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Ehrenmal des Bochumer Vereins

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ansicht des Ehrenmals, 1935

Das Ehrenmal des Bochumer Vereins, auch Schwerterdenkmal genannt, war ein Kriegerdenkmal der Firma Bochumer Verein (BV) für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Werksangehörigen.

Am Rand der Siedlung Stahlhausen existierte seit 1874 ein Kost- und Logierhaus für ca. 1200 ledige Arbeiter des Bochumer Vereins (heutiger Standpunkt der Feuerwache an der Bessemerstraße und der Nebenstelle der VHS).[1] Auf dem Platz vor dem Gebäude befand sich seit 1899 das Denkmal des ersten Generaldirektors Louis Baare.[2] Nach 1933 ließ der Bochumer Verein dort eine Denkmalanlage im Stil der neuen nationalsozialistischen Ideologie bauen. Die beiden beauftragten Architekten, Architekt Emil Mewes und der Bildhauer Willy Meller waren bereits durch ihr Löwendenkmal in Bochum hinreichend bekannt.

Am 9. Mai 1935 besuchte Hermann Göring als zweiter Mann der NS-Führung und Beauftragter für Rüstung und Aufbau der Luftwaffe den Bochumer Verein. Unter Begleitung des Generaldirektors Walter Borbet besichtigte er das Werk des Vereins Höntrop und weihte schließlich das Denkmal mit Entzündung der Flamme ein.[3] Anwesend waren zudem Architekt Meller, Einheiten der nationalsozialistischen Kampfverbände sowie Veteranen der vorangegangenen Kriege.

Die Nähe des Bochumer Vereins zum NS-Regime zeigte sich, als die Firma zwei Jahre später als Nationalsozialistischer Musterbetrieb ausgezeichnet[4] und mit zahlreichen Rüstungsaufträgen bedacht wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion unter dem Einsatz von mehr als 7500 Zwangsarbeitern aufrechterhalten, darunter auch Häftlinge aus dem KZ Buchenwald, untergebracht im Außenlager Brüllstraße auf dem Firmengelände. Fast exakt zehn Jahre nach der Einweihung endete der Zweite Weltkrieg, in welchem auch Stahlhausen, das Kosthaus und das Ehrenmal, sowie der größte Teil von Bochum zerstört wurden. Die Reste der runden Platzfläche waren noch in den 1970er Jahren zu erkennen.[5]

Das Ehrenmal hatte eine kreisrunde, vertiefte und mit Steinplatten gepflasterte Fläche. In der Mitte stand eine Feuerschale für die „ewige Flamme“. Dahinter erhob sich das Schwert, eingerahmt von zwei Steinblöcken mit Reliefs. Der Platz entsprach den im Nationalsozialismus verbreiteten Weihe- oder Thingstätten. Bezüge zum Bochumer Verein symbolisiert wurden zudem mit Feuer, Eisen, Schmied und Schwert.[5]

Das Schwert war ein 17 Tonnen schweres Stahlschwert, vom Bochumer Verein gegossen, von 12 Meter Höhe. Bei dem Schwert gab es oberhalb und unterhalb der Parierstange zwei Inschriften. Auf der Klinge stand: DER GOTT, DER EISEN WACHSEN LIESS DER WOLLTE KEINE KNECHTE.[6.1] Hierbei handelt es sich um den Beginn des Vaterlandlied, welches Ernst Moritz Arndt 1812 während der Befreiungskriege verfasste. Aufgrund seiner Forderung nach „Franzosenblut“ und seiner antisemitischen Haltung vereinnahmten die Nationalsozialisten Arndt als einen ihrer Vordenker.[5]

Auf dem Heft des Schwertes war ein erklärender Text eingraviert:[6.2] ZUM GEDÄCHTNIS DER IM WELTKRIEGE 1914–1918 GEFALLENEN WERKSKAMERADEN BESCHLOSSEN DER FÜHRER UND DIE GEFOLGSCHAFT DES BOCHUMER VEREINS DIE ERRICHTUNG DIESES EHRENMALS UNTER DER PRÄSIDENTSCHAFT DES FELDMARSCHALL VON HINDENBURG IM ERSTEN JAHRE DER NATIONALEN REGIERUNG DES VOLKSKANZLERS ADOLF HITLER

Die monumentalen Steinblöcke zierte jeweils ein Relief mit der Darstellung des Siegfried, einmal als Schmied seines Schwertes und einmal als Drachentöter. Die Namen der „745 Beamten und Arbeiter des Bochumer Verein“ die den „Heldentod fürs Vaterland gestorben“ waren, wurden in das Denkmal eingemeißelt.[6.2]

Wirken von Meller und Mewes in Bochum

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Das Ehrenmal war das zweite Denkmal, das die beiden Männer für Bochum schufen. Das erste war das kommunale Kriegerdenkmal, das Löwendenkmal an der Königsallee.[7.1] Von Meller, der später zu den zehn bekanntesten Bildhauern des NS-Staats zählte,[7.2] ist in Bochum auch das Denkmal „Schaffender Mensch“ vor der Firma Eickhoff (1939)[7.2] und das Ziegelrelief mit der Plastik des Merkur an der Bochumer Hauptpost (1962).[7.3] Mewes schuf für den Bochumer Verein noch weitere markante Bauten. Darunter sind die auch als Mewes-Hallen bekannten Gebäude an der Alleestraße[8], welche unter Denkmalschutz stehen (A 563).[9]

Einzelnachweise

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  1. Marco Rudzinski: Ein Unternehmen und "seine" Stadt: Der Bochumer Verein und Bochum vor dem Ersten Weltkrieg (= Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen Schriftenreihe A, Darstellungen. Nr. 51). 1. Auflage. Klartext-Verl, Essen, Ruhr 2012, ISBN 978-3-8375-0770-6, S. 140.
  2. Marco Rudzinski: Die Baares und ihre Denkmäler. Memorialkultur einer Managerdynastie. (= Kortum-Gesellschaft Bochum [Hrsg.]: Bochumer Zeitpunkte. Heft 41). Bochum Juni 2020, S. 43–47 (online [PDF]).
  3. Göring weiht das B.V. Mahnmal. In: Bochumer Anzeiger. Bochum 10. Mai 1935 (zeitpunkt.nrw).
  4. Die Vier Musterbetriebe des Gaues Westfalen-Süd. In: Bochumer Anzeiger. 1. Mai 1937, S. 8 ([1] [abgerufen am 5. Februar 2023]).
  5. a b c Frank Dengler: Gruß aus Bochum: "Schwertdenkmal" in Stahlhausen. In: Ruhr-Nachrichen Bochum. Bochum 12. Mai 2010.
  6. Walther Däbritz: Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation in Bochum - Neun Jahrzehnte seiner Geschichte im Rahmen der Wirtschaft des Ruhrbezirks. Stahleisen m.b.H., Düsseldorf 1934.
    1. S. 451
    2. a b S. 392 f
  7. Assel, Marina von: Kunst auf Schritt und Tritt in Bochum: Ein Führer zu moderner Kunst auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Studienverlag Brockmeyer, Bochum 1992, ISBN 3-8196-0060-4.
    1. S. 13.
    2. a b S. 18.
    3. S. 56.
  8. Fabrik- und Lagergebäude, ThyssenKrupp. In: ruhr-bauten.de. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
  9. Mechanische Werkstätten einschließlich Verwaltungsgebäude des ehemaligen Bochumer Vereins

Koordinaten: 51° 28′ 36,9″ N, 7° 12′ 8,7″ O