Paperbomb

Paperbomb ist eine serielle Skulptur der deutsch‑italienischen Künstlerin Nezilla. Die Skulptur ist ein Symbol für Frieden, Erinnerung und Freundschaft und wird an verschiedenen historisch bedeutsamen Orten in Europa gezeigt. Das Kunstwerk thematisiert die Zerbrechlichkeit des Friedens und die Bedeutung des Erinnerns in politischen und gesellschaftlichen Kontexten.[1]
Die Skulpturen wirken leicht und fragil und erinnern in ihrer Form an gefaltete Origami, sind jedoch aus Aluminium gefertigt.[2] Ihre Gestaltung stellt die feste Materialität des Metalls der fragilen Erscheinung gegenüber. Auf diese Weise erscheint Paperbomb in einer verfremdeten, reduzierten Form und verweist auf Gewalt, Krieg und deren Folgen.
Inspiration und Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Inspiriert wurde Paperbomb durch die Geschichte des japanischen Mädchens Sadako Sasaki' (1943–1955), das in Folge des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki an Leukämie erkrankte. Eine japanische Legende besagt, dass ein Wunsch an die Götter gerichtet werden darf, wenn man ihnen zu Ehren 1.000 Origami-Kraniche faltet. Sasaki faltete bis zu ihrem Tod 1.600 Kraniche, die zum Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstands gegen den Krieg wurden.[2]
Paperbomb ist als Serienprojekt konzipiert.[3] Als zwei Meter hohe Varianten werden die Skulpturen an historisch bedeutenden Orten installiert, um lokale Erinnerungs- und Gedenkkontexte einzubeziehen. Durch die Präsentation an unterschiedlichen Schauplätzen entsteht ein Netzwerk von Orten des Erinnerns und Reflektierens.
Permanente Ausstellungsorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Werk wurde an mehreren historisch bedeutsamen Orten in Europa installiert. Zu den dauerhaften Ausstellungsorten gehören Tulle (Frankreich), Hartmannswillerkopf (Frankreich), der Zeughausgarten, Mannheim (Deutschland) sowie Oradour‑sur‑Glane (Frankreich).[4]
Tulle in Frankreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine zwei Meter große Version wurde am 9. Juni 2024 am Champ des Martyrs in Anwesenheit des ehemaligen französischen Staatspräsidenten François Hollande enthüllt, um an das Massaker von Tulle zu erinnern. 1944 verübten die Nationalsozialisten ein Massaker an der Zivilbevölkerung von Tulle, erhängten 99 Männer und deportierten über 150 weitere Bürger. Die Enthüllung der Skulptur einer deutschen Künstlerin am Ort eines von den Nationalsozialisten verübten Massakers gilt als Symbol der deutsch‑französischen Versöhnung.[5] Die Installation versteht sich als Mahnung gegen das Vergessen und als Aufruf zu dauerhaftem Dialog.
Der 80. Jahrestag der Massaker von Tulle und Oradour-sur-Glane war von zentraler politischer Bedeutung, da er vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier besucht wurde. Bundespräsident Steinmeier überreichte Präsident Macron eine Miniaturversion von Paperbomb als symbolisches Geschenk für Versöhnung und Dialog.[6][7]
Hartmannswillerkopf in Frankreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Exakt 110 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde am 3. August 2024 eine weitere Paperbomb-Skulptur am Hartmannswillerkopf im Elsass eingeweiht.[8] 110 Jahre nach Kriegsbeginn markiert sie zwischen dem Soldatenfriedhof und zentralen Memorial den Wandel vom Ort militärischer Zerstörung zum Raum der Versöhnung.[9] Der Hartmannswillerkopf war während des Ersten Weltkrieges erbittert umkämpft. Zwischen 1914 und 1916 kam es zu heftigen Gefechten, in denen Zehntausende ihr Leben ließen.[10] Heute ist der Hartmannswillerkopf nicht nur eine Gedenkstätte, sondern auch ein lebendiger Ort des Austauschs und seit letztem Jahr Teil des UNESCO-Welterbes.
Zeughausgarten in Mannheim
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 9. Mai 2025, dem Europatag, wurde das Kunstwerk im Garten der Reiss‑Engelhorn‑Museen enthüllt.[11] In diesem ehemaligen Waffenarsenal wurde Paperbomb als Friedenssymbol und Ort der Reflexion in einem historischen Kontext präsentiert.[7] Der Zeughausgarten ist der erste Ausstellungsort von Paperbomb in Deutschland.
Oradour‑sur‑Glane in Frankreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 10. Juni 2025 wurde am nördlichen Eingang des historischen Dorfes eine weitere Skulptur installiert, begleitet von Gedenkveranstaltungen zum 81. Jahrestag des dortigen Massakers im Zweiten Weltkrieg.[12][13] Das Massaker von Oradour‑sur‑Glane gilt als das größte deutsche Massaker in Westeuropa während des Zweiten Weltkriegs: Am 10. Juni 1944 tötete die Zweite SS-Panzer-Division „Das Reich“ 643 Menschen und zerstörte das Dorf vollständig. Die Platzierung von Paperbomb schafft einen materiellen wie symbolischen Übergang zwischen dem zerstörten, und nie wieder neu aufgebauten, und dem neuen Oradour. Die Ruinen des ursprünglichen Dorfes, heute eine nationale Gedenkstätte unter Denkmalschutz, bleiben eine eindringliche Mahnung an die Kriegsgräuel.
Temporäre Ausstellungsorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Paperbomb wird vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gezeigt. Das vier Meter hohe Kunstwerk wurde am 25. November 2025 durch Gerichtshof-Präsident Mattias Guyomar und Botschafterin Heike Thiele offiziell eingeweiht.[14]
PalaisPopulaire in Berlin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine weitere zwei Meter hohe Skulptur von Paperbomb wurde temporär im Rahmen der Reihe SculpturePopulaire im PalaisPopulaire gezeigt. Vom 12. Februar bis 31. März 2025 konnten Besuchende die Skulptur in der Rotunde des Berliner Museums besichtigen.[2][15]
Paris, 6. Arrondissement
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bevor Paperbomb dauerhaft in Oradour-sur-Glane installiert wurde, war das Kunstwerk einige Tage im Zentrum von Paris ausgestellt. Im Herzen des 6. Arrondissements wurde der Öffentlichkeit die Möglichkeit geboten, die Skulptur vor ihrer dauerhaften Verlegung an die Gedenkstätte anzusehen.[15]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Nezilla: Paperbomb. Abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ a b c PalaisPopulaire: Nessi Nezilla: PAPERBOMB. Abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Nezilla: Vita. Abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ SWR: SWR Kultur: Sendung vom 1.2.2026. 1. Februar 2026, abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Comité des martyrs de Tulle: L’inauguration de la Paperbomb au Haut Lieu de Cueille à Tulle : une mémoire identifiée par l’art contemporain. 9. Juni 2024, abgerufen am 6. Februar 2026 (französisch).
- ↑ Bundespräsident Steinmeier: Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag des Massakers in Oradour-sur-Glane. 10. Juni 2024, abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ a b Mannheimer Morgen: Ein Staatsgeschenk für den französischen Präsidenten kommt aus Mannheim. Abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Max Himm: Hartmannswillerkopf : Une bombe de Papier pour le 110e anniversaire du déclenchement de la 1ère guerre mondiale. La chronique de Max Himm. opinion internationale, 5. August 2024, abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Mannheimer Morgen: Einweihung der Skulptur „Paperbomb“ in Mannheim. 6. August 2024, abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Comité du Monument National du Hartmannswillerkopf: Hartmannswillerkopf. Abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Reiss-Engelhorn-Museen: Zeichen für deutsch-französische Freundschaft und Frieden in Europa. Abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Kaolin FM: Commémorations des 81 ans du massacre d’Oradour-sur-Glane. Abgerufen am 6. Februar 2026 (französisch).
- ↑ Cordelia Hales: Une sculpture contemporaine pour ancrer la mémoire d’Oradour. Le journal des arts, 11. Juni 2025, abgerufen am 6. Februar 2026 (französisch).
- ↑ Nezilla: Paperbomb EGMR. Abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ a b Nezilla: Weitere Standorte Paperbomb. Abgerufen am 6. Februar 2026.