse, nachdem man auf ihr „hinaufgestiegen“ sei. Wenn Philosophie im Fassen der Voraussetzung von Wahr und Falsch besteht, kann sie sich selbst weder auf das eine noch das andere berufen, ist sozusagen „nicht von dieser Welt“. „Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muß sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)“ (6.54).
Abschnitt 7
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der letzte Abschnitt des Tractatus besteht lediglich aus einem prägnanten und vielzitierten Satz: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Womit nicht gemeint ist, dass bestimmte Wahrheiten besser unerwähnt bleiben, sondern dass das, was Sprechen oder Denken ermöglicht, nicht dessen Gegenstand sein kann – wodurch philosophische Rede schlechthin infrage steht.

Interpretation und Auswirkungen des Tractatus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wittgensteins eigene Kommentare (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Etwa zehn Jahre lang, seit der Rückkehr aus der Gefangenschaft (1919) und noch vor der Veröffentlichung seiner Abhandlung 1921 – ihre hauptsächliche Niederschrift fand wohl 1918 statt – zog sich Wittgenstein aus der Philosophie zurück.[56] In philosophischer Hinsicht suchte er selbst in dieser Lebensphase nur den brieflichen Kontakt zu Russell und Frege.[57] Er beschränkte sich auf seltene Gelegenheiten, einzelnen Interessenten im Umkreis Russells und des Wiener Kreises um Schlick, die ihn aufsuchten, erläuternde Vorträge und Diskussionen darzubieten. Aus dieser Phase sind die zwei einzigen Texte Wittgensteins entstanden, die einen gedanklichen Fortgang im konventionellen Aufsatzstil vorweisen und somit zur Erläuterung des Tractatus dienen, die aber auch – neben seinem Big Typescript (entstanden zwischen 1929 und 1934) – Neuerungen im Übergang zu seiner zweiten Philosophie verdeutlichen können. Das ist zum einen der Vortrag über Ethik (1929) und zum anderen Bemerkungen über logische Form (1929).[58]
Die erste Kommentarschrift macht die ethische und nichtanalytische Dimension im Tractatus deutlich. Moralische Werturteile gehören dem Übernatürlichen an, eine Ethik als Wissenschaft entzieht sich nach Wittgensteins Argumentation damit jeder allgemeingültigen Bewertbarkeit und wäre damit unsinnig (aber nicht sinnlos):
« Werden unsere Wörter so verwendet wie in der Wissenschaft, sind sie Gefäße, die nichts weiter enthalten und mitzuteilen vermögen als Bedeutung und Sinn, natürliche Bedeutung und natürlichen Sinn. Die Ethik ist, sofern sie überhaupt etwas ist, übernatürlich, und unsere Worte werden nur Fakten ausdrücken; so, wie in eine Teetasse eben nur eine Teetasse voll Wasser hineingeht, auch wenn ich’s literweise darübergösse. »
Die zweite Kommentarschrift ist dahingehend bemerkenswert, dass Wittgenstein die Möglichkeit des Elementarsatz-Aufbaus des Wirklichkeitsabbildung verdeutlicht, ohne aber jede „Vorhersehbarkeit“ ihrer logischen Struktur zu behaupten. Hierin lassen bereits Korrekturen und neue Schwerpunkte in Wittgensteins Denken erkennen.[60] Mehrfache Bedeutungsgebung wird nunmehr durch Betonung der jeweils intendierten Abbildungsmethode[61] hervorgehoben. Hier findet sich eine der wenigen Kommentare Wittgensteins zu seiner Logisch-Philosophischen Abhandlung, die einer Richtigstellung gleicht und auf die er dort besonderen Wert zu legen scheint:
« Ich habe an anderer Stelle gesagt, der Satz „reiche bis zur Wirklichkeit“ [Nr. 2.1511], und damit habe ich gemeint, daß die Formen der Gegenstände enthalten sind in der Form des Satzes, der von diesen Gegenständen handelt. Denn der Satz bestimmt zusammen mit der Projektionsweise, welche die Wirklichkeit in dem Satz projiziert, die logische Form der Gegenstände […]. »
Die Unabhängigkeitsthese der Elementarsätze, eine Behauptung des Tractatus, die Wittgenstein bereits frühzeitig anhand von Farb-Partikel-Zuordnungen problematisiert hat,[63] wird hierin aufgegeben. In den Abhandlungen heißt es dazu, man könne Farbeigenschaften auf das klassische Prinzip der Undurchdringlichkeit der Materie reduzieren:
« Wie es nur eine logische Notwendigkeit gibt, so gibt es auch nur eine logische Unmöglichkeit. Daß z. B. zwei Farben zugleich an einem Ort des Gesichtsfeldes sind, ist unmöglich, und zwar logisch unmöglich, denn es ist durch die logische Struktur der Farbe ausgeschlossen. … Die Aussage, daß ein Punkt des Gesichtsfeldes zu gleicher Zeit zwei verschiedene Farben hat, ist eine Kontradiktion. »
Doch nun könne ein allein logisches Produkt aus zwei gleichzeitigen Farbzuständen desselben Partikels „kein zutreffendes Bild der Wirklichkeit“ abgeben.[65] Diese Wandlung ist vermutlich aus Ramseys kritischem Kommentar erwachsen, den dieser im Zuge der Übersetzung des Tractatus ins Englische vorgenommen hat und worin das vorliegende Farbproblem unter den Elementarsätzen herausgehoben wird.[66][67] Später notiert Wittgenstein:
« Aus „a ist jetzt rot“ folgt aber „a ist jetzt nicht grün“ und die Elementarsätze in diesem Sinn sind also nicht von einander unabhängig, wie die Elementarsätze in meinem seinerzeit beschriebenen Kalkül, von dem ich annahm, der ganze Gebrauch der Sätze müsse sich auf ihn zurückführen lassen; – verleitet durch einen falschen Begriff von diesem „zurückführen“. »
Interpretationen des Wiener Kreises
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wittgenstein und sein Tractatus galten für die so genannten Tafelrunden des Wiener Kreises als „die ganz große Entdeckung“,[69] wie sich einmal einer ihrer Mitglieder Heinrich Neider geäußert hat. In der Zeit zwischen 1924 und 1927 wurde die Abhandlung regelmäßig gelesen und diskutiert.
Waismanns Programmschrift. Besonders von den Initiatoren des Wiener Kreises Moritz Schlick und Friedrich Waismann wurde der Tractatus mit Begeisterung aufgenommen. Beide bemühten sich um regelmäßige Treffen mit Wittgenstein, wann immer er sich in Wien aufhielt.[70] Erläuterungen hinsichtlich der eigenen positivistischen Weltsicht, die sprachliche Grenze zur Metaphysik, das syntaktisch geformte Weltbild, in denen keine synthetischen Sätze a priori vorzukommen scheinen, galten als vorrangige Themengebiete, die sie in Wittgensteins Abhandlung verwirklicht sahen.[71][72] Sowohl Schlick als auch Waismann galten zudem als aufgeschlossene Zuhörer, so dass Wittgenstein sich auf weitere Projekte, den Tractatus mit gezielten Blick auf eine verfikationistische Wissenschaftssprache näher zu etablieren und die Ergebnisse der Gespräche zu dokumentieren, bereitwillig einließ. Die Inhalte der Gespräche wurden von Waismann verschriftlicht.[73] Außerdem verfasste Waismann zwischen 1929 und 1938 eine Programmschrift des Wiener Kreises, konzipiert als erster Band der Schriften zur wissenschaftlichen Weltauffassung. In der u. a. von Carnap herausgegebenen Zeitschrift Erkenntnis (Band 1, 1930) wird diese Schrift mit dem Titel Logik, Sprache, Philosophie angekündigt und „ist im wesentlichen eine Darstellung der Gedanken von Wittgenstein [Tractatus Logico-Philosophicus]. Was an ihr neu ist und worauf es ihr wesentlich ankommt, ist die logische Anordnung und Gliederung dieser Gedanken“.[74]
Verifikationistische Bedeutungstheorie. Zu der Zeit, als Schlick und Waismann mit Wittgenstein zusammentrafen, wurde man sich darüber klar, wie schnell Wittgenstein grundlegende Gedanken des Tractatus änderte. Später distanzierte sich Wittgenstein von der Verifikationsmethode[75] des logischen Empirismus als eine nicht verallgemeinerbare, dogmatische Anwendung.[76] Wittgenstein nahm im Übrigen niemals an den Treffen des Wiener Kreises teil und legte wenig Wert auf Begegnungen mit ihren Teilnehmern (mit der Ausnahme von Schlick und Waismann). Vielfach dokumentiert ist, wie wenig er von metaphysikkritischen und wissenschaftsorientierten Methoden der Logiker Carnap und Feigl hielt, wenn sie auf philosophische Fragestellungen kamen.[77][78]
Ein sachlicher Grund dafür findet sich vor allem in späteren Einträgen Wittgensteins, darin sind kritische Ansichten zu einer logisch strukturierten, wissenschaftlichen Weltauffassung, die als eine Philosophie auftreten könne. Im Gegensatz zur traditionellen Philosophie trat die gesamte positivistische Strömung, in der sich auch die analytische Philosophie zur Zeit Wittgensteins befand, eher mit dem Anspruch eines „wissenschaftlichen Unternehmens“ auf, das die Philosophiegeschichte in eine neue ahistorische Bahn lenkt.[79] Wenn Wittgensteins Tractatus hierin historisch auch eine Schlüsselrolle eingenommen hat, so hatte er selbst doch häufig Bedenken nach der philosophischen Allgemeingültigkeit dieses Unternehmens geäußert. Es könne – und das wäre eine Voraussetzung für ein solches wissenschaftliches Unternehmen – keine übergeordnete sprachliche Instanz, keine einheitliche, wissenschaftliche Syntax der Sprache und Wirklichkeit geben. Wittgenstein schließt die Möglichkeit einer logischen Theorie aus, die einem „Vertreten“ von logischen und realen Sachverhalten in einer Schnittmenge gleichkäme.[80] Sie würde den gesamten logischen Raum „von außen“ darstellen. Auch hier verweist er auf das Problem der Elementarsätze:
« Die Idee, Elementarsätze zu konstruieren (wie dies z. B. Carnap versucht hat), beruht auf einer falschen Auffassung der logischen Analyse. Sie betrachtet das Problem dieser Analyse als das, eine Theorie der Elementarsätze zu finden. Sie lehnt sich an das an, was, in der Mechanik z. B., geschieht, wenn eine Anzahl von Grundgesetzen gefunden wird, aus denen das ganze System von Sätzen hervorgeht. »
Für Wittgenstein war entscheidend, das hat er einmal gegenüber Schlick betont und Carnaps Methode als „nicht anständig“ betitelt, dass seine Metaphysik-Kritik vielmehr über den wissenschaftlichen Sprachgebrauch hinausgehen würde, jedem umgangssprachlichen Gebrauch mitgegeben sei. Keine Logik, keine Mathematik oder Physik könne sich dieser Eigenart entziehen.
« Und ich muss Ihnen doch wohl nicht sagen, dass sich meine Kritik der Metaphysik auch auf die Metaphysik unserer Physiker und
nicht nur auf die der Berufsphilosophen bezieht. »
Weitere Interpretationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Parallele zu Kant
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In der Grenzsetzung des Wissens durch logische Analyse der Sprache, aber auch durch Wittgensteins eigene, „Kantische“ Wortgebräuche, die sich im Tractatus finden, werden in der Wittgenstein-Rezeption grundsätzliche Parallelen zur Transzendentalphilosophie Kants untersucht. In einer mittlerweile weit verbreiteten Lesart nach W. Stegmüller wird die „Radikalisierung der Kantischen Position in Wittgensteins Erkenntnistheorie“ behauptet, insofern er den „transzendentalen Idealismus von der Ebene der Vernunft auf die Ebene der Sprache transformierte“.[83] Dem gegenübergestellt, findet sich in Wittgensteins Philosophie (nach W. Vossenkuhl) die Betonung einer neuen einheitsstiftenden Form, der logischen Form, die nicht transzendentalphilosophisch zu verstehen sei. Sie bildet nach dieser Lesart die Synthesis aller apodiktischen Urteile, und diese zeigt sich nicht im Subjekt, das nach Wittgenstein bereits eine Grenze der Welt ist.[84] In dem, was sich als die logische Form der Wirklichkeit zeigt, finde sich eine andere „Bedingung der Möglichkeit“ von dem, was über die Welt Wahres ausgesagt werden könne. Wittgenstein belasse in seiner Philosophie die Welt, wie sie ist, „nehme keinen Einfluss“, da das Subjekt als das philosophische Ich, kein Gegenstand theoretischer Betrachtungen sein könne.[85]
Neben der analytischen Philosophie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im philosophiegeschichtlichen Zusammenhang wird heute auch eine gewisse Nähe des Tractatus zu den Schriften Søren Kierkegaards gesehen, von denen Wittgenstein zeit seines Lebens beeindruckt war.[86][87] Ein Kommentar macht deutlich, dass Wittgenstein die Grenzsetzung durch unsere natürliche Sprache als die mit anderen Denkern gemeinsame philosophische Herausforderung gesehen hat und erwähnt dabei neben Kierkegaard auch Martin Heidegger. Das Gemeinsame meint die ethische Dimension ihrer Schriften:
« Ich kann mir wohl denken, was Heidegger mit Sein und Angst meint. Der Mensch hat den Trieb gegen die Grenzen der Sprache anzurennen. Denken Sie z. B. an das Erstaunen, daß etwas existiert. Das Erstaunen kann nicht in Form einer Frage ausgedrückt werden, und es gibt auch keine Antwort. […] Trotzdem rennen wir gegen die Sprache an. Dieses Anrennen hat auch Kierkegaard gesehen und es sogar ganz ähnlich (als Anrennen gegen das Paradoxon) bezeichnet. Dieses Anrennen gegen die Grenze der Sprache ist die Ethik. »
Neuere Wittgenstein-Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der heutigen Wittgenstein-Rezeption zeigen sich vielfältigste Untersuchungsstränge.
1. Einzelaspekte: So werden Einzelspekte des Erstlingswerks, den Logisch-Philosophischen Abhandlungen betrachtet, insbesondere im Vergleich zu anderen Autoren, von denen Wittgenstein beeinflusst war.
Beispielsweise findet man Studien über den positivitischen Einfluss der Hertzschen Konzeption zur Mechanik im weltbildlichen Entwurf des Tractatus: die Frage der formalen Unterschiede zwischen logischen und mechanischen Gesetzen oder Prinzipien, eine wissenschaftstheoretische Frage, der Wittgenstein in der frühen Phase besonders nachging, ist hierbei auf dem Prüfstand.[89][90]
Jaakko Hintikka versuchte eine logische Rekonstruktion der Bildtheorie im Tractatus, ausgehend von sechs Hypothesen, die, seiner Interpretation nach, in Wittgensteins Werk die tragenden Säulen bilden.[91]
2. Philosophie- und kulturgeschichtliche Interpretationen: Weitere Interpretationen versuchen Wittgensteins Werk, und insbesondere sein erstes Buch, die Logisch-Philosophischen Abhandlungen, nicht nur im Gesamtkontext der Wittgensteinschen Schriften und nicht nur im philosophiegeschichtlichen Kontext zu interpretieren, sondern auch im kulturgeschichtlichen Kontext des Leben und Umfeldes der Person Wittgenstein. Hierbei findet die Herausgabe des umfangreichen Nachlasses besondere Berücksichtigung[92][93]
3. Reflektion der Rezeption: Neuerdings wird auch die Aufnahme von Wittgenstein-Studien selbst zum Thema gemacht.[94] Weitere Diskussionen zweiter Ordnung werden eröffnet und publiziert, die in einzelnen Kreisen von Interpreten statffinden.[95] Es gibt Sekundärliteratur darüber, wie man die Abhandlung gelesen hat.[96]
4. Lesarten des „Tractatus“: Über den letzten Punkt hinausgehend, ist der neueren Wittgenstein-Forschung eigentümlich – und das betrifft besonders die Tractatus-Rezeption, die sich dahingehend von Diskussionen um andere klassische Texte der Philosophie unterscheidet – dass Lesarten programmatisch eingeführt werden. Es gibt qualitativ begutachtete Diskussionen über Vorschriften, wie der Tractatus richtig gelesen werden müsse und warum andere ihn falsch lesen, einschließlich einer weiteren Diskussion höherer Ordnung über diese Lesarten. Hier haben sich etwa die US-amerikanischen Philosophen Cora Diamond und James F. Conant hervorgetan, daran anschließend sind noch differenziertere Interpretationen im Vordringen.[97][98]
Es geht dabei um die Einheitlichkeit der Wittgensteinschen Philosophie in Anbetracht der überlieferten Einteilung in eine frühe und späte Schaffensphase.[99] Wittgenstein hatte sich mit der sprachlichen Artikulation von logischen Formen einerseits und der von Lebensformen andererseits beschäftigt, wie sich aus seinen Schriften entnehmen lässt.[100] Ist das ein unüberwindbarer Gegensatz?
Die Neue-Wittgenstein-Bewegung: Diamond kritisiert die Zweiteilung als das Erzeugnis einer fehlerhaften Vermischung von Konzeptionen aus beiden Phasen der Philosophie, wo andere sie sogar als „katastrophalen Fehler“ betiteln.[101] J. Conant und C. Diamond vertreten in der Lesartdebatte eine „entschlossene“ (resolute) Lesart des Tractatus, an anderer Stelle auch „schmucklose“ (austere) Lesart, gern auch „Die Neue Lesart“ (The New Reading) genannt, im Gegensatz zur „Standard-Lesart“:[102] Man müsse die Sinnlosigkeit der Anweisungen zu einer „Bedeutungstheorie“ der Umgangssprache, die in Wittgensteins Abhandlung herausgelesen werden könne, ernst und Wittgenstein „beim Wort“ nehmen. Über die Schrift hinaus hätte eine solche linguistische Theorie keinerlei Bedeutung, keine sinnvolle Anwendung, wie es die Standardlesart unterbreiten wolle. Der Tractatus dürfe also nicht als eine Theorie oder Doktrin aufgefasst werden, er bilde gerade einmal ein Element der einen Wittgensteinschen Philosophie.[103] Anstelle dessen gibt es mittlerweile ein breites Autorenkollektiv an Wittgenstein-Interpreten, die eine kontinuierliche Entwicklung in Wittgensteins Denken von vorranging therapeutischem Charakter sehen wollen und deren Leitgedanke als Kontrapunkt zur Standardlesart unter der Titel The New Wittgenstein geführt wird.[104]
Und Conant begreift hierin seine eigene Entdeckung als „Mild Mono-Wittgensteinianism“ und weiß zu seiner Verteidigung die (scheinbar) wichtige Notiz zu machen:
„Bemerke: Die Eigenart des entschlossenen Lesens … sagt bloß etwas darüber aus, wie das Buch nicht gelesen werden sollte, lässt damit aber vieles darüber unbestimmt, wie das Buch gelesen werden sollte.“
Diese Lesartdebatte geht, wie sich hier zeigt, noch über den rein exegetischen Charakter der heutigen Wittgenstein-Rezeption hinaus und bezeichnet für Außenstehende eher ein Schauspiel akademischer Rechthaberei ohne jeden philosophischen oder historiographischen Erkenntnisgewinn. Die Ambivalenz zwischen dem Tractatus und seiner Interpretation ist gleichwohl der Sprache Wittgensteins in dem Werk selbst verschuldet. Und so bemerkte schon Moritz Schlick zu der Anfangszeit des Tractatus symptomatisch dieses „Ungleichgewicht“ zwischen Inhalt und Darstellung:
„Die lapidare (freilich dem Gewicht des Gegenstandes angemessene) Darstellung in Wittgensteins Buch [d. i. der Tractatus Logico-Philosophicus] macht es so schwer verständlich, daß es bisher wenig studiert wurde (nur in der englischen Literatur hat es einige Spuren hinterlassen) und in seiner Bedeutung nicht gewürdigt werden konnte. Es mußte daher der Versuch gemacht werden, die Gedanken in einer leichter zugänglichen Form darzustellen.“
Künstlerische Interpretationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wittgenstein sagt in 6.421 seines Tractatus, dass „Ethik und Ästhetik eins“ seien, insofern sie „transzendental“ sind: Beide Gebiete können kein wissenschaftlicher Gegenstand werden, in denen in der Kategorie „wahr/falsch“ sinnvoll gesprochen werden könne;[107][108] und doch haben sie für das Leben ganz besondere Bedeutung, die von Wittgenstein nicht hinterfragt wird. Die strenge Grenzsetzung zum Wissen, und Wittgensteins vielfältige Bilder und Aphorismem dazu, wurden auch literarisch und künstlerisch aufgenommen. So lassen sich Einflüsse auf die nicht-philosophische Literatur und Kunst nachweisen.
In dem Roman Nervöse Fische von Heinrich Steinfest beispielsweise ist der Tractatus Logico-Philosophicus gewissermaßen die Bibel der Hauptperson, des Chefinspektors Lukastik.
Umberto Eco zitiert in seinem Roman Der Name der Rose Satz 6.54 in mittelhochdeutscher Übersetzung: „Er muoz gelîchesame die leiter abewerfen, sô er an ir ufgestigen“.
Der finnische Jazz-Komponist und Schriftsteller Mauri Antero Numminen und der österreichische Komponist Balduin Sulzer haben sogar versucht, den Tractatus zu vertonen: der eine parodistisch und nur die Hauptsätze zitierend, der andere sehr viel ernster und im Rückgriff auf die – auch von Wittgenstein geschätzte – „Wiener Schule“.
Ein deutschsprachiges Buch, in welchem diese Interpretation des Tractatus dargelegt wird, ist Wittgensteins Leiter von Logi Gunnarsson.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Primärliteratur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ludwig Wittgenstein: Logisch-philosophische Abhandlung, Tractatus logico-philosophicus. Kritische Edition. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-28959-4.
- Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus [u. a.] Werkausgabe Band 1. 12. Auflage, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999.
- Darin auch enthalten: Wittgensteins Tagebücher (1914–1916), Aufzeichnungen über Logik, Aufzeichnungen von G.E. Moore, Philosophische Untersuchungen.
- Ludwig Wittgenstein: Logisch-Philosophische Abhandlung, Erste Druckfassung. In: W. Ostwald (Hrsg.), Annalen der Naturphilosophie, Band 14, 1921, S. 185–262 (Online: Portal journals@UrMel).
- Ludwig Wittgenstein: Vortrag über Ethik und andere kleine Schriften. Hrsg. v. J. Schulte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989.
- Ludwig Wittgenstein: The Big Typescript. Band 11 der Wiener Ausgabe, hrsg. Michael Nedo. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2000.
Sekundärliteratur (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Elisabeth Anscombe: Eine Einführung in Wittgensteins „Tractatus“. Themen in der Philosophie Wittgensteins. Aus dem Englischen (Originalpublikation 1959) von Jürgen Koller. Turia & Kant, Wien/Berlin 2016, ISBN 978-3-85132-833-2.
- Max Black: A Companion to Wittgenstein’s Tractatus, Cornell University Press, Ithaca, New York, 1964.
- Alice Crary, Rupert Read (Hrsg.): The New Wittgenstein. Routledge, London, New York 2000. (Darin Teil II: The “Tractatus” as forerunner of Wittgenstein’s later writings, S. 147–351).
- Gerd Graßhoff, Timm Lampert: Ludwig Wittgensteins Logisch-Philosophische Abhandlung. Entstehungsgeschichte und Herausgabe der Typoskripte und Korrekturexemplare. Springer, Wien 2004.
- Manfred Geier: Wittgenstein und Heidegger – die letzten Philosophen. Rowohlt, Hamburg 2017.
- Alois Pichler, Simo Säätelä (Hrsg.): Wittgenstein: The Philosopher and his Works. Band 2 der Reihe Publications of the Austrian Ludwig Wittgenstein Society. Ontos, Heusenstamm 2006. Online (Free-Access): degruyterbrill.com.
- Esther Heinrich-Ramharter, Alois Pichler, Friedrich Stadler (Hrsg.): 100 Years of “Tractatus Logico-Philosophicus” – 70 Years after Wittgenstein’s Death. Proceedings of 44th Wittgenstein Symposium. Band 30 der Veröffentlichungen durch die Österreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft (Online: ALWS). De Gruyter, Berlin 2025.
- Ray Monk: Wittgenstein: Das Handwerk des Genies. Aus dem Englischen (Originaltitel The Duty of Genius, 1991) übertragen von H. G. Holl und E. Rathgeb. Klett-Cotta, Stuttgart 1992.
- Howard O. Mounce: Wittgensteins „Tractatus“. Eine Einführung. Aus dem Englischen von Jürgen Koller. Turia & Kant, Wien/Berlin 2016, ISBN 978-3-85132-832-5.
- Claus-Artur Scheier: Wittgensteins Kristall. Ein Satzkommentar zur 'Logisch-philosophischen Abhandlung', Alber, Freiburg/München 1991. ISBN 3-495-47678-4.
- Radmila Schweitzer: Ludwig Wittgenstein: die Tractatus Odyssee. Begleitpublikation zur Ausstellung, Wittgenstein Initiative, Wien 2018.
- Wolfgang Stegmüller: Ludwig Wittgenstein: Philosophie I. Kapitel XI, S. 524–562, in Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie. Kröner, Stuttgart 1969.
- Erik Stenius: Wittgenstein’s Tractatus; An Exposition of Its Main Lines of Thought. Basil Blackwell & Cornell University Press, Oxford & Ithaca, NY 1960. ISBN 0-631-06070-7 (Dt.: Wittgensteins Tractatus. Eine kritische Darlegung seiner Hauptgedanken. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969.)
- Holm Tetens: Wittgensteins „Tractatus“. Ein Kommentar. Reclam, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-15-018624-4.
- Wilhelm Vossenkuhl (Hrsg.): Tractatus logico-philosophicus. Kommentarband in der Reihe Klassiker Auslegen, hrsg. v. O. Höffe. Akademie, Berlin 2001.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Tractatus logico-philosophicus im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- The Project Gutenberg EBook of Tractatus Logico-Philosophicus by Ludwig Wittgenstein (englisch und deutsch)
- Tractatus.Net: Hypertextuelle Darstellung des Traktats und seines Begriffssystems (deutsch)
- Logisch-philosophische Abhandlung, Volltext des Ludwig Wittgenstein Projects (verfügbar in verschiedenen Formaten und Sprachen)
- Ian Proops: Wittgenstein's Logical Atomism. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Siehe R. Monk (1992), hier in der Literatur: S. 62, 184 und 261.
- ↑ M. Schlick, Vorrede von 1930 zu F. Waismann, Logik, Sprache, Philosophie. Reclam, Stuttgart 1976, S. 20 f.
- ↑ Siehe M. Geier (2017), hier unter Literatur: S. 192 f., worin Schlicks Die Wende der Philosophie (1930) genannt wird. In M. Schlick, Gesammelte Aufsätze (1926–1936), hrsg. v. F. Waismann, Gerold, Wien 1938, online unter archive.org, heißt es auf S. 33 f.: Die Wege zur Sinnklärung der Sprache „gehen von der Logik aus. Ihren Anfang hat Leibniz undeutlich gesehen, wichtige Strecken haben in den letzten Jahrzehnten Gottlob Frege und Bertrand Russell erschlossen, bis zu der entscheidenden Wendung aber ist zuerst Ludwig Wittgenstein (im „Tractatus logico-philosophicus“, 1922) vorgedrungen.“
- ↑ J. Nida-Rümelin, E. Özmen, Einleitung zur Philosophie der Gegenwart. Kröner, Stuttgart 2007, S. XXVI f.
- ↑ W. V. O. Quine etwa hat für sein ebenso einflussreichen Klassiker Word and Object (1960) das „Leiter-Bild“ (siehe hier unter Einzelaspekte) vom Schluss des Tractatus aufgenommen und semantisch neu interpretiert. In der Übersetzung (Reclam, Stuttgart 1980, S. 22): „Um Wittgensteins Bild … zu setzen: Wir können unsere Leiter erst dann wegstoßen, wenn wir auf ihr emporgestiegen sind.“
- ↑ Siehe W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur, Seite 2 der Einleitung.
- ↑ Vgl. die Bemerkung in der Einführung, S. 15, zu Ray Monk (1992), hier angegeben unter Literatur: damals kam er auf 5868 Bücher über Wittgenstein, die meisten davon akademischer Natur.
- ↑ Siehe M. Geier (2017), hier unter Literatur: S. 113. Ein Link zum vollständigen Druck der Abhandlung befindet sich hier unter Literatur.
- ↑ Siehe W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur, Seite 2 der Einleitung.
- ↑ Das zeigen seine Tagebücher (1914–16), siehe hier in der Literatur.
- ↑ Davon berichten auch die Briefwechsel zwischen Wittgenstein und dem Verleger Ludwig von Ficker aus den Jahren 1919–20, die in der Online-Edition zugänglich sind: Ludwig-von-Ficker-Gesamtbriefwechsel.
- ↑ Ludwig Wittgenstein: Tractatus Logico-Philosophicus. Logisch-philosophische Abhandlung. Überarbeiteter, zweisprachig herausgegebener Neudruck von Kegan Paul, London 1922. Side-by-side edition, Version 0.59 (May 12, 2021), containing the original German, alongside both the Ogden/Ramsey, and Pears/McGuinness English translations. (writing.upenn.edu)
- ↑ M. Geier (2007), hier in der Literatur: S. 299.
- ↑ P. M. Sullivan Wittgenstein’s Context Principle. Kap. 5 in Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 79. Das ist die Grundidee des Kontextprinzips der sprachanalytischen Philosophie, dass mittels der Sprache und ihrer logischen Form eine Abbildung der Wirklichkeit hergestellt wird. In Wittgensteins Worten: „5.6.: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“
- ↑ Russell selbst begründet im Vorwort zur Philosophy of Logical Atomism (The Monist, 1918): „Die folgenden Artikel […] befassen sich hauptsächlich mit gewissen Ideen, die von meinem Freunde und früheren Schüler Ludwig Wittgenstein stammen“. So übersetzt in: Bertrand Russell, Die Philosophie des Logischen Atomismus – Aufsätze zur Logik und Erkenntnistheorie (1908–1918). Nymphenburger, München 1976, S. 178.
- ↑ S. Haack, Philosophy of Logics. Cambridge University Press, Cambridge, London, New York 1978, S. 91, Anm. 1: “Wittgenstein was the originator of logical atomism, but Russell’s version appeared first”.
- ↑ J. Proops (2022), Wittgenstein’s Logical Atomism, hier unter Weblinks.
- ↑ U. Metschl, Ein Platz für alles Mögliche. In Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 141 f.
- ↑ W. Stegmüller (1969), hier in der Literatur: S. 535 f.
- ↑ Das meint sowohl den Aussagesatz und seine Struktur als auch den Aussageinhalt. Im Tractatus sind beides Gegenstände einer allgemeinen Semiotik.
- ↑ Der volle Titel des postum erschienenen Meisterwerks von H. Hertz lautet Die Prinzipien der Mechanik – in neuem Zusammenhange dargestellt, im Verlag A. Barth, Leipzig 1894, erschienen, online verfügbar: archive.org. Diese unvollendet gebliebene Schrift eröffnete neue Perspektiven (Hertzsche „Bilder“) zu einer positivistischen Mechanik, die den als metaphysisch verstandenen, von J. d’Alembert gar als unwissenschaftlich verschrienen Kraft-Begriff der Klassischen Mechanik eliminieren sollte, und zwar mittels des – heute so genannten – Hertz’schen Minimalprinzips der Mechanik, das hierin grundgelegt wird (siehe dazu G. Hamel, Theoretische Mechanik, Springer, Berlin 1967, S. 366 f., §180: Das Prinzip von Hertz). Die Bezeichnung „Einleitung“ darf gut und gerne als irreführend bis fehlerhaft gesehen werden, denn sie umfasst mehr als 50 Seiten und bildet eine eigene Abhandlung wissenschaftstheoretischer Natur, ein philosophisches Vermächtnis Hertz'. Schon als Jugendlicher ist Wittgenstein von der darin beschriebenen, neuartigen Bild-Theorie beeindruckt worden. Siehe dazu R. Monk (1992), hier unter Literatur: S. 43.
- ↑ M. Geier (2017), hier unter Literatur: S. 98 f.
- ↑ S. Haack, Philosophy of Logics. Cambridge University Press, Cambridge, London, New York 1978, S. 92.
- ↑ Ein entscheidender innersemantischer Unterschied zwischen beiden Pionieren ist hingegen die Bewertung der Falschheit eines Satzes. Siehe dazu insbes. W. Stegmüller (1969), hier in der Literatur: S. 552; sowie Bertrand Russell, Die Philosophie des Logischen Atomismus – Aufsätze zur Logik und Erkenntnistheorie (1908–1918). Nymphenburger, München 1976, S. 210 f.
- ↑ Anlehnend an W. Vossenkuhl, Sagen und Zeigen – Wittgensteins „Hauptproblem“. Kap. 2 in Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur. Hierin wird der entscheidende Unterschied bei Wittgenstein zwischen der Systematisierung des Gesagten durch die Analyse in logische Satzkonsituenten einerseite und dem unsystematischen Aufzeigens der Satzelemente und ihrer Bedeutungen andererseits gesehen, die außerhalb der logischen Form stehen (vgl. S. 43 und 59).
- ↑ Diese Darlegung als philosophisches Hauptproblem der Wittgensteinschen Abhandlung folgt W. Vossenkuhl, Sagen und Zeigen – Wittgensteins „Hauptproblem“. In W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 35 –63.
- ↑ Siehe W. Vossenkuhl, Sagen und Zeigen – Wittgensteins „Hauptproblem“. In W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 36: (2.1.1 Was ist das Problem?).
- ↑ Siehe dazu M. Dummett, Ursprünge der analytischen Philosophie. Kap. 3 (Wahrheit und Bedeutung). Übers. des engl. Orig. v. J. Schulte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, S. 25. Gleichzeitig führt Dummett dort aus, wie diese Überlegung die Korrespondenztheorie ausschließen müsse und auf eine redundante Wahrheitstheorie verweise, wie sie auch G. Freges Bedeutungstheorie eigentümlich ist.
- ↑ Siehe J.M. Bocheński, A History of Formal Logic. Engl. Übers. des deutschen Originals Formale Logik von 1956, übers. von I. Thomas. Univ. Notre Dame, Indiana 1961, S. 331 f. Weitere Darstellungen werden dort Frege und Peirce zugeschrieben.
- ↑ Die Unterteilung in die „Erste“ und „Zweite Philosophie“ Wittgensteins geht auf W. Stegmüller (1969) zurück, hier in der Literatur.
- ↑ Zitiert in P. Kunzmann, F.-P. Burghardt, F. Wiedmann, Philosophie. dtv, München 71991, S. 215. Siehe auch W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 1 (Einleitung). Der Textauszug ist einem Schreiben an den Verleger L. von Ficker von 1919 entnommen, um für eine Veröffentlichung der Abhandlung in der Kulturzeitschrift Der Brenner zu werben. Dieser lehnte es ab, weil die Schrift für ihn ein „Wagnis“ in finanzieller Hinsicht bedeutete. Siehe dazu R. Monk (1992), hier in der Literatur: S. 196 (dort auch die ganze Textpassage), sowie S. 202.
- ↑ Abgedruckt in R. Monk (1992), hier unter Literatur: S. 196.
- ↑ Das Verfahren des An- und Umordnens durch Wittgenstein wird in M. Geier, Wittgenstein und Heidegger – die letzten Philosophen, Rowohlt, Hamburg 2017 (S. 97 f.), behauptet. Sätze lagen auf Papierschnipsel vorerst zerschnitten und zusammenhangslos ausgebreitet vor und wurden von ihm immer wieder neu angeordnet.
- ↑ H. J. Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Neuausgabe, Fischer, Frankfurt am Main 51992, S. 656.
- ↑ Einmal schreibt er an den Verleger L. v. Ficker, der auf die „Dezimalnummerierung“ verzichten wollte, sie seien „unbedingt“ erforderlich, „weil sie allein dem Buch Übersichtlichkeit und Klarheit gäben und es ohne diese Nummerierung ein unverständlicher Wust wäre“. Zitiert in R. Monk (1992), hier unter Literatur: S. 198.
- ↑ Man vergleiche etwa V. Mayer, Der Tractatus als System. Kap. 1 in Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 12.
- ↑ Man vergleiche etwa W. Vossenkuhl, Sagen und Zeigen – Wittgensteins „Hauptproblem“. Kap. 2 in Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 42–44.
- ↑ So die Umschreibungen entnommen H. J. Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Neuausgabe, Fischer, Frankfurt am Main 51992, S. 656; S. Haack, Philosophy of Logics. Cambridge University Press, Cambridge, London, New York 1978, S. 92 (“austere”); und W. Stegmüller (1969), hier in der Literatur: S. 525.
- ↑ Abgedruckt in R. Monk (1992), hier in der Literatur: S. 226.
- ↑ H. J. Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Neuausgabe, Fischer, Frankfurt am Main 51992, S. 656.
- ↑ Nach W. Stegmüller (1969), hier in der Literatur, S. 544 f.
- ↑ U. Metschl, Ein Platz für alles Mögliche. In Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 157.
- ↑ Man vergleiche dazu seine Philosophische Untersuchungen, Nr. 81. Seite 286 in der Suhrkamp-Ausgabe 12(1999) hier unter Literatur.
- ↑ Satz 3.325, Seite 22 in der Suhrkamp-Ausgabe 12(1999), hier in der Literatur angegeben.
- ↑ Seite 21 in Wittgenstein (1989), hier in der Literatur angegeben.
- ↑ Die Unterteilung in die „Erste“ und „Zweite Philosophie“ Wittgensteins geht auf W. Stegmüller (1969) zurück, hier in der Literatur.
- ↑ Peter Louis Galison, Alex Roland: Atmospheric Flight in the Twentieth Century. Springer, 2000, ISBN 0-7923-6037-0, S. 360 (google.co.uk).
- ↑ Wittgenstein beschränkt sich auf deskriptive Sätze; Fragesätze, Aufforderungssätze usw. werden nicht behandelt
- ↑ Eine realistische Lesart findet sich etwa im Webeintrag A. Binetzki, A. Matar: Ludwig Wittgenstein. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy., Version 2021, unter 2.4 (Interpretative Problems). Ebenso Stegmüller (1969), hier unter Literatur: Siehe S. 554.
- ↑ Eine erkenntnistheoretisch neutrale Lesart findet sich in D. J. Richter. In: James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy., unter 7. (Realism and Anti-Realism).
- ↑ Joachim Schulte: Wittgenstein. Eine Einführung (= Universal-Bibliothek. Band 8564). Reclam, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-15-019386-0, S. 81–85
- ↑ Die folgenden Wortlaute sind der Kommentarschrift W. Vossenkuhl, Sagen und Zeigen: Wittgensteins „Hauptproblem“, entnommen, S. 44–47 in: Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur.
- ↑ In W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 45 f.
- ↑ In L. Wittgenstein 12(1999), hier in der Literatur: S. 155 f. (Eintrag vom 17.6.1915)
- ↑ Siehe hier oben unter Allgemeine Merkmale -> Philosophisches. Der Brieftext ist Online verfügbar unter Wittgenstein an v. Ficker (1919-10-31).
- ↑ M. Geier (2017), hier in der Literatur: S. 95, 114, 192.
- ↑ Siehe R. Monk (1992), hier in der Literatur: S. 192.
- ↑ Beide Aufsätze sind abgedruckt bei L. Wittgenstein (1989), hier unter Literatur. Dort ist auch die Druckfassung von The Big Typescript (Wittgenstein 2000) angegeben.
- ↑ In Wittgenstein (1989), hier in der Literatur: S. 13.
- ↑ Siehe dazu L. Wittgenstein (1989), hier unter Literatur: Vorwort des Herausgebers und Seite 21.
- ↑ Siehe E. Ammereller, Die abbildende Beziehung. In W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 128. Das Problem der Eindeutigkeit wird hier unter Inhalt, Allgemeine Merkmale, Problem der Eindeutigkeit skizziert.
- ↑ In Wittgenstein (1989), hier in der Literatur: S. 26.
- ↑ Siehe den Tagebucheintrag vom 16. August 1916 in Tagebücher (1914–1916), S. 176 der Suhrkamp-Ausgabe 12(1999), hier in der Literatur: „Daß ein Punkt nicht zugleich rot und grün sein kann, muß dem ersten Anschein nach keine logische Unmöglichkeit sein. Aber schon die physikalische Ausdrucksweise reduziert sie zu einer kinetischen Unmöglichkeit.“
- ↑ Sätze 6.375 und 6.3751, Seite 82 in der Suhrkamp-Ausgabe 12(1999), hier in der Literatur angegeben.
- ↑ Siehe L. Wittgenstein (1989), hier unter Literatur: S. 26.
- ↑ Siehe dazu I. Proops (2022), hier unter Weblinks: Kap. 5.1 (The Dismantling of Logical Atomism – The Colour-Exclusion-Problem).
- ↑ F. P. Ramsey, Critical Notices: Tractatus Logico-Philosophicus. In Mind, Vol. 32 (No. 128), S. 465–478 (1923): darin S. 473.
- ↑ Notiz Nr. 4.238.1.2, Kap. 28: Elementarsatz, Seite 77 in Wittgenstein (2000), hier in der Literatur angegeben.
- ↑ Finn Ole Engler, „Allerdings ist die Lektüre äusserst schwierig.“ – Zum Verhältnis von Moritz Schlick und Ludwig Wittgenstein., S. 178, Anm. 7, in: W. Lütterfels u. a. (Hrsg.), Wittgenstein-Studien, Band 6 der Internationalen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft. De Gruyter, Berlin/Boston 2015.
- ↑ Genaue historische Details zu den Zusammnetreffen finden sich in Finn Ole Engler, „Allerdings ist die Lektüre äusserst schwierig.“ – Zum Verhältnis von Moritz Schlick und Ludwig Wittgenstein. S. 175–210 in: W. Lütterfels u. a. (Hrsg.), Wittgenstein-Studien, Band 6 der Internationalen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft. De Gruyter, Berlin/Boston 2015.
- ↑ Siehe dazu M. Geier (2007), hier unter Literatur, S. 187–195 (Wittgenstein und der Wiener Kreis).
- ↑ R. Monk (1992), hier unter Literatur, S. 304–309 (Die „Phase der Verifikation“).
- ↑ Das ist F. Waismann, Wittgenstein und der Wiener Kreis. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984.
- ↑ Nachwort, S. 648–650 der Herausgeber G. Baker und B. McGuinness in F. Waismann, Logik, Sprache, Philosophie. Reclam, Stuttgart 1976.
- ↑ Nach A. J. Ayer findet sich ihr Prinzip in dem Slogan wieder: Der Sinn des Satzes ist die Art seiner Verifikation. Siehe R. Monk (1992), hier unter Literatur: S. 310.
- ↑ Siehe R. Monk (1992), hier unter Literatur: S. 306 und 309.
- ↑ Siehe etwa M. Geier (2017), hier unter Literatur: S. 193.
- ↑ R. Monk (1992), hier unter Literatur: S. 263 f.
- ↑ Diesen Apekt der Tractatus-Interpretation im Hintergrund des logischen Positivismus betrachtet etwa Hans-Johann Glock, Wittgenstein and History. In: A. Pichler, S. Säätelä (2006), Kap. 3 (Wittgenstein and the History of Philosophy), ab S. 282.
- ↑ Siehe Joachim Schulte, Wittgenstein – eine Einführung. Reclam, Stuttgart 1989, S 84, dort anhand der Tractatus-Sätze 4.12 und 6.124 orientiert.
- ↑ Notiz Nr. 4.237.3.1, Kap. 28: Elementarsatz, Seite 77 in Wittgenstein (2000), hier in der Literatur angegeben.
- ↑ Auszüge aus Ludwig Wittgenstein an Moritz Schlick (Nr. 47, 8. August 1932), abgedruckt auf S. 143–145 in: Mathias Iven, Er „ist eine Künstlernatur von hinreissender Genialität“ – Die Korrespondenz zwischen Ludwig Wittgenstein und Moritz Schlick sowie ausgewählte Briefe von und an Friedrich Waismann, Rudolf Carnap, Frank P. Ramsey, Ludwig Hänsel und Margaret Stornborough. In W. Lütterfels u.a. (Hrsg.), Wittgenstein-Studien, Band 6 der Internationalen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft. De Gruyter, Berlin/Boston 2015.
- ↑ Siehe S. 555 in Stegmüller (1969), hier in der Literatur.
- ↑ „Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern es ist eine Grenze der Welt.“ (5.632)
- ↑ So die Interpretation in W. Vossenkuhl, Sagen und Zeigen – Wittgensteins „Hauptproblem“. In W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 52 –55. Man beachte, dass nach Wittgenstein das Subjekt allein theoretischer Gegenstand der Psychologie sein könne (5.641).
- ↑ Siehe etwa M. Geier (2017), hier unter Literatur: S. 227.
- ↑ Man vergleiche auch M. L. Engelmann, Mauthner, Wittgenstein and the Kraus Circle, in: Heinrich-Ramharter, Pichler, Stadler (2025), hier unter Literatur: S. 45–58
- ↑ In F. Waismann, Wittgenstein und der Wiener Kreis. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 68 f., zitiert in M. Geier (2017), hier unter Literatur: S. 218.
- ↑ Siehe dazu etwa John Preston, Wittgenstein’s Early Philosophical Feeling and “the Relative Position of Logic and Mechanics”. S. 463–476 doi:10.1515/9783111453040-032 in: Heinrich-Ramharter, Pichler, Stadtler (2025), hier in der Literatur.
- ↑ Allein die Austrian Ludwig Wittgenstein Society (ALWS) veröffentlich in einer ganzen Reihe Bücher über Einzelaspekte und spezielle Themengebiete über Wittgenstein. Sie sind zum Teil Open-Access verfügbar unter: degruyterbrill.com
- ↑ Das ist J. Hintikka, An Anatomy of Wittgenstein’s Picture Theory. Kap 2, S. 21–54 in: J. Hintikka, Wittgenstein: Half-Truths and One-and-a-Half-Truths. Springer Science-Business, Dordrecht 1996.
- ↑ So entnommen der Einleitung der Herausgeber A. Pichler, S. Säätelä (2006), hier in der Literatur: S. 14.
- ↑ So auch Heinrich-Ramhardter (2025), hier in der Literatur, der zeigt, dass dieser Band gar keiner Einleitung mehr bedurfte, die diese Festschrift in eine philosophiehistorische Sichtweise stellt. Ein Vorwort der Herausgeber E. Heinrich-Baumharter, A. Pichler und F. Stadler weist nur auf den Sammlungszweck nach der Symposionsferier von 2023 der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft (ALWS) hin (siehe darin S. 1 f.); also allem Anschein nach nur zum Erhalt selbstorganisatorischer Kreise.
- ↑ Beispielsweise gibt es einen Bericht über die aktuelle Wittgensteinrezeption in China: J.Yi, Z. Xue-guang, Philosophical Studies on Wittgensteiin in China. In: W. Lütterfels u. a. (Hrsg.), Wittgenstein-Studien. Band 6 der Internationalen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft (ILWG). De Gruyter, Berlin/Boston 2015: S. 237–257.
- ↑ Der Jubiläumsband Heinrich-Ramhardter u. a. (2025), hier in der Literatur, zeigt dahingehend Auseinandersetzungen zur behaupteten „Überinterpretation“ einzelner Wittgensteinpassagen wie auch das Beleuchten einer „Wittgenstein-Industrie“ selbst, siehe darin A. Biletzki, S. 399. An anderer Stelle desselben Bandes (A. Matar, S. 443) wird auf eigenartige Präsenz einzelner Aspekte und ebenso eigenartiges Stillschweigen anderer hingewiesen.
- ↑ Z. B. Mauro L. Engelmann, Reading Wittgenstein’s “Tractatus”. Cambridge University Press, Cambridge 2021.
- ↑ David G. Stern findet einen „mittleren“ gemäßigten Wittgenstein in How Many Wittgensteins?. Anm. 3, S. 206 in Pichler, Säätrelä (2006), hier in der Literatur.
- ↑ In Heinrich-Ramharter, Pichler, Stadler (2025), hier in der Literatur, findet man ferner eine „genetische“ Lesart (David G. Stern, S. 255) und eine „sanguinische“ Lesart (Herbert Hrachovec, S. 101) des Tractatus.
- ↑ Hier auch Wittgensteins Erste und Zweite Philosophie nach Stegmüller (1969, hier unter Literatur) genannt.
- ↑ Diese Unterscheidung ist der sachlichen Gegenüberstellung aus Wittgensteins Texten entnommen von Sandra Laugier, La forme logique de la vie. In: Archives de Philosophie 85 (2):77–97 (2022).
- ↑ So entnommen C. Diamond, Peter Winch on the “Tractatus” and the Unity of Wittgenstein’s Philosophy. In: Pichler, Säätelä (2006), hier in der Literatur: S. 141. Diese Schrift bildet bereits eine Beschäftigung mit der Geschichte der Wittgenstein-Interpretation.
- ↑ Entnommen dem Inhalt aus J. Conant, Wittgenstein’s Later Criticism of the “Tractatus”., Kap. 1 (A dispute about how to read the “Tractatus”): S. 172–176.
- ↑ So auch die Zusammenfassung der Debatte in David G. Stern; How Many Wittgensteins? In A. Pichler, S. Säätelä (2006), hier in der Literatur, Seite 207 f.
- ↑ Das ist zugleich der Titel einer Schriftensammlung, die von Alice Crary und Rupert Read 2000 herausgegeben wurde (siehe hier in der Literatur). Sie vereint Denker wie Conant und Diamond und andere bekannte Philosophen wie Hilary Putnam, Stanley Cavell und John McDowell mit Einzelbeiträgen unter dieser gemeinsamen Prämisse. Siehe dazu insbesondere die Einleitung der Herausgeber, Seite 2–3.
- ↑ Seite 174, Anm. 3 in Pichler, Säätelä (2006), hier in der Literatur. Englischer Originaltext: “Notice: this feature of a resolute reading … merely says something about how the book ought not to be read, thereby still leaving much undetermined about how the book ought to be read.”
- ↑ Vorwort zu Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie. Reclam, Stuttgart 1976, S. 21. In solch einem offenen Versuchsfeld scheint sich auch die Lesartdebatte des Tractatus zu befinden.
- ↑ Siehe dazu Joachim Schulte, Der Glückliche und seine Welt. in W. Vossenkuhl (2001), hier in der Literatur: S. 322.
- ↑ Wittgensteins Vorstellung ist dabei, dass die künstlerische Weltsicht nicht in Tatsachen zerfalle, sondern einem „Wunder“ gleicht, in der über sie in anderen Kategorien gesprochen wird. Er zitiert hierbei auch Schillers Wallenstein, um diesen sprachlichen Unterschied zu verdeutlichen. Der Tagebuch-Eintrag vom 20. Oktober 1916 (in Tagebücher (1914–1916), S. 181 der Suhrkamp-Ausgabe 12(1999), hier unter Literatur) verdeutlicht das: „Das künstlerische Wunder ist, daß es die Welt gibt. […] Ist das das Wesen der künstlerischen Betrachtungsweise, daß sie die Welt mit künstlerischem Auge betrachtet? – Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.“