Batterie Longues-sur-Mer


Die Batterie Longues-sur-Mer, auch als „Widerstandsnest 48 (Wn 48)“ bezeichnet, ist eine ehemalige deutsche Küstenbatterie an der Küste der Normandie im Atlantikwall. Heute als zeitgeschichtliches Museum betrieben, ist es die einzige noch mit original erhaltenen Kanonen ausgerüstete Küstenbatterie in der gesamten Normandie.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sie befindet sich bei dem Ort Longues-sur-Mer an der französischen Atlantikküste in der Normandie am Ärmelkanal.
Koordinaten: 49° 20′ 36,3″ N, 0° 41′ 41,7″ W
Bau der Anlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juni 1940 besetzten deutsche Truppen Nordfrankreich. In der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs, war die Wahrscheinlichkeit einer alliierten Landungsoperation, die von deutscher Seite später in der Propaganda als Invasion bezeichnet wurde, verhältnismäßig gering. Trotzdem musste die Küstenlinie bewacht werden, um die Anlandung von Spionen oder Sabotagetrupps zu verhindern.
Im Mai 1941 errichteten Teile der 323. Infanterie-Division an der Küste von Longues-sur-Mer einen ersten Stützpunkt, der als Wn 22 (Widerstandsnest 22) bezeichnet wurde und zwei Maschinengewehrstellungen hatte.
Nach der Landungsoperation von Dieppe, den Rückschlägen im Osten und Italien und dem zunehmenden Verlust der Luftherrschaft über Frankreich und den Benelux-Staaten wurde ab 1942 der Ausbau der Stellungen und Befestigungsanlagen zu einem vorrangigen Ziel und große Projekte wurden unter Einbeziehung der Organisation Todt realisiert.
Im Mai 1942 wurde die 323. ID durch die schwache 716. Infanterie-Division abgelöst. Als erstes wurde im Widerstandsnest ein 5-cm-Granatwerfer und ein portabler Suchscheinwerfer für die Überwachung des Küstenabschnitts bei Nacht im Stützpunkt eingebaut. Im Spätherbst 1942 wurde der weitere Ausbau der Stellungen und die Errichtung von betonierten Anlagen beschlossen.
Es wurden für die Maschinengewehre zwei Betonbunker, Vf. 58 c Ringstand (achteckig) für leichte Infanteriewaffen oder Beobachter, und für den leichten 5-cm Granatwerfer ein Ringstand Typ Ic mit Seitenraum für Munition und Ausrüstung. Anhand von Schriftspuren im Beton wurde als Fertigstellungsdatum der 26. Dezember 1942 festgestellt. Die drei Bauwerke waren durch Laufgräben miteinander verbunden und von Sperrzonen mit Stacheldraht und Landminen gegen angreifende Infanterie und Fahrzeuge geschützt. Die Minenfelder waren mit Antipersonen- und Panzerabwehrminen bestückt. Im Stützpunkt war eine Gruppe mit etwa 10 Mann unter der Führung eines Unteroffiziers eingesetzt.
Anfang des Jahres 1943 änderte sich die Nummerierung des Stützpunkt, da viele neue Verteidigungsanlagen geplant wurden und diese dichter beieinander lagen. Das bisherige Widerstandsnest Wn 22 erhielt nunmehr die Nummer 48 (Wn 48).
Bau der Artilleriebatterie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bau der Batterieanlage begann im September 1943. Es wurden vier große Betonkasematten vom Typ Regelbau M272 zwischen dem Ort Arromanches im Osten und Port-en-Bessin im Westen errichtet. Als Feuerleitstand wurde ein Bunker vom Typ Regelbau M272A errichtet, der mit moderner elektrischer Kommunikations- und Feuerleittechnik die einzelnen Geschützbunker führen konnte.
In der Ergänzung zu den Geschützkasematten wurden weitere Schutzräume für Mannschaften und Munitionsbunker im Gelände des Stützpunkt errichtet. Stellungen für einen Suchscheinwerfer und für drei 2-cm-Flak wurden gebaut. Für die Rundumverteidigung wurden weitere Anlagen errichtet die Angriff von der Landseite abwehren sollten.
Für die Errichtung der Anlage wurden auch örtliche Handwerker und Arbeiter eingesetzt. Hierdurch gelangten laut einiger Quellen auch französische Widerstandskämpfer in die im Bau befindliche Anlage und versorgten die Alliierten mit Informationen. Durch die Sabotagetätigkeit während der Bauarbeiten wollten die Widerstandskämpfer die Qualität des armierten Stahlbetons der Bunker verringern, was allerdings während des späteren Kampfgeschehens scheinbar keine Auswirkungen mehr hatte.
Beschreibung
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Der Stützpunkt gehörte als 4. Batterie zur Heeres-Küsten-Artillerie-Abteilung 1260.
Direkt an der Küstenlinie gelegen befinden sich zwei sichtbare Tobruk-Kleinbunker und der ehemalige Beobachtungs- und Feuerleitbunker.
Die Hauptbewaffnung der Batterie bestand aus vier 15-cm-TbK C/36 (TbK =Torpedobootskanone), daneben gab es zur Selbstverteidigung Maschinengewehre und Mörser, vor allem in sogenannten Tobruk-Kleinbunkern, Minenfelder und Stacheldrahtgürtel. Von diesen Anlagen sind nur wenige Reste übrig geblieben.
Die Batterie besteht aus vier Geschützbunkern, die Kanonen und Bunker weisen unterschiedliche Zustände auf und sind teils zerstört. Die größten Schäden stammen von der Explosion der Munition für ein Flakgeschütz, das von den Briten auf dem Bunker Nr. 4 montiert worden war, wobei viele britische Soldaten ums Leben kamen. Die Geschützbunker liegen circa 450 m von der Küstenlinie entfernt und parallel zu dieser angeordnet, nur geringfügig in der Tiefe gestaffelt. Der Hauptzugang zu den Geschützbunkern liegt auf der landeinwärtigen Seite, gedeckt durch eine Splitterwand. Ein kurzer Gang führt von dort in den Hauptkampfraum, aus dem das Geschütz durch die Scharte seine Wirkung entfaltete. Um die Besatzung vor Splittern zu schützen, erhielten die Geschütze Schilde aus 10 mm dicken genieteten Stahlplatten. Aus dem kurzen Gang gelangt man links und rechts je in einen kleinen Raum, in dem die Munition beziehungsweise die Treibladungen gelagert waren. Aufenthaltsräume waren in separaten Personalbunkern untergebracht. Nicht alle der Bunker sind komplett aus Beton gegossen, sondern teils aus Betonsteinen gemauert.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Entdeckung der Batterie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem die Entscheidung für eine Landung alliierter Truppen, der Operation Overlord, in der Normandie getroffen war, wurde die Luftaufklärung für diesen Raum intensiviert. Dabei wurde am 2. März 1944 eine Baustelle nördlich des Dorfes Longues-sur-Mer entdeckt. Die danach durchgeführte gezielte Aufklärung, insbesondere am 10. April und am 22. Mai, führte dazu, dass man die Artilleriebatterie eindeutig identifiziert hatte.
Erste Angriffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Vorbereitung der alliierten Landung am 6. Juni 1944, dem D-Day, wurde den deutschen Geschützbatterien, welche in der Lage waren gegen die alliierten Landungszonen und die maritimen Einheiten, die an der Landung beteiligt waren, mit der eigenen Bewaffnung zu wirken, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Batterie bei Longues-sur-mer, war eine von zwölf identifizierten deutschen Batterien im Landungsbereich und dazu noch eine der für die alliierten Truppen im Hinblick auf den großen Wirkungsbereich gefährlichsten. Das alliierte Oberkommando ließ in den Wochen vor der Landung Luftangriffe gegen die Batterie durchführen. Ein gezielter Angriff wurde für den 27. Mai und einer für den 2. Juni geplant. Doch auch ungeplant wurde die Batterie vor dem Beginn der alliierten Landung mehrfach zum Ziel gegnerischer Flugzeuge.
Ein erster Angriff durch eine größere Anzahl von Jagdbombern erfolgte am 29. April. Hierbei wurde von einer nicht identifizierten alliierten Einheit mehrere Bomben abgeworfen, ohne Schaden anzurichten.
Der nächste Angriff erfolgte am 21. Mai. Acht amerikanische P-47 Thunderbolt der 366th Fighter Squadron hatten einen Zug im Bahnhof von Bayeux angegriffen und waren auf dem Rückflug. Hierbei überflogen diese den Wirkungsbereich der deutschen Flak bei der Batterie, die das Feuer eröffnete und am Ende 125 Schuss abgegeben hatte. Die amerikanischen Flieger griffen daraufhin die Batterie an, wobei ein bereits beschädigtes Flugzeug nochmals getroffen und zur Notlandung im Ärmelkanal gezwungen wurde. Der Pilot, Lieutenant Colonel Donald K. Bennett, schaffte es nach der Wasserung in das Rettungsschlauchboot zu klettern, aber er konnte nicht rechtzeitig von Rettungskräften erreicht werden. Seine Leiche wurde später ans Ufer gespült. Sein Flugzeug (No. 42-25 515) wurde geborgen und instandgesetzt. Es wurde später mit einem anderen Piloten über dem Meer abgeschossen.
Auch am 21. Mai nahm die Flak der Batterie mit 51 Schuss eine Supermarine Spitfire und Abend noch eine weitere P-47 Thunderbolt mit 110 Schuss unter Feuer.
27. Mai 1944
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das erste größere Bombardement der Batterie wurde als Mission der Second Tactical Air Force der Royal Air Force zugewiesen. Diese setzte die mittleren Bomber des Wing No. 139 mit 42 B-25 Mitchell aus amerikanischer Fertigung ein. Dieser setzte sich aus 6 Flugzeugen der 180th Squadron und je 12 Flugzeugen der 98th, der 226th sowie der niederländischen 320th Squadron zusammen. Begleitet wurden die Bomber von 12 Supermarine Spitfire der 64th Fighter Squadron.
Der Einsatz begann um 18:00 Uhr auf den Stützpunkten in Großbritannien und es waren sieben Angriffswellen von je 6 Bombern geplant. Der Überflug sollte in einer Höhe zwischen 2.700 und 2.800 Metern erfolgen. Zwischen 19:10 und 19:25 Uhr dieses Tags warfen die Bomber einhundertvierundsechzig 453-kg-Bomben (1000 lb) und weitere acht 226-kg-Bomben (500 lb), in Summe etwa 76 Tonnen Bomben, auf das Gelände der Batterie ab. Die Witterungsbedingungen war für die Angreifer günstig und Abwehrfeuer durch deutsche Flak oder Angriffe deutscher Jäger störten diesen Angriff nicht. Beim Angriff einer der Wellen wurde ein starker Lichtblitz zwischen den Explosionen beobachtet, auf den eine große orange Flamme in einigen hundert Metern Entfernung folgte. Die Geschützkasematte Nr. 2 hatte einen direkten Treffer erhalten, der die Betondecke durchschlug und eine Munitionskammer zerstörte. Das Geschütz selbst wurde jedoch nicht beschädigt. Im weiteren Stützpunktgelände wurden ein Munitionsbunker und ein Kasernengebäude vollkommen zerstört.
Zwei Personen wurden durch den Angriff getötet und einige weitere verletzt. Nach einigen Quellen waren vier Personen schwer und fünf weitere leicht verletzt. Die alliierten Flugzeuge landeten ohne Verluste zwischen 19:40 und 20:00 Uhr wieder auf ihren Stützpunkten.
2. Juni 1944
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der zweite große Angriff erfolgte am 2. Juni 1944. Hierbei griffen 36 amerikanische B-26 Marauder-Bomber der 391st Bomb Group, der 9th US Air Force die Batterie an. Gegen 18:30 Uhr starteten die Maschinen mit je zwei 907-kg-Bomben (2.000 lb), was etwas mehr als 65 Tonnen Bombenlast entsprach. Die P-47 Thunderbolt der 50th Fighter Squadron stellten den Jagdschutz für diesen Einsatz.
Die Batterie wurde in zwei Wellen von je achtzehn Bombern in etwa 3.400 Metern Höhe angeflogen und zwischen 19:45 und 20:10 Uhr warfen die Bomber ihre Ladung ab. Auch dieses Mal gab es ideale Bedingungen und keine deutsche Abwehr. Die alliierte Auswertung des Angriffs meldete dreißig neue Krater im Batteriegelände. Dieses Mal hatte die deutsche Besatzung mehr Glück und der Angriff blieb für Menschen und Gerät ohne Folgen. Die zwei Meter dicken Betonwände der Bunker hielten dem Angriff stand und die Geschütze blieben einsatzbereit.
Auch wenn die Straße zur Batterie und die zum Gefechtsstand nicht getroffen wurden, so blieben die schweren Bomben für das Grabensystem und die Kommunikationsleitungen nicht ohne Folgen. Die modernen Geschütztürme der Bunker waren mit einem sehr modernen elektrischen Feuerleitsystem mit dem Feuerleitbunker verbunden. Die elektrische Übertragung der von der Telemetrie im Leitstand ermittelten Zielwerte an die Geschütze wurde durch das Bombardement unterbrochen und die Leitungen stark zerstört. Am Tag der alliierten Landung waren diese Schäden des Bombardements noch nicht behoben und das Feuer der Batterie deshalb viel weniger präzise und damit weniger wirksam.
Doch letztlich entstanden auch diesmal keine größeren Schäden an den Geschützen, welche die grundsätzliche Einsatzfähigkeit der Waffen schwächten.
D-Day / Invasion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Luftangriffe
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In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 flog die Royal Air Force ihren zweiten großen Angriff mit Bombern gegen die Batterie Longues-sur-Mer. Geplant hatte man den Einsatz von fünf DeHavilland 98 Mosquitos und vierundneunzig ARVO Lancaster Bombern gegen die Anlage. Die Mosquitos waren als Scouts für die Zielmarkierung mit dem Oboe-System ausgerüstet und die Lancaster trugen jede elf 453-kg (1.000 lb) Bomben und vier 226-kg (500 lb) mit sich, so dass jeder Bomber eine Ladung von 5.900 kg Bomben über dem Ziel abwerfen sollte. Die 94 Bomber und 5 Aufklärer gehörten zu acht verschiedenen Einheiten.
Um 4:14 Uhr begann der Angriff. Bei einer nahezu geschlossenen Wolkendecke gelang es nur vier der Aufklärer das Ziel zu markieren. Die roten und grünen Leuchtzeichen verschwanden schnell in den Wolken, so dass nur die ersten Bomber sich an der Markierung orientieren konnten. Die folgenden Maschinen waren gezwungen das eigene H2S-Radar für die Zielfindung einzusetzen. Nachdem die letzten Maschinen aus der Angriffshöhe von 2.500 bis 3.400 Metern die Bombenladung über dem Ziel ausgeklinkt hatte, endete der Angriff um 4:30 Uhr. Zwei der eingesetzten Bomber erreichten das Ziel nicht, eine Maschine hatte sich verflogen und eine weitere, eine Lancaster III NE 166 „6O-D“ der 582nd Bomber Squadron wurde vermutlich Opfer einer deutschen Focke-Wulf Fw 190 der 3. Staffel / Schnellkampfgeschwader 10. Die Maschine wurde bis heute nicht gefunden und die Besatzung von 7 Mann wurde später für tot erklärt.
Kurz vor der Landung sollte ein weiterer Luftangriff die deutsche Abwehr ausschalten. Die US Airforce setzte in ihrem zweiten Angriff zwei Gruppen mit je 18 B-17 Flying Fortress gegen die Batterie ein. Jede Gruppe erhielt ein Pathfinder-Flugzeug für die Zielmarkierung zugeteilt. Da das Zielgebiet direkt an der Küste lag, hatten die Bomberbesatzungen den Befehl erhalten keinesfalls zu früh auszuklinken, um nicht eigene Truppen zu gefährden. Die Verzögerung von einigen Sekunden führte dazu, dass die Masse der abgeworfenen 432 Bomben zu spät abgeworfen wurden und einige davon das Dorf Longues-sur-Mer und die einheimische Bevölkerung trafen. Die sieben, bei diesem Angriff getöteten, Zivilisten wird auf dem Kriegerdenkmal des heutigen Städtchen gedacht.
Kampf gegen die Invasionsflotte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Während die Luftangriffe der Nacht liefen näherte sich die alliierte Landungsstreitmacht und die begleitenden Seestreitkräfte der Küste vor der Batterie. Neben vielen Transportschiffen waren hundert Zerstörer und zweiunddreißig Kreuzer und Schlachtschiffe im Einsatz. Diese bezogen vor den Landungsabschnitten die zugewiesenen Positionen.
Etwa 20 Minuten vor Sonnenaufgang begann der französische Kreuzer Georges Leygues ab 5:37 Uhr mit Geschützen im Kaliber 152-mm den Stützpunkt der Artilleriebatterie unter Feuer zu nehmen. Nach der Meldung eines Fliegergeschwaders, welches über die Batterie geflogen war, wurde auch der britische Kreuzer HMS Ajax gegen die Batterie eingesetzt. Er war eigentlich auf dem Weg zum Abschnitt Gold Beach als er zum Einsatz gegen die Batterie beordert wurde.
Nachdem sich die Besatzung der Batterie vom Luftangriff erholt hatte, nahmen die Geschütze der Batterie den Abschnitt Omaha Beach unter Beschuss. Insbesondere versuchte man den Zerstörer USS Emmons und das Schlachtschiff USS Arkansas zu treffen[1], die dort im Einsatz waren. Die Trefferlage stellte aber für die Schiffe bei 17 km Distanz keine ernstliche Gefährdung dar. Die Arkansas ihrerseits erwiderte nun das Feuer mit 20 Granaten des Kaliber 30,5 cm und 110 Granaten im Kaliber 12,7 cm.
Nach etwa zwanzig Minuten Artillerieduell erkannte die Batterie ein näher gelegenes Ziel im Osten im Abschnitt Gold Beach. Dort hatte die HMS Bulolo als alliiertes Kommandoschiff mit dem Hauptquartier des britischen 30th Corps an Bord in etwas 12 Kilometern Abstand zur Batterie den Anker geworfen. Das Schiff sah sich gezwungen die Position schnellstmöglich zu verlassen. Dies führte dazu, dass die beiden britischen Schiffe HMS Ajax und HMS Argonaut den Befehl erhielten sich der Batterie so weit wie nur möglich zu nähern und durch präzisen Beschuss die Artillerie der Batterie auszuschalten[1]. Die Schiffe feuerten aus einer Distanz von ca. 11 Kilometern etwa 114 Granaten im Kaliber 105 mm ab und brachten die Batterie gegen 6:05 Uhr dazu das Feuer einzustellen[2]. Der heftige Beschuss mehrerer Schiffe machte die deutsche Batterie vorübergehend handlungsunfähig.
Die alliierten Kräfte gewannen den Eindruck die Batterie sei ausgeschaltet und wählten neue Ziele. Die Ruhephase nutzte die deutschen Batteriebesatzung, um Schäden zu beheben und die eigenen Waffen wieder einsatzbereit zu machen. Als die alliierten Landungstruppen auf dem Omaha Beach anlandeten, begann die Batterie auf den Landungsabschnitt zu feuern. Auch die USS Arkansas wurde wieder zum Ziel der Batterie. Letztlich nahmen die Arkansas, der Kreuzer George Leygues und der Kreuzer Montclam wieder die Batterie unter Feuer. Von den abgegebenen 179 Schuss der französischen Kreuzer auf die Batterie waren einige erfolgreich und letztlich wurde ein deutsches Geschütz zerstört und zwei weitere nochmals beschädigt.
Der Beschuss endete um 8:45 Uhr und pausierte bis in den Nachmittag, denn die Batterie hatte schweren Schaden genommen. Das letzte einsatzfähige Geschütz der Batterie, nahm nachmittags wieder die Strände Gold und Omaha unter Feuer. Die Kreuzer begannen nachmittags mit einem regelmäßigen Beschuss der Batterie. Die HMS Ajax feuerte bis etwas 17:00 Uhr und der Kreuzer Georges Leygues bis etwa 19:00 Uhr auf die Batterie.
Unklar ist, wie viele Schüsse die Batterie an diesem Tag abgegeben hat, die Angaben variieren zwischen 115 und 170 Schuss. Das ungeschützt stehende sowjetische Beutegeschütz im Kaliber 12,2 cm wurde auch verwendet, um auf die Landungsstrände Gold und Omaha zu schießen. Letztlich beschädigte oder versenkte die moderne Batterie am 6. Juni nicht ein einziges alliiertes Kriegsschiff.
D-Day + 1 / Der Tag danach
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am Morgen des 7. Juni wurde ein in Longues-sur-Mer stationiertes Bataillon, das auch für die Sicherung des Batteriegeländes zuständig war, für einen Angriff auf die nach Süden vorgestoßenen britischen Kräfte in Richtung Bayeux eingesetzt. Hierdurch verlor die Batterie die Masse seiner, zur Verteidigung des Stützpunkt erforderlichen, Infanterietruppen.
Gegen 9:00 Uhr am Morgen wurde die Batterie erneut mit Boeing B-17 der Royal Air Force angegriffen.
Spät am Vormittag ging das 2nd Battalion/ Devonshire-Regiment der 50th (Northumbrian) Division mit einem Angriff auf den Stützpunkt Wn 48. Das Bataillon war am Vortag am Gold Beach gelandet. Eine Kompanie unter der Führung von Michael Holdsworth sollte von Osten aus durch ein Minenfeld vorstoßen, der vorderste Zug der Kompanie sollte unter der Führung des Zwillingsbruders von Holdsworth eine Minengasse schaffen und die folgenden Züge sollten sich hinter dem Minenfeld im Gelände für den Angriff verteilen. Als die ersten Handgranaten geworfen wurden, ergaben sich die deutschen Soldaten, die den bisherigen Kampf überlebt hatten. Etwa die Hälfte dieser Soldaten war älter als 40 Jahre und von den 184 Mann des Stützpunkts gingen je nach Quelle zwischen 90 und 120 Mann gegen 11:00 Uhr am Morgen des 7. Juni in Gefangenschaft.
Advanced Landing Ground B-11
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Vom 21. Juni bis zum 4. September diente eine 1.100 Meter lange Piste aus gestampftem Boden im Gelände der Batterie als vorgeschobener Behelfslandeplatz für einige mit Spitfire ausgestattete Jagdfliegerstaffeln der Royal Air Force. Britische Pioniere hatten kurz nach der Landung das Gelände für die Nutzung als Flugfeld präpariert. Die vorhandenen Schutzräume und Munitionsbunker wurden für die Infrastruktur des Flugplatzes genutzt. Auf den erhöhten Geländepunkten wurden Flakgeschütze positioniert.
Zu den Einheiten gehörte die 602nd Squadron City of Glasgow, mit den bekannten Frei-Französischen Piloten Pierre Clostermann, Pierre Aubertin und Jacques Remlinger. Am 17. Juli startete der Kommandeur der 602nd, der Südafrikaner Jacobus Johannes „Chris“ Le Roux, mit seinem Flugzeug von dort. Es wird angenommen, dass diesem Pilot, dem insgesamt 23 Luftsiege zugeschrieben werden, der Tieffliegerangriff auf Generalfeldmarschall Rommels Wagen zuzuschreiben ist, bei dem der General schwere Verletzungen am Schädel, der Schläfe und im Gesicht erlitt.
Rezension
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Die Batterie ist heute ein Museum und kann besichtigt werden. Von den Geschützbunkern gelangt man durch eine gerade Straße direkt zum Feuerleitstand an der Steilküste; in den Feldern links und rechts sind noch einige Befestigungsreste erkennbar.
Dieser ist im Film „Der längste Tag“ (1962) zu sehen, allerdings nicht in originaler Verwendung, und „dekoriert“ (2-cm-Flakvierling im Film zwischen Bunker und Steilküste). Der Feuerleitbunker und die Tobruk-Kleinbunker waren lange Zeit teils verschüttet und voll Wasser gelaufen und somit schwer begehbar.
Zum Jahr 2004 (Jubiläum 60 Jahre Landung) wurde das Gelände der Batterie touristisch erschlossen.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Piekałkiewicz, Janusz: Die Invasion. Frankreich 1944. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München 1994, S. 139.
- ↑ Holborn, Andrew: The D-Day Landing on Gold Beach. Bloomsbury Publishing. London, New York 2015, S. 116.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Batterie bei chemins de memoire
- Beschreibung und ausführliche Fotodokumente
- Infos und Bilder zur Batterie Longues (private Seite)
- Aktuelle Bilder und Beschreibung ( vom 28. September 2010 im Internet Archive)