August von Parseval





August von Parseval (* 5. Februar 1861 in Frankenthal (Pfalz); † 22. Februar 1942 in Berlin) war ein deutscher Berufsoffizier, Hochschullehrer und Luftfahrtpionier, der als Konstrukteur und Produzent von Luftschiffen und Namensgeber der Parseval-Luftschiffe Bedeutung erlangte. In historischen Dokumenten findet sich auch die Schreibweise Parzeval oder Parceval.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Parseval war der älteste Sohn des bayerischen Regierungsrats Joseph von Parseval (1825–1887) und dessen Ehefrau Marie Amélie von Parseval geborene von Schaden (1840–1918). Sein Großvater väterlicherseits war der bayerische Generalmajor Ferdinand von Parseval (1791–1854); die bayerischen Generale Maximilian von Parseval (1823–1902), Otto von Parseval (1827–1901) und Ferdinand Jakob von Parseval (1829–1919) waren seine Onkel. Sein Großvater mütterlicherseits war der Philosoph Emil August von Schaden (1814–1852).
Er besuchte von 1873 bis 1878 das Pagenkorps in München, das er mit dem Fähnrich-Examen abschloss. 1878 machte Parseval das Abitur am Wilhelmsgymnasium München.[1] Danach wechselte er in das 3. Infanterie-Regiment „Prinz Carl von Bayern“. Als Autodidakt beschäftigte er sich mit Problemen der Aeronautik. In der Garnisonstadt Augsburg kam er in Kontakt mit August Riedinger und lernte dort auch seinen späteren Partner Hans Bartsch von Sigsfeld kennen, mit dem er einen gefesselten Drachenballon entwickelte. Dieser wurde als Beobachtungsballon bei der Bayerischen Armee eingesetzt, fand weite Verbreitung und gilt daher als sehr erfolgreich.[2] 1901 ließ sich Parseval vom Militärdienst beurlauben. Im selben Jahr war er Gründungsmitglied und dann 1. Vorsitzender im Freiballonverein Augsburg, außerdem begannen Parseval und Sigsfeld zu dieser Zeit mit dem Bau eines lenkbaren Luftschiffs. Nach dem plötzlichen Tod Sigsfelds bei einer Freiballonlandung 1902 wurde die Arbeit bis 1905 unterbrochen.
Parseval war 1908 einer der Gründer der Luftfahrzeug-Gesellschaft (LFG). Diese baute die Parseval-Luftschiffe PL 3 1908 bis PL 26 1915 in ihrer Bauwerft in Bitterfeld. Durch die Entwicklungen im Motorenbau stand dann auch ein entsprechendes Antriebsaggregat zur Verfügung. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurden noch 22, teils Prall-, teils Kiel-Luftschiffe vom Typ Parseval gebaut. Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wurden vier weitere Kiel-Luftschiffe nach dem Parseval-Naatz-Prinzip gebaut.
Parseval wandte sich auch der Entwicklung des Flugzeugs zu. Eine Denkschrift mit dem Entwurf einer Flugmaschine legte er 1908 der Motorluftschiff-Studiengesellschaft (MStG) vor. Hauptsächlich aus Sicherheitsgründen wollte er die Flugversuche vorerst über einer großen Wasserfläche durchführen, weshalb er die Maschine als Wasserflugzeug auslegte. Nachdem die MStG die Unterstützung des Vorhabens zugesagt hatte, und als sich auch die Stadt Plau am See durch kostenlose Bereitstellung eines Geländes beteiligte, ließ Parseval im Herbst 1909 am Plauer See eine „Fliegerhalle“ errichten. Dort wurde die Maschine zusammengebaut.
Die ersten Flugversuche am 14. April 1910 – unter Leitung von Ernst Blochmann und mit Wilhelm Hoff als zweitem Pilot – verliefen unbefriedigend. Auch nach umfangreichen Umbauten war die Maschine nicht imstande, vom Wasser abzuheben. Darum ließ Parseval ein Anlaufgleis in den See hinein bauen, um, ähnlich wie beim ersten Flug der Brüder Wright, die Flugmaschine auf einem Startwagen bis zur Abhebegeschwindigkeit beschleunigen zu lassen. Der erste Versuch am 7. Oktober 1910 verlief erfolgreich und wird heute – trotz Start vom Land – als erster Wasserflug in Deutschland gewürdigt.[3] Bei einem späteren Flug wurde eine Flughöhe von 75 Metern und eine Flugweite von etwa drei bis vier Kilometern erreicht. Anfang 1911 stellte Parseval die Versuche ein.
Zwischen 1912 und 1936 lehrte Parseval am neu eingerichteten Lehrstuhl für Flugtechnik der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg.[4]
August von Parseval starb 1942 und wurde auf dem Friedhof Wilmersdorf beigesetzt.
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Fahrten jedes „Parseval“ erregten, wie die ersten großen Fahrten der Zeppeline, großes Aufsehen. In Kiel schloss erst 2002 eine Kneipe, die bei dem ersten Besuch am 29. Oktober 1910 eines dieser Luftschiffe „Zum Parseval“ benannt worden war.
- Im Augsburger Stadtteil Hochfeld Anfang der 1950er Jahre in direkter Nachbarschaft zur Kaserne des 3. Infanterie-Regiments „Prinz Carl von Bayern“ wurde die Von-Parseval-Straße nach ihm benannt.[5]
- In seiner Geburtsstadt Frankenthal trägt der Platz vor dem Albert-Einstein-Gymnasium den Namen Parsevalplatz.
- Im Jahr 2000 wurde dem Berufsschulzentrum Bitterfeld-Wolfen der Ehrenname „August von Parseval“ verliehen. Er erinnert daran, dass neben dem Bau der Parseval-Luftschiffe in Standortnähe des Berufsschulzentrums auch der für den Auftrieb der Luftschiffe notwendige Gasbedarf an Wasserstoff zu einem großen Teil aus den Elektrochemischen Werken in Bitterfeld gedeckt wurde.
- In Frankfurt am Main ist im Neubaugebiet Rebstock-Nord-Ost eine Straße nach ihm benannt.[6] Auf dem Gelände wurde ab 1909 ein Luftschiffhafen eingerichtet, der Vorläufer des Frankfurter Flughafens.
- In Görlitz trägt eine Straße zum Flugplatz seinen Namen.
- Auch in Erfurt trägt seit 1994 eine Straße im Büropark Airfurt, nahe dem Flughafen Erfurt-Weimar, seinen Namen.
- Im Spiel World of Warships des weißrussischen Entwicklers Wargaming.net ist ein fiktiver Flugzeugträger der Kriegsmarine nach ihm benannt.[7]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Erkenbert-Museum (Hrsg.): Der Flugpionier August von Parseval 1861–1942. (Ausstellungskatalog) Frankenthal, o. J. (1992).
- Claus Priesner: Parseval, Franz August Ferdinand Max von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 20. Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 75–76 (deutsche-biographie.de).
- Dieter Rühe: Die Parseval-Flugmaschine von 1910 und andere Flugprojekte am Plauer See. Verlag Reinhard Thon, Schwerin 2001, ISBN 3-928820-12-5.
- G. Schmitt, W. Schwipps: Pioniere der frühen Luftfahrt. Gondrom Verlag, Bindlach 1995, ISBN 3-8112-1189-7, S. #.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über August von Parseval im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Zeitungsartikel über August von Parseval in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Tabellarischer Lebenslauf (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2023. Suche in Webarchiven)
- Nachlass BArch N 277
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Jahresbericht vom K. Wilhelms-Gymnasium zu München 1877/78. (ZDB-ID 12448436)
- ↑ J. Bleibler: Starrluftschiffprojekte in Deutschland 1908 bis 1914. In: W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 43.
- ↑ Programm des Kolloquiums „100 Jahre Wasserflug in Deutschland“ am 9. Oktober 2010 ( vom 21. August 2014 im Internet Archive) (PDF-Datei; 79 kB) abgerufen am 16. Mai 2023.
- ↑ von Parseval, August. In: Catalogus Professorum TU Berlin. Abgerufen am 27. Februar 2023.
- ↑ Parseval im Stadtlexikon Augsburg
- ↑ Anlage zum Vortrag M3/2016 des Frankfurter Magistrats zur Benennung von Straßen nach Luftfahrtpionieren: PDF. Abruf am 10. März 2016.
- ↑ Eintrag zum Schiff A. Parseval im spieleigenen Wiki. Abgerufen am 19. April 2023.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Parseval, August von |
| ALTERNATIVNAMEN | Parseval, Franz August Ferdinand Max von (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Berufsoffizier und Luftfahrtpionier |
| GEBURTSDATUM | 5. Februar 1861 |
| GEBURTSORT | Frankenthal (Pfalz) |
| STERBEDATUM | 22. Februar 1942 |
| STERBEORT | Berlin |