Sanae Takaichi

Sanae Takaichi (jap. 高市 早苗 Takaichi Sanae; * 7. März 1961) ist eine japanische Politikerin. Seit Oktober 2025 ist sie Vorsitzende der LDP. Am 21. Oktober 2025 wurde Takaichi zur Premierministerin von Japan gewählt. Damit ist sie die erste Frau in diesem Amt in der Geschichte Japans.[A 1]
Laufbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Takaichi besuchte die Unebi-Oberschule in der Präfektur Nara. Anschließend studierte sie an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kōbe. Danach absolvierte sie die Kaderschmiede für Führungskräfte in Politik und Wirtschaft Matsushita Seikei Juku, die vom Konzern Matsushita Denki Sangyō (heute: Panasonic) gestiftet wurde. Von 1987 bis 1989 lebte sie in den USA und arbeitete als Congressional Fellow für die demokratische Kongressabgeordnete Patricia Schroeder.
Bei der Oberhauswahl 1992 kandidierte Takaichi als parteilose Kandidatin in ihrer Heimatpräfektur Nara (ein Sitz pro Teilwahl), unterlag aber dem offiziellen LDP-Kandidaten Minao Hattori. Ein Jahr später bewarb sie sich bei der Unterhauswahl 1993 in Nara (damals als zenken-ku ein Fünfmandatswahlkreis für die ganze Präfektur) und gewann gegen sieben andere Kandidaten einen Sitz. Sie stimmte zunächst bei der Wahl des Premierministers mit der nun erstmals oppositionellen LDP, trat aber 1994 der Liberalen Partei von Kōji Kakizawa bei, die sich am Kabinett Hata beteiligte, nach der Rückkehr der LDP in die Regierung im jiyū kaikaku rengō („liberaler Reformbund“) und schließlich Ende 1994 zum größten Teil in der NFP aufging. Für diese bestritt sie nach der Wahlrechtsreform bei der Wahl 1996 den neuen Einmandatswahlkreis Nara 1, der im Wesentlichen aus der Stadt Nara besteht, und setzte sich gegen Masahiro Morioka (LDP) und zwei Kandidaten von KPJ und DPJ durch. Noch im gleichen Jahr trat sie der LDP unter Ryūtarō Hashimoto bei, nachdem dieser die formale Koalition mit den in Sozialdemokraten umgetauften und zu einer Kleinpartei reduzierten Sozialisten beendet und die LDP-Alleinregierung wiederhergestellt hatte. Nach ihrem Beitritt war sie zunächst Mitglied der Mitsuzuka-Faktion.
Karriere in der LDP
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für die LDP musste sich Takaichi nun die LDP-Kandidatur im 1. Wahlkreis nach der sogenannten „Costa-Rica-Methode“ (kosuta rika hōshiki; nach der Wahlrechtsreform verbreitet sowie auch nach der NFP-Auflösung verwendet, um die Wahlkreiskandidaturen in den neuen Einmandatswahlkreisen unter mehreren LDP-Amtsinhabern zu verteilen) abwechselnd mit Masahiro Morioka teilen. Sie kandidierte bei der Unterhauswahl 2000 ausschließlich im Verhältniswahlsegment über den Block Kinki und wurde gewählt, 2003 wieder im Wahlkreis, unterlag dort aber dem Demokraten Sumio Mabuchi und verfehlte auch eine Wiederwahl im Verhältniswahlblock. Im Unterhaus war Takaichi von 2001 bis 2002 Vorsitzende des mit dem gleichnamigen Ministerium neu eingerichteten Kultus- und Wissenschaftsausschusses. Danach war sie bis 2003 „Vizeministerin“ im Wirtschafts- und Industrieministerium. 2004 heiratete sie den politischen Weggefährten Taku Yamamoto (ebenfalls Liberale Partei→NFP→LDP), Unterhausabgeordneter aus Fukui, für ihre politische Arbeit nutzte sie weiter auch bis zu ihrer Scheidung 2017[1] ihren etablierten Geburtsnamen. 2004 wurde sie Professorin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Kinki-Universität.
2005 schloss sich Makoto Taki aus dem Wahlkreis Nara 2 den „Rebellen“ gegen die von Jun’ichirō Koizumi betriebene Privatisierung der japanischen Post an. Bei der resultierenden „Postprivatisierungswahl“ 2005 wurde Takaichi Koizumis „Attentäter-Kandidatin“ im Wahlkreis 2 und gewann. Sie unterlag Taki 2009 knapp, gewann aber einen Verhältniswahlsitz im Block Kinki, 2012 setzte sie sich wieder im Wahlkreis durch und verteidigte den Sitz bei allen Wahlen bis einschließlich 2024. Koizumis Nachfolger Shinzō Abe berief Takaichi 2006 erstmals in ein Kabinett, in dessen ersten Regierung war sie bis 2007 Ministerin beim Kabinettsamt für besondere Aufgaben: Okinawa und die „Nördlichen Territorien“ (Südkurilen), Wissenschafts- und Technologiepolitik, Innovation, Geburtenrückgang, Geschlechtergleichstellung und Lebensmittelsicherheit. Von 2008 bis 2009 war sie erneut „Vizeministerin“ im Wirtschaftsministerium.
2012 übernahm Abe ein zweites Mal den Parteivorsitz, nach der siegreichen Unterhauswahl 2012 berief er Takaichi als PARC-Vorsitzende in den engsten Kreis der Parteiführung – wenngleich der PARC nicht mehr die zentrale Stellung früherer Jahrzehnte bei der Politikformulierung einnimmt und zuletzt teilweise durch externe Berater verdrängt wurde. Bei einer Kabinettsumbildung im September 2014 wechselte sie als Ministerin für Allgemeine Angelegenheiten ins Kabinett und wurde 2017 von Seiko Noda abgelöst. Ab 2019 übte Takaichi diesen Posten im zum zweiten Mal umgebildeten vierten Kabinett Abe bis zu Abes Rücktritt im September 2020 erneut aus.
2021 kandidierte Takaichi ohne formale Unterstützung ganzer Fraktionen, aber mit Abes Empfehlung[2] bei der Wahl des LDP-Vorsitzenden für die Nachfolge des nicht mehr antretenden Yoshihide Suga. Sie erhielt unter den Abgeordneten die zweithöchste Stimmenzahl, schied aber mit einem zu schwachen Vorwahlergebnis als insgesamt Drittplatzierte im ersten Wahlgang hinter Fumio Kishida und Tarō Kōno aus. Unter dem in der Stichwahl siegreichen Kishida wurde sie anschließend im neuen Parteivorstand zunächst erneut PARC-Vorsitzende. Bei einer Kabinettsumbildung im August 2022 berief Kishida sie zur Ministerin beim Kabinettsbüro für mehrere besondere Aufgaben: „Cool-Japan-Strategie“ (internationale Kulturvermarktung), geistiges Eigentum, Wissenschaft & Technologie, Weltraum sowie „wirtschaftliche Sicherheit“, das von Kishida neu eingerichtete Programm zur Sicherung von Lieferketten, zentraler Infrastruktur und anderen strategisch wichtigen Teilen der Volkswirtschaft.


2024 trat Takaichi bei der Wahl des Parteivorsitzenden für die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden Fumio Kishida an. Sie erhielt zwar knapp die meisten Vorwahlstimmen unter den Parteimitgliedern und führte insgesamt im ersten Wahlgang, unterlag aber in der Stichwahl, in die die Vorwahlen nur noch mit einer Stimme pro Präfekturverband (winner-take-all) einfließen, Shigeru Ishiba, der nun in beiden Segmenten führte, weil er zwar absolut landesweit weniger Vorwahlstimmen, aber in mehr Präfekturen als Takaichi mehr Stimmen als sie erhalten hatte. Ishibas anschließendes Angebot, den Exekutivrat (sōmukai) und damit eine der drei wichtigsten Führungspositionen (san’yaku) der Partei zu übernehmen, lehnte sie ebenso wie einen Kabinettsposten ab.[3]
Parteichefin und erste Premierministerin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem die LDP und ihr Koalitionspartner Kōmeitō bei der Unterhauswahl Ende Oktober 2024 und bei der Oberhauswahl am 20. Juli 2025 die absolute Mehrheit in beiden Parlamentskammern verloren hatten, kündigte Ishiba am 7. September 2025 seinen Rücktritt als LDP-Vorsitzender und japanischer Premierminister an.[4] Sanae Takaichi kandidierte daraufhin erneut für den Parteivorsitz. Sie erhielt wieder im ersten Wahlgang die meisten Stimmen und konnte sich in der Stichwahl mit 54,25 % der Stimmen gegen den zweitplatzierten Shinjirō Koizumi durchsetzen. Takaichi wurde somit am 4. Oktober 2025 zur neuen Vorsitzenden der LDP ernannt.[5]
Zunächst wurde erwartet, dass das japanische Parlament Takaichi am 15. Oktober 2025 zur ersten Premierministerin des Landes wählt.[6] Doch nachdem die Kōmeitō am 10. Oktober überraschend die Koalition mit der LDP aufgekündigt hatte, wurde die Wahl des neuen Regierungschefs auf den 21. Oktober verschoben. Die LDP begab sich auf die Suche nach einem neuen Koalitionspartner,[7] den sie in der konservativen Partei Nippon Ishin no Kai fand.[8] Am 20. Oktober wurde der Koalitionsvertrag unterschrieben.[9] Am Folgetag gewann Takaichi im Unterhaus im ersten Wahlgang mit 237 von 465 Stimmen die absolute Mehrheit; Oppositionskandidat Yoshihiko Noda kam auf 149 Stimmen.[10]
Zur Premierministerin angelobt, formte sie ihre Regierung Kabinett Takaichi I. Damit wurde sie die erste Frau im Amt eines Premierministers sowohl in der jetzigen Reiwa-Zeit und Nachkriegszeit, als auch in der gesamten Geschichte Japans.[A 1] Dabei hatte sie erklärt, in ihrem Kabinett sollten ebenso viele Frauen vertreten sein, wie es in den nordischen Ländern der Fall ist. Tatsächlich wurden jedoch nur zwei Frauen Teil des Kabinetts: Satsuki Katayama als Japans erste Finanzministerin und Kimi Onoda als Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit.[11] In ihrer Antrittspressekonferenz sagte Takaichi, für sie hatte „Chancengleichheit oberste Priorität“ und sie habe ihre Minister nicht nach ihrem Geschlecht, sondern ausschließlich nach ihren Qualifikationen ausgewählt.[12]
Am 19. Januar 2026 kündigte Takaichi auf einer Pressekonferenz vorgezogene Neuwahlen für das Unterhaus an: Das Parlament werde am 23. Januar aufgelöst, gewählt werde am 8. Februar – die kürzeste Wahlkampagne der Nachkriegszeit.[13] Sie begründete den Schritt mit dem Anspruch, ein eigenes Mandat zu gewinnen und die nach ihrer Wahl zur LDP-Vorsitzenden gebildete Regierungskoalition dem Wählervotum zu stellen; zugleich stellte sie eine offensive Industriepolitik, ein Ende „übermäßiger Austerität“ und Verteidigungsreformen in Aussicht.[13] Seit Amtsantritt lagen die Zustimmungswerte ihrer Regierung in vielen Erhebungen konstant über 70 Prozent; bei den unter 30-Jährigen erreichte sie in einer Umfrage über 90 Prozent.[13] Zu ihren ersten politischen Maßnahmen zählte ein Nachtragshaushalt zur Abmilderung der Inflationsfolgen; außenpolitisch wurde ihr routinierter Umgang mit Staatsbesuchen – darunter von Donald Trump – und eine standhafte Haltung gegenüber chinesischem Druck im Streit um Taiwan attestiert.[13] Beobachter werteten die vorgezogene Wahl zugleich als Versuch, die mit dem Koalitionspartner nur um eine Stimme bestehende Mehrheit im Unterhaus zu verbreitern; in Parteiumfragen lag die LDP zuletzt bei rund 35 Prozent und damit klar vor der Konkurrenz, allerdings etwa auf dem Niveau der Unterhauswahl 2024, bei der sie ihre Alleinmehrheit verloren hatte.[13] Der LDP-Politiker Itsunori Onodera zeigte sich über das Timing der Auflösung „etwas perplex“.[13]
Im Vorfeld der Neuwahl schlossen sich die Konstitutionell-Demokratische Partei und die Kōmeitō zur »Centrist Reform Alliance« zusammen; deren Potenzial beruht unter anderem auf der aktiven Wahlkampfunterstützung durch Mitglieder der buddhistischen Sōka Gakkai, die in knappen Wahlkreisen ausschlaggebend sein kann.[13] Die Wirtschaftszeitung Nikkei schätzte rückblickend, die LDP hätte bei der Wahl 2024 ohne Kōmeitō-Unterstützung rund 25 Mandate weniger als die erreichten 132 gewonnen.[13] Neben dem neuen Bündnis bleiben auch aufstrebende Parteien ein Faktor: die zentristisch-populistische Democratic Party for the People (DPP) und die rechtsnativistische Sanseito, deren Werte seit Takaichis Amtsantritt zwar sanken, deren Aufstieg aber weiter durch Sorgen über Einwanderung und Inflation gespeist wird.[13] Finanzmärkte preisten eine mögliche Mandatsstärkung der Regierung bereits ein: Japanische Aktien legten zu, der Yen fiel auf ein 18-Monats-Tief, und Renditen langfristiger Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit 27 Jahren; Takaichi erklärte, sie habe ihre „eigene Position als Premierministerin aufs Spiel gesetzt“.[13]
Erdrutschsieg 2026 mit Zweidrittelmehrheit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der winterlichen Shūgiin-Wahl 2026 erzielte die Liberaldemokratische Partei nach einer ersten Auszählung insgesamt 316 Sitze, so viel wie noch nie eine Partei zuvor in Japan, und damit alleine eine Zweidrittelmehrheit. Die Regierungskoalition aus LDP und Nippon Ishin no Kai (Ishin; englisch auch Japan Innovation Party) hat demnach zukünftig drei Viertel der Sitze im Abgeordnetenhaus inne.[14][15]
Politische Positionen und Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Takaichi gilt als konservativ und nationalistisch.[16] Sie steht der als revisionistisch geltenden Nippon Kaigi nahe.[17] Ihre wirtschafts- und außenpolitischen Positionen sowie ihr Auftreten werden vielfach mit Margaret Thatcher verglichen.[18][19]
Takaichi zählt zu den japanischen Politikerinnen, die Reformen zur feministischen Förderung der Gleichstellung von Frauen weitgehend blockiert haben; so spricht sie sich für die Beibehaltung der mit der Meiji-Verfassung seit dem Jahr 1889 eingeführten salischen Thronfolge im japanischen Kaiserhaus aus und lehnt sowohl die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe als auch die Möglichkeit getrennter Nachnamen für Ehepaare ab. In ihrer zweiten Ehe mit Taku Yamamoto nahm ihr Ehemann ihren Nachnamen an, so dass das Ehepaar nun ihren als den gemeinsamen Nachnamen führt.[20] Als politische Vorbilder nennt sie Margaret Thatcher und Shinzo Abe.[21]
Im Vorfeld ihrer Ernennung als Ministerin im Jahr 2006 kursierte ein früherer und bereits im Jahr 1994 veröffentlichter Zeitungsausschnitt, in dem Takaichi ein im gleichen Jahr erschienenes, nach 3.000 Exemplaren zurückgezogenes[22] und inzwischen in Japan verbotenes Buch mit dem Titel „Die Wahlstrategie Hitlers: Eine Bibel für sicheren Sieg bei modernen Wahlen“ (japanisch ヒトラー選挙戦略 現代選挙必勝のバイブル, englisch The Hitler Election Strategy: A Bible for Certain Victory in Modern Elections) ihres Parteikollegen Yoshio Ogai angepriesen hatte und dabei die Lehre eines „starken Willens“ angesichts unabwendbarer politischer Angriffe herausstellte. Nachdem sie zunächst noch versuchte, die Autorenschaft abzustreiten, gab sie später an, unsicher zu sein, ob sie die Aussage verfasst habe. Dem Parteikollegen und Verfasser Ogai wurde erst später im Jahr 2014 in der internationalen Presse vorgeworfen, sein Buch relativiere die Shoah und rate außerdem dazu, unliebsame Wähler gleichsam „auszulöschen“, indem man ihre politische Betätigung blockiere.[23][A 2]
In der internationalen Presse wurde die winterliche Wahlkampagne zur Shūgiin-Wahl 2026 teilweise als neuer Personenkult („Sana-mania“) mit der nicht unwahrscheinlichen Möglichkeit eines Erdrutschsieges und noch weiter anwachsender großer Popularität der ersten Frau Japans bezeichnet.[24] Ihr rosa Stift und ihre Handtaschen waren während des Wahlkampfs Verkaufsschlager im Online-Handel.[25]
Ministerpräsidentin Sanae Takaichi wurden gute Chancen eingeräumt, die Wahl in Japan zu gewinnen. In der schweizerischen Wirtschaftspresse wurde jedoch die Frage nach den zu erwartenden Erfolgsaussichten des von ihr geplanten japanischen Wirtschaftsprogramms und den möglichen finanziellen Folgen des mit der Wahl gekoppelten Votums über die hohen Staatsausgaben bei einer zugleich enorm hohen Staatsverschuldung Japans aufgeworfen.[26]
Andere Pressestimmen sahen Takaichi durch den außenpolitischen Streit mit China offenkundig gestärkt, nachdem sie im November 2025 öffentlich im japanischen Parlament erklärt hatte, man werde Taiwan notfalls auch militärische Hilfe leisten, sollte China den demokratisch regierten Inselstaat angreifen. Nach verbalen Drohungen (in Osaka hatte der dortige konsularische Vertreter Pekings sogar gedroht, Takaichi den Kopf abzuschneiden) und außenwirtschaftlichen Strafmaßnahmen seitens China sei aber in Japan unerwartet ein gegenteiliger Effekt entstanden, denn diese chinesischen Schritte hätten unfreiwillig die amtierende japanische Premierministerin vielmehr noch gestärkt.[27]
In einem ersten internationalen Pressebericht früh nach Wahlschluss wurde von einem Erdrutschsieg und einer sehr klaren Mehrheit bei gleichzeitig dramatischen Stimmenzugewinnen für die Premierministerin Sanae Takaichi und ihre Regierungskoalition berichtet.[28] Laut dem amtlichen Endergebnis konnte die LDP 315 von 465 Sitzen im Unterhaus erlangen, ein Ergebnis das über der notwendigen Mindestzahl von 233 Sitzen und nötigen 310 Sitzen für eine Zwei-Drittel-Mehrheit liegt. Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit können im Unterhaus Beschlüsse des Oberhauses überstimmt werden. Gemeinsam mit dem Koalitionspartner Nippon Ishin no Kai (Ishin; englisch auch: Japan Innovation Party), der sich 36 Sitze sichern konnte, hält die Koalition nun insgesamt 351 Sitze im Unterhaus. Takaichi kündigte an, grundlegende Reformen durchführen zu wollen und dafür eine Veränderung der Nachkriegsverfassung Japans voranzutreiben.[29][30]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2004 heiratete Sanae Takaichi erstmalig Taku Yamamoto, der ebenfalls Mitglied des Repräsentantenhauses war. Sie nahm dabei den Familiennamen ihres Mannes an, da in Japan Ehepaare denselben Familiennamen tragen müssen, hieß also Sanae Yamamoto (山本 早苗 Yamamoto Sanae), verwendete in der Öffentlichkeit aber weiterhin ihren Geburtsnamen. Das Paar hat keine gemeinsamen leiblichen Kinder, aber Takaichi adoptierte Yamamotos drei Kinder aus einer früheren Ehe. Im Juli 2017 ließ sich das Paar aufgrund unterschiedlicher politischer Ansichten scheiden und Takaichi nahm wieder ihren Geburtsnamen an. Im Dezember 2021 heiratete das Paar erneut. Bei der Wiederverheiratung nahm Taku Yamamoto den Namen Takaichi an, ihr Mann heißt heute also Taku Takaichi. Über die drei Adoptivkinder hat Sanae Takaichi gemeinsam mit ihrem Mann vier Enkelkinder, leibliche Kinder hat sie dagegen nicht. Im Jahr 2007 sagte sie: „Ich möchte, dass die Gesellschaft unfruchtbaren Frauen gegenüber offen ist.“
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eigene Webpräsenz (japanisch)
- Shūgiin, Abgeordnete (49. Wahlperiode), Takaichi Sanae (japanisch) ( vom 24. Januar 2024 im Internet Archive), englische Übersetzung ( vom 28. Januar 2023 im Internet Archive):
- LDP: Vorstellung der Kandidaten für die Wahl des Vorsitzenden 2024: Takaichi Sanae (japanisch), LDP-Abgeordnetenprofil Takaichi Sanae (englisch)
- Kantei, [erstes] Kabinett Abe, Minister: Sanae Takaichi (englisch)
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Die Geschichte Japans gliedert sich für die Nachkriegszeit traditionell auf in die „Shōwa-Ära Teil 2 (1945–1989)“, „Heisei-Ära (1989 bis 2019)“ und die „Reiwa-Ära (2019 bis heute)“. Reiwa (japanisch 令和; offiziell dafür verwendete deutsche Übersetzung: „schöne Harmonie“) des Tennō Naruhito bezeichnet den Zeitraum seit dem 1. Mai 2019, was fortan als Reiwa-Zeit (令和時代, Reiwa-jidai) gilt. Das Jahr 2019 wird seit diesem Zeitpunkt in der Nengō-Zeitrechnung als Reiwa 1 (令和元年, Reiwa gannen) bezeichnet.
- ↑ In der englischen „The Times“ führt Richard Lloyd Parry dazu weiter aus: »[…] Another chapter advises Japanese politicians to emulate Hitler and “wipe out voters who cannot be persuaded”. He explains: “To ‘wipe out’ does not mean to kill them. It is to take measures to block their political activities.” In a 1994 magazine advertisement, circulating on social media sites, a photograph of Ms Takaichi appears above the words: “Slander, calumny, and threats begin at the very moment you become a candidate. My family and I have suffered. As the author points out, the key to victory is a ‘strong will’. With love and a vision for the nation and the homeland, let’s meet the challenge, youngsters!” […] Her explanation for the endorsement of the Hitler book has changed since it first came to light. Yesterday a spokesman for Ms Takaichi said that she did not know the book’s author, and did not write the words on the advertisement. Last month, her office said that she could not remember whether she wrote them or not.« […].
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ 高市総務相が山本拓議員と離婚 政治的立場の違いで. In: Nikkan Sports. 20. Juli 2017, abgerufen am 11. Oktober 2021 (japanisch).
- ↑ Shinzo Abe backs rightwinger Sanae Takaichi to be Japan’s first female prime minister. In: The Times. 6. September 2021, abgerufen am 11. Oktober 2021 (englisch).
- ↑ 高市早苗氏、石破茂総裁の総務会長打診を固辞 入閣も否定的、要職起用見送りへ. In: Sankei Shimbun. 28. September 2024, abgerufen am 6. Oktober 2024 (japanisch).
- ↑ Rachel Hagan: Japan’s Prime Minister Shigeru Ishiba resigns after election defeats. In: BBC News, 7. September 2025 (englisch).
- ↑ Himari Semans, Gabriele Ninivaggi, Kanako Takahara: Takaichi poised to become Japan’s first female PM after winning LDP poll- In: The Japan Times, 4. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Japans Regierungspartei wählt erstmals Frau als Vorsitzende. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Oktober 2025.
- ↑ Michael MacArthur Bosack: A negotiator’s nightmare in Nagatacho. In: The Japan Times, 15. Oktober 2025.
- ↑ LDP and Nippon Ishin no Kai to form coalition government, Kyodo reports. In: The Japan Times, 19. Oktober 2025.
- ↑ Tim Kanning: Der Weg nach rechts ist frei. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Oktober 2025.
- ↑ Gabriele Ninivaggi: Sanae Takaichi makes history as Japan’s first female prime minister. In: The Japan Times, 21. Oktober 2025.
- ↑ Justin McCurry, Justin McCurryin Tokyo: Sanae Takaichi appoints just two women to cabinet after becoming Japan’s first female PM. In: The Guardian. 21. Oktober 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 22. Oktober 2025]).
- ↑ 高市早苗・自民党総裁、第104代首相に選出 憲政史上初の女性宰相. 21. Oktober 2025, abgerufen am 22. Oktober 2025 (japanisch).
- ↑ a b c d e f g h i j Japan’s popular new prime minister gambles on a snap election. In: The Economist. 19. Januar 2026, abgerufen am 20. Januar 2026 (englisch).
- ↑ LDP set for historic win in snap election. In: Japan Times. 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025 (englisch).
- ↑ Japan's governing party on course for landslide election win. In: BBC. 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025 (englisch).
- ↑ Martin Fritz: Japan erhält eine „Eiserne Lady“ als Premierin. In: dw.com. 5. Oktober 2025, abgerufen am 6. Oktober 2025.
- ↑ KIM Hyun-ki, Sarah KIM: Abe’s reshuffle promotes right-wingers. In: Korea JoongAng Daily. 4. September 2014, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Sebastian Maslow: Is Sanae Takaichi Japan’s Margaret Thatcher – or its next Liz Truss? In: The Conversation. 5. Oktober 2025, abgerufen am 6. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ John Geddie: Inspired by Thatcher, Japan’s PM-in-waiting Takaichi smashes glass ceiling. In: Reuters. 5. Oktober 2025 (englisch, reuters.com [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
- ↑ 高市早苗政調会長の再婚 夫の山本拓・前衆院議員が「高市姓」に – „Sanae Takaichi, Vorsitzende des „Policy Research Council“ (LDP), heiratet erneut. Ihr Ehemann, das ehemalige Mitglied des Repräsentantenhauses Taku Yamamoto, wird den Nachnamen „Takaichi“ annehmen.“ In: bunshun.jp. Shūkan Bunshun – 週刊文春, 5. Mai 2024, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 28. April 2022; abgerufen am 13. Februar 2026 (japanisch).
- ↑ Emma Hinchliffe: Sanae Takaichi becomes Japan's first female prime minister. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Japanese writer withdraws his book on Hitler. In: Deseret News. 15. Juni 1994, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Richard Lloyd Parry: Embarrassment after minister backs Hitler book. In: The Times. 22. Oktober 2014, abgerufen am 6. Oktober 2025 (englisch): „[…] Another chapter advises Japanese politicians to emulate Hitler and “wipe out voters who cannot be persuaded”. He explains: “To ‘wipe out’ does not mean to kill them.” […]“
- ↑ Justin McCurry: ‘Sana-mania’ grips Japan as ultra-conservative Takaichi expected to secure election landslide. In: The Guardian. Guardian News & Media Limited, 6. Februar 2026, abgerufen am 6. Februar 2026 (englisch, Untertitel: The country’s first female PM is the object of a personality cult revolving around everything from her outfits and snacks to her favourite pink pen).
- ↑ Tim Kelly, Joseph Campbell: Handbags and hashtags: Japan's Takaichi rides youth-led craze into election. In: reuters. 4. Februar 2026, abgerufen am 6. Februar 2026 (englisch).
- ↑ Martin Kölling: Immer mehr Schulden – geht das gut? Das Wirtschaftsprogramm von Japans Regierungschefin hält die Märkte in Atem. In: Neue Zürcher Zeitung. Neue Zürcher Zeitung AG, 7. Februar 2026, abgerufen am 7. Februar 2026 (Untertitel: Japan wählt ein neues Unterhaus. Sanae Takaichi macht daraus ein Votum über hohe Staatsausgaben – trotz enormem Schuldenstand. Sie hat gute Chancen, zu gewinnen).
- ↑ Sven Hauberg: Parlamentswahl in Japan: Streit mit China beflügelt rechte Hardlinerin. In: Frankfurter Rundschau. Frankfurter Rundschau GmbH, 7. Februar 2026, abgerufen am 7. Februar 2026 (Untertitel: Japan wählt ein neues Parlament. Die skandalgebeutelte Partei von Premierministerin Sanae Takaichi steht vor einem Erdrutschsieg).
- ↑ Justin McCurry: Sanae Takaichi’s conservatives cement power in landslide Japan election win. Guardian News & Media Limited, 8. Februar 2026, abgerufen am 8. Februar 2026 (englisch, Untertitel: Results mean coalition of country’s recently installed PM has a supermajority in the lower house of parliament).
- ↑ Offizielles Wahlergebnis: Japans Regierungspartei erreicht Zweidrittel-Mehrheit. 10. Februar 2026, abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ Nach Wahlsieg: Takaichi will nun Japan verändern. 9. Februar 2026, abgerufen am 11. Februar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Takaichi, Sanae |
| ALTERNATIVNAMEN | 高市 早苗 (Geburtsname, japanisch); Yamamoto, Sanae; 山本 早苗 (japanisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | japanische Politikerin |
| GEBURTSDATUM | 7. März 1961 |
- Premierminister von Japan
- Amtierender Regierungschef
- Minister für allgemeine Angelegenheiten (Japan)
- Minister für Wissenschafts- und Technologiepolitik (Japan)
- Raumfahrtminister (Japan)
- Minister für Okinawa und die nördlichen Territorien
- Mitglied des Shūgiin
- Vorsitzender der LDP (Japan)
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Japaner
- Geboren 1961
- Frau