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Glatt (Sulz am Neckar)

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Glatt (Sulz am Neckar)
Wappen von Glatt (Sulz am Neckar)
Koordinaten: 48° 23′ N, 8° 37′ OKoordinaten: 48° 23′ 9″ N, 8° 37′ 29″ O
Einwohner: 700[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Postleitzahl: 72172
Vorwahl: 07482

Glatt ist ein Dorf im Nordschwarzwald und seit 1975 Stadtteil von Sulz am Neckar. Der Ort Glatt liegt am Fluss Glatt, etwa 17 km talabwärts von Glatten und hat etwa 700 Einwohner.

Das Dorf wurde um 736 zum ersten Mal urkundlich in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen erwähnt.[1] Die Besiedlung ist jedoch sehr viel älter. Schon 750–450 v. Chr. siedelten hier Kelten. Die Römer bauten dann eine Straße von Sulz über Glatt zum Kniebis. Bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 war der Ort Teil der dem Kloster Muri in der Schweiz gehörenden Herrschaft Glatt. Nach der Säkularisation 1803 kam Glatt an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. Die Besitzergreifung erfolgte allerdings bereits nach der Fertigstellung des Teilungsplans am 2. November 1802. Mit dem Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen gelangte Glatt 1850 als Teil der Hohenzollernschen Lande an das Königreich Preußen.

Die lokale Adelsfamilie von Neuneck beherrschte Glatt vom 13. Jahrhundert bis zu ihrem Aussterben 1671 und besaß umfangreiche Herrschaftsrechte über das Dorf (Gerichtsbarkeit, Kirchenpatronat u. a.). Kaiser Karl V. verlieh Reinhard von Neuneck 1521 die hohe Gerichtsbarkeit (Blutgericht). Nach dem Tod des letzten Neuneck wurde das Erbe 1678 an die Freiherren von Landsee verkauft; 1706 erwarb das schweizerische Kloster Muri die Herrschaft Glatt. Glatt blieb als murische Herrschaft bis zur Säkularisation 1803 unter der Landeshoheit der Fürstäbte von Muri. Anschließend fiel der Ort an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen, das in Glatt ein eigenes Oberamt einrichtete.[2]

Bedeutende Einschnitte ergaben sich auch in der Frühen Neuzeit: Die kaiserliche Privilegierung von 1521 schloss das Marktrecht ein, und ab 1534 wurde in Glatt jährlich am Tag nach der Kirchweih ein Markt abgehalten. In dieser Zeit führte der Ort zeitweise den Beinamen „Glatt der Markt“. Die Einwohner Glatts beteiligten sich übrigens nur in geringem Maße an den Aufständen des Bauernkriegs 1525. Im 18. Jahrhundert kam es jedoch zu lokalen Unruhen: 1797 protestierten die Glatter Leibeigenen (58 Tagelöhner) gegen übermäßige Frondienste des Klosters Muri, was nach dem Einschreiten einer Exekutionstruppe 1798/99 zur Abschaffung der Frondienste führte.[2]

Bis 1854 war der Ort Sitz des Oberamts Glatt. Nach dessen Aufhebung gehörte Glatt von 1854 bis 1925 zum Oberamt Haigerloch. Dieses wurde 1925 mit dem Oberamt Hechingen zum Landkreis Hechingen vereinigt, dessen Teil Glatt bis zum Jahr 1973 war. Am 1. Januar 1975 wurde der Ort in das früher württembergische Sulz am Neckar eingemeindet.[3]

In der Neuzeit entwickelte sich Glatt vom rein landwirtschaftlich geprägten Dorf zunehmend zu einem kulturell und touristisch bedeutsamen Ort. 1971 erwarb die Gemeinde das historische Schloss; nach der Eingemeindung Glatts 1975 wurde das Wasserschloss in städtischem Besitz umfassend saniert (1973–1989). Im November 2001 eröffnete dort das Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt, wodurch Glatt einen überregionalen kulturellen Aufschwung erlebte.

Kultur und Einrichtungen

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Glatt beherbergt heute ein vielfältiges kulturelles Angebot, dessen Zentrum das Wasserschloss Glatt bildet. In dem Renaissance-Schloss wurde 2001 das Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt (KMZ) eröffnet. Dort sind im Hauptgebäude und der ehemaligen Zehntscheuer insgesamt vier Museen untergebracht: ein Bauernmuseum (schon 1996 eröffnet), das Schlossmuseum zur Dorf- und Schlossgeschichte, ein Adelsmuseum mit Rüstkammer sowie die Galerie Schloss Glatt, ein regionales Kunstmuseum. Das Schlossmuseum wird von der Stadt Sulz betrieben und vom örtlichen Bürger- und Kulturverein Wasserschloss Glatt e.V. mitbetreut. Die Galerie Schloss Glatt steht in Trägerschaft des Landkreises Rottweil und des Zweckverbandes OEW und zeigt neben einer Dauerausstellung (u. a. Exponate der Bernsteinschule) regelmäßig Sonderausstellungen mit regionalem Kunstbezug.

Neben den ständigen Ausstellungen finden im Schlossareal vielfältige kulturelle Veranstaltungen statt. So veranstaltet das KMZ Glatt in Kooperation mit Vereinen z. B. eine Lange Museumsnacht mit Mittelaltermarkt und historischem Lagerleben, die (im zweijährigen Rhythmus) Besucher in das Renaissance-Ambiente lockt.[4] Daneben bereichern Konzerte (wie ein alljährliches Neujahrskonzert) und wechselnde Kulturprogramme das öffentliche Leben. Ein kultureller Höhepunkt sind insbesondere die Opernfestspiele Glatt, die alle zwei Jahre Open-Air im Schlosshof aufgeführt werden (siehe unten). Dank dieser Angebote verzeichnete das Kultur- und Museumszentrum Glatt zuletzt jährlich über 16.000 Besucher (Stand 2023).[5]

Opernfestspiele Schloss Glatt

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Die Opernfestspiele Schloss Glatt sind ein seit Mitte der 2000er-Jahre etabliertes Freilicht-Festival für Musiktheater. Vor der historischen Schlosskulisse wird alle zwei Jahre im Sommer eine Opernproduktion mit professionellen Künstlern inszeniert. Während der Festspielwochen dient das Schloss den Mitwirkenden zugleich als Proben- und Aufenthaltsort.[6] Schirmherren der Festspiele sind die Stadt Sulz am Neckar und der Landkreis Rottweil. Künstlerischer Leiter (Intendant) des Projekts ist seit Beginn Musikdirektor Sven Gnass. Als Veranstalter fungiert der gemeinnützige Verein Residenz-Orchester Baden-Württemberg e.V., der in Kooperation mit lokalen Partnern (u. a. Kreissparkasse Rottweil, OEW und Schwarzwälder-Bote-Mediengruppe) die Durchführung ermöglicht.[7]

Seit der Premiere mit Verdis La Traviata im Jahr 2006 wurden in Glatt zahlreiche namhafte Opern aufgeführt, darunter Der Freischütz (2008), Rigoletto (2013), Tosca (2015), Don Giovanni (2017) und 2019 sogar eine eigene Produktion von Carmen.[7] Die Inszenierungen unter freiem Himmel genießen einen Ruf hoher künstlerischer Qualität und haben sich längst als kulturelles Markenzeichen der Region etabliert.[6] Entsprechend groß ist die Publikumsresonanz: Die Festspielvorstellungen ziehen Besucher aus nah und fern an.[7] So waren etwa 2023 alle vier Aufführungen von La Traviata mit insgesamt 3690 Zuschauern restlos ausverkauft. Das Festival gilt als kultureller Leuchtturm für Sulz und Umgebung und steigert die Attraktivität des Ortes erheblich.[5]

Sehenswürdigkeiten

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Wasserschloss in Glatt
Kirche Sankt Gallus

Glatt ist Startort der Hohenzollernstraße.

  • Das Wasserschloss Glatt ist eines der ältesten Renaissance-Schlösser Süddeutschlands.
  • Die katholische Kirche Sankt Gallus mit der Familiengruft der Herren von Neuneck. Die erste Erwähnung der Kirche war 1275. Ursprünglich im spätgotischen Stil erbaut, wurden 1719 die Spitzbogenfenster gerundet und das gotische Maßwerk entfernt. In dieser Zeit waren die Kirche und der Ort im Besitz des Klosters Muri. Der heutige Altarraum ist fast 500 Jahre alt.
  • Linde im Schlosspark mit einem Brusthöhenumfang von 7,01 m (2014).[8]

Der Ort eignet sich als Ausgangspunkt für Wanderungen, Spaziergänge und Nordic Walking. Außerdem besteht zwischen Hopfau und Glatt ein gut ausgebauter Radweg. Im Ort befinden sich mehrere Hotels.

Söhne und Töchter der früheren Gemeinde

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Commons: Glatt (Sulz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. StiASG, Urk. Bremen 5. Online auf e-chartae, abgerufen am 19. Juni 2020.
  2. a b Glatt - Altgemeinde~Teilort , auf leo-bw.de, abgerufen am 1. Dezember 2025
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 516 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  4. Cristina Priotto: Sulz/Glatt | Kultur: Spektakel, Bilder und Schlosserlebnis. swp.de, 23. Januar 2024, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  5. a b Daniel Schneider: Opern machen Schloss zum Publikumsmagnet. In: schwarzwaelder-bote.de. 23. Januar 2024, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  6. a b Opernfestspiele Schloss Glatt 2025, auf residenzorchester.com, abgerufen am 1. Dezember 2025
  7. a b c Opernfestspiele Schloss Glatt, auf landkreis-rottweil.de, abgerufen am 1. Dezember 2025
  8. Glatt im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 5. Februar 2017.