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Christian Wilberg

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Christian Wilberg
Christian Wilberg: Abendstimmung im Park einer italienischen Villa, um 1880

Christian Wilberg (* 20. November 1839 in Havelberg; † 3. Juni 1882 in Paris) war ein deutscher Maler. Sein Sohn war der spätere General der Flieger Helmuth Christian Wilberg.

Wilberg war nach einer Maurerlehre bis 1861 in seiner Vaterstadt als Stubenmaler tätig, ging dann nach Berlin, wo er anfangs als Stubenmaler tätig war und erste Anleitungen vom Maler Otto Weber erhielt. Er besuchte dann das Atelier des Landschaftsmalers Eduard Pape, nach anderthalb Jahren das des Dekorationsmalers Carl Gropius, ebenfalls in Berlin, wo er sich dem Studium der Perspektive und Architektur widmete. 1869 verließ er das Atelier von Gropius und wechselte er zur Kunstakademie Düsseldorf, um in der Klasse bei Oswald Achenbach die Landschaftsmalerei zu vertiefen.[1] 1870 kehrte er nach Berlin zurück. Auf Studienreisen in Norddeutschland und durch einen zweijährigen Aufenthalt in Italien bildete er sich weiter zum Architektur- und Landschaftsmaler aus. 1873 war er kurze Zeit bei Louis Jacoby in Wien, um das Radieren zu erlernen.

Danach ließ er sich endgültig in Berlin nieder und heiratete 1875 Lucie Magda Jenny Ida Heymann, Tochter des Buchhändlers und Inhabers der Bank- und Handelszeitung Theodor Heymann.[2] Ab 1. März 1877 vertrat er Albert Hertel als Lehrer im Landschaftsatelier der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste, deren Leitung ihm am 1. April 1878 definitiv übertragen wurde.[3] Durch eine Reihe von Innenansichten italienischer Kirchen (Markusdom in Venedig, Cappella Palatina in Palermo) machte er sich dort bald einen Namen. In der Wiedergabe der architektonischen Einzelheiten, des Marmors, der Steine und der Goldmosaiken entfaltete er eine große koloristische Meisterschaft, welche sich auch in der wirksamen Beleuchtung zeigte. Unter seinen Landschaften und architektonischen Ansichten sind die hervorragendsten: Römische Landschaft mit der Grotte der Egeria, Parkeinsamkeit, Forum Romanum, Tempel der Juno bei Girgenti auf Sizilien, Blick auf Santa Maria della Salute in Venedig, Memento mori nach einem Motiv aus dem Sabinergebirge (in der Dresdener Galerie) und Villa Mondragone bei Frascati (in der Nationalgalerie Berlin). 1879 beteiligte er sich an einem zweimonatigen Aufenthalt des Archäologen Alexander Conze in Pergamon, von welcher Wilberg außer zahlreichen Studien die Motive zu den Gemälden Blick auf die Akropolis und Ansicht der Basilika zu Pergamon mitbrachte. Ein besonderes Geschick besaß er für die malerische Reproduktion antiker Architekturdenkmäler und Stadtteile. Beispielhaft dafür ist der Zyklus römischer Landschaften mit Architektur, den er 1877 für das Café Bauer zu Berlin schuf. Für das Palais Tiele-Winckler und das Palais Pringsheim schuf er Freskobilder. 1880 malte er für die Fischereiausstellung in Berlin ein großes Panorama des Golfs von Neapel. 1881 wurde er mit dem Entwurf von Wandbildern für das neue Polytechnikum in Charlottenburg beauftragt. Im selben Jahr unternahm er eine Reise in die Schweiz, von wo er eine große Anzahl von Aquarellstudien mitbrachte. Auch fein gestimmte, poetisch aufgefasste Aquarelle mit Ansichten von Potsdam und Umgebung sind von seiner Hand. Sein letztes großes Werk war ein Panorama der Thermen des Caracalla für die Hygieneausstellung 1882 in Berlin, das kurz vor Vollendung bei einem Feuer vernichtet wurde. Wenige Tage nach dem Brand unternahm er zusammen mit Anton von Werner und Ludwig Pietsch eine Reise nach Sedan für Studien zum geplanten Sedan-Panorama, dessen landschaftlichen Teil er übernommen hatte. Die Reise führte erst nach Paris, wo er erkrankte und am 3. Juni 1882 starb.

Wilberg fand seine letzte Ruhe in Berlin auf dem Alten Matthäikirchhof, das Grabmal schuf Bildhauer Gustav Eberlein.

  • 1873: Medaille für Kunst in Wien
  • 1880: Kleine goldene Medaille für Kunst in Berlin
  • Hermann Alexander Müller: Biographisches Künstler-Lexikon. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig 1882, S. 558 (Digitalisat)
  • Wilberg, Christian. In: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Dresden 1898, Band 2, S. 1015.
  • Hermann Arthur Lier: Wilberg, Christian. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 472 f.
  • Anton von Werner: Ansprachen und Reden an die Studirenden der königlichen akad. Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin und Verzeichniss der Lehrer, Beamten und Schüler derselben seit 1875. Rud. Schuster, Berlin 1896, S. 235 f. (Volltext in der Google-Buchsuche).
  • Johannes Dräseke: Christian Wilberg. In: Brandenburgisches Provinzialblatt. 3. Jahrgang, Nr. 30/31. Landsberg a. W. 1882, S. 203 ff. (Volltext in der Google-Buchsuche).
Commons: Christian Wilberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Rudolf Theilmann: Die Schülerlisten der Landschafterklassen von Schirmer bis Dücker. In: Wend von Kalnein (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0409-9, S. 147.
  2. Standesamt Berlin III, Heiratsregister 1875, Urkunde Nr. 558
  3. Antje Kalcher, Dietmar Schenk: Vor der UdK. 1. Auflage. Universität der Künste Berlin, 2024, S. 31 (kobv.de [PDF]).