ABB (Unternehmen)
| ABB Ltd[1][2]
| |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | CH0012221716 |
| Gründung | 8. Februar 1988 |
| Sitz | Zürich, |
| Leitung | Morten Wierod (Vorsitzender der Konzernleitung)[3] |
| Mitarbeiterzahl | 109'900 (2024) |
| Umsatz | 32,85 Mrd. USD (2024) |
| Branche | Energie- und Automationstechnik |
| Website | www.abb.com |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
ABB Ltd (Abkürzung für Asea Brown Boveri) ist ein Energie- und Automatisierungstechnikkonzern mit Hauptsitz in Zürich, der 1988 aus der Fusion der schwedischen ASEA und der schweizerischen BBC entstand. Der Konzern ist weltweit tätig und beschäftigt etwa 109'900 Mitarbeiter in 100 Ländern.[4] Bis zum Verkauf der Stromsparte 2020 war ABB der größte Industriearbeitgeber der Schweiz.[5] Die Aktien sind an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange, an der Stockholmer Börse und an der New York Stock Exchange kotiert und im Swiss Market Index sowie im OMX Stockholm 30 gelistet.[6]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorgängerunternehmen und Gründung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Wurzeln des Konzerns reichen bis in das späte 19. Jahrhundert zurück. Allmänna Svenska Elektriska Aktiebolaget (ASEA, deutsche Übersetzung: Allgemeine Schwedische Elektrizitätsgesellschaft Aktiengesellschaft) wurde 1883 in Västerås, Schweden, von Ludwig Fredholm[7] als Hersteller von elektrischem Licht und Generatoren gegründet.[8]
Brown, Boveri & Cie (BBC) wurde 1891 in Baden bei Zürich, Schweiz, von Charles Eugene Lancelot Brown und Walter Boveri als Schweizer Gruppe von Elektrotechnikunternehmen gegründet, die Wechselstrom- und Gleichstrommotoren, Generatoren, Dampfturbinen und Transformatoren herstellten.[7]
ABB entstand am 8. Februar 1988 aus der Fusion der Allmänna Svenska Elektriska Aktiebolaget (ASEA) und der Brown, Boveri & Cie. (BBC) zur Asea Brown Boveri (ABB). Dabei bündelten ASEA und BBC ihr Geschäft in der ABB Asea Brown Boveri Ltd. mit Sitz in Zürich, an der sie jeweils 50 Prozent hielten. Der neu geschaffene Konzern beschäftigte weltweit 210'000 Mitarbeiter, davon 35'000 in Deutschland, 34'000 in Schweden und 16'000 in der Schweiz.[9]
Im ersten Jahr tätigte ABB rund 15 Akquisitionen, darunter die Umweltkontrollgruppe Fläkt AB aus Schweden, die Vertragsgruppe Sadelmi/Cogepi aus Italien und den Eisenbahnhersteller Scandia-Randers A/S aus Dänemark.[10] 1989 kaufte ABB weitere 40 Unternehmen, darunter die Übertragungs- und Verteilungsanlagen von Westinghouse Electric, und gab eine Vereinbarung zum Kauf des in Stamford, Connecticut, ansässigen Unternehmens Combustion Engineering (C-E) bekannt.[11]
1996 wurde die ASEA AB in ABB AB und die BBC Brown Boveri AG in ABB AG umbenannt, blieben jedoch weiterhin eigenständige, börsennotierte Gesellschaften (Dual-listed Company). Im Jahr 1999 wurden die beiden Firmen schliesslich zur ABB Ltd. mit Sitz in Zürich vereinigt. Diese Fusion, durch die ABB zur weltweiten Nummer drei der Elektrotechnik wurde, galt damals als Meilenstein der Wirtschaftsgeschichte. Die wichtigsten Produkte des Konzerns waren Kraftwerke, insbesondere Gasturbinen-,[12] Dampfturbinen-[13] und GuD-Kraftwerke, Lokomotiven, Turbolader[14] und elektrische Schaltanlagen.
1990er Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1990 expandierte ABB nach Australien, als es das Werk von Commonwealth Engineering (Comeng) in Dandenong, Melbourne, übernahm.[15][16] ABB stellte in diesem Werk weiterhin die Straßenbahnen der B-Klasse von Comeng für Melbourne her. Die Herstellung der Triebwagen der Adelaide-3000-Klasse von Comeng, die stattdessen von Clyde Engineering hergestellt wurden, wurde jedoch nicht fortgesetzt.[17]
Im Jahr 1995 vereinbarte ABB die Fusion seines Geschäftsbereichs Bahntechnik mit dem von Daimler-Benz. Ziel dieser Vereinbarung war es, den weltweit größten Hersteller von Lokomotiven und Eisenbahnwagen zu schaffen. Das neue Unternehmen, ABB Daimler-Benz Transportation (Adtranz), hatte einen anfänglichen weltweiten Marktanteil von fast 12 Prozent.[18][19] Die Fusion trat am 1. Januar 1996 in Kraft.[20]
Der damalige Vorsitzende der Geschäftsleitung, Percy Barnevik kaufte in den nächsten Jahren in grossem Stil noch weitere Unternehmen zu. Im Februar 1996 wurde er in der Generalversammlung in den Verwaltungsrat gewählt und übte gleichzeitig die Funktion des Vorsitzenden der Geschäftsleitung von ABB aus. Eines der zugekauften Unternehmen, die amerikanische Combustion Engineering (CE), sah sich in den Neunzigerjahren in den USA mit riesigen Schadenersatzforderungen von Asbestopfern konfrontiert, was ABB als rechtliche Nachfolgerin 2002 an den Rand des Zusammenbruchs brachte, da sie schon durch die Folgekosten (Schadensersatz, Terminverzug, Vertragsrückkäufe, Reparaturkosten etc.) der massiv auf den Markt gebrachten, aber nicht völlig fertigentwickelten bzw. getesteten neuesten Gasturbinentypen GT24 bzw. GT26 finanziell stark belastet war und weitere Forderungen der Kunden ins Haus standen. Der mit den US-Klägern ausgehandelte Vergleich im CE-Fall wurde vom zuständigen US-Gericht am 1. April 2006 genehmigt.[21] Barnevik trat im November 2001 aus dem Verwaltungsrat aus und erhielt eine Abfindung in Höhe von 148 Millionen Schweizer Franken, welche noch heute als die grösste Abfindung aller Zeiten gilt. Vorsitzender der Konzerngeschäftsleitung nach Barnevik wurde Ende 1996 der Schwede Göran Lindahl, dessen Geschäftsführung mehrheitlich von Desinvestitionen geprägt war.
Im Juni 1998 gab ABB bekannt, dass es den Automatisierungsbereich des schwedischen Unternehmens Alfa Laval übernehmen werde, das zu dieser Zeit einer der führenden europäischen Anbieter von Prozessleitsystemen und Automatisierungsausrüstung war.[22][23]
Am 30. September 1999 wurde die Kraftwerkssparte von ABB, damals in der ABB Kraftwerke AG gebündelt, mit der von Alstom zusammengelegt. Das Joint Venture startete unter dem Namen ABB Alstom Power (Schweiz) AG[24] und wurde Ende 2000 in Alstom (Schweiz) AG umbenannt.[25] Im November 2015 wurde das Unternehmen in die General Electric (Switzerland) GmbH umgewandelt.[26] Es wird oft mit dem im April 2022 gegründeten Schienenfahrzeughersteller Alstom Schweiz AG verwechselt, der seinen Namen ohne Klammern schreibt.[27]
Im April 2000 wurde der Teilbereich Nuclear Systems an die British Nuclear Fuels (BNFL) veräussert, im Mai 2000 wurde dann die gesamte Geschäftssparte mit dem Verkauf des 50-Prozent-Anteils an Alstom aufgegeben, um einerseits die weiteren finanziellen Belastungen der GT24/26-Aufträge sowie die Nachentwicklung und Konstruktionsfehlerbeseitigung der beiden Gasturbinentypen abwälzen zu können. Der Verkaufserlös der Sparte wurde dringend u. a. für die Combustion-Engineering-Problematik benötigt. Der Verkauf der Kraftwerkssparte sicherte zwar das Überleben der ABB, wirkte sich jedoch auch auf die übrigen Bereiche des Konzerns negativ aus, von denen viele Zulieferer der Kraftwerksparte waren.
In dieser auf kurze Sicht ausgelegten Unternehmenspolitik bestärkt wurde Lindahl von Financiers wie Martin Ebner und Jacob Wallenberg, die – wie Lindahl selber auch – im März 1999 im Rahmen der Generalversammlung in den Verwaltungsrat gewählt wurden.
Zur Vergrösserung der Automationssparte wurde im Januar 1999 für rund 2,2 Mrd. US-Dollar die Elsag Bailey Process Automation N.V. zugekauft und in den Konzernbereich Automation Products integriert, darunter auch das Traditionsunternehmen Hartmann & Braun am Standort Alzenau. Mit der neu vorgegebenen Marschrichtung gab Lindahl Ende 2000 die Leitung des Unternehmens ab und trat zudem – ein Jahr vor Barnevik – aus dem Verwaltungsrat zurück.
Ebenfalls 1999 verkaufte das Unternehmen seine Anteile an Adtranz an DaimlerChrysler. Anstatt komplette Lokomotiven zu bauen, verlagerte sich der Schwerpunkt der Transportaktivitäten von ABB zunehmend auf Traktionsmotoren und elektrische Komponenten.[28]
2000er Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2000 feierte ABB, obwohl nur zwölf Jahre in dieser Form existent, aufgrund der Historie der vormaligen BBC, ihr 100-jähriges Bestehen. In Deutschland wurde dies mit der beginnenden Kampagne «Tour Futur», einem auf Zukunft ausgerichteten Umgestaltungsprozess der ABB zusammengelegt. Neuer Deutschlandchef wurde der Schwede Bengt Pihl. Erklärtes Ziel des Managements war es, im Vergleich zu Siemens in allen konkurrierenden Geschäftszweigen die Nummer 1 zu werden. Konsequent wurden Geschäftsbereiche der «alten Technologie» wie Kraftwerks- und Kläranlagentechnik sowie das Turbinengeschäft reduziert und Teile des Standorts Alzenau nach Minden verlegt.
Ab dem 1. Januar 2001 war der informatikorientierte Jörgen Centerman Vorsitzender der Geschäftsleitung, der den Umgestaltungsprozess konsequent fortsetzen wollte und dabei die Intention hatte, ABB müsse sich vorrangig den neuen Informationstechnologien und Dienstleistungen widmen. Eine Massnahme diesbezüglich war die totale Integration der zuvor für CSC Ploenzke tätigen Informatiker und PC-Dienstleister. Diese wurden nach dem Vorbild der Siemens Business Services (SBS) zunächst in die interne Business Unit «KIS» (Kommunikations- & Informations-Systeme) überführt, nach dem allgemeinen Niedergang des IT-Marktes nach 2001 jedoch später erst wieder ausgegliedert und schliesslich vollständig verkauft.
Aufgrund der insgesamt verfehlten Strategie musste Centerman kurz darauf seinen Sessel räumen. Die Aktien verloren in dieser Zeit zeitweise bis zu 70 Prozent ihres Wertes. Als Notmassnahme wurde der gesamte Konzern im Bereich Management umstrukturiert und die bisherigen Führungskräfte der einzelnen Geschäftsbereiche weitgehend entmachtet. Stattdessen wurden sieben sogenannte business area manager eingesetzt, die tageweise aus der Schweiz einflogen, um das lokale Management zu beraten und zu kontrollieren.
Vom 5. September 2002 bis zum 31. Dezember 2004 leitete Jürgen Dormann den Konzern als Vorsitzender der Geschäftsleitung und wurde am 1. Januar 2005 von Fred Kindle, bis dahin Vorsitzender der Geschäftsleitung der Sulzer AG, abgelöst. Dormann, der 1998 erstmals in den Verwaltungsrat gewählt wurde, war von 2002 bis zu seinem Rücktritt auf die Generalversammlung im Jahr 2007 hin auch Präsident desselben. Unter seiner Leitung wurden verschiedene nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Unternehmensbereiche veräussert, unter anderem Anfang 2004 der Geschäftsbereich ABB Gebäudetechnik Schweiz, aus dem in der Folge die ETAVIS-Gruppe hervorging. In der darauffolgenden GV neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde der Physiker Hubertus von Grünberg, der sogleich auch ins Amt des VR-Präsidenten gewählt wurde.
Im Jahr 2004 verkaufte ABB sein Upstream-Öl- und Gasgeschäft, ABB Vetco Gray, für einen Anfangspreis von 925 Millionen US-Dollar an ein Konsortium privater Kapitalinvestoren.[29][30]
Im Jahr 2005 nahm ABB seine Aktien von der Londoner Börse und der Frankfurter Börse.[31]
2007 wurde die Jürgen Dormann Foundation gegründet, welche Stipendiaten-Programme im Bereich der Ingenieurwissenschaften fördert.[32]
Im August 2007 konnte man sich mit der niederländischen Chicago Bridge & Iron Company (CB&I) auf einen Verkauf des Geschäftsbereichs Lummus Global einigen.[33] Dieser setzte im Geschäftsjahr 2006 rund 988 Millionen US-Dollar um und beschäftigte etwa 2400 Mitarbeiter. Nach Genehmigung durch die Behörden und die CB&I-Aktionäre konnte die auf einen Wert von 950 Millionen US-Dollar bezifferte Transaktion am 19. November 2007 vollzogen werden.[34] Im Rahmen der Desinvestition hat ABB fragwürdige Zahlungen entdeckt, die von Lummus Global ausgerichtet wurden, und diese angezeigt – allfällige Strafzahlungen, für die ABB haftet, konnten dabei noch nicht beziffert werden.
Am 13. Februar 2008 legte Fred Kindle sein Amt ab und verließ das Unternehmen. Als Grund wurden «unüberbrückbare Differenzen über die Führung des Unternehmens» angegeben.[35] Interimistisch wurde die Konzernleitung an den Finanzvorstand Michel Demaré übertragen. Mitte Juli gab der Verwaltungsrat bekannt, dass Joseph Hogan per 1. September 2008 zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von ABB ernannt wurde; vor seinem Wechsel war Hogan Vorsitzender der Geschäftsleitung von GE Healthcare, der Medizinaltechniksparte von General Electric.[36]
Im Jahr 2008 vereinbarte ABB die Übernahme der Kuhlman Electric Corporation, einem US-amerikanischen Hersteller von Transformatoren für die Industrie und die Elektrizitätswirtschaft.[37] Im November 2008 erwarb ABB Ber-Mac Electrical and Instrumentation, um seine Präsenz in der Öl- und Gasindustrie im Westen Kanadas auszubauen.[38]
In 2009 wurde der Produktionsstandort der Automation Products in Alzenau komplett geschlossen.[39] Teile der Produktion wurden in Minden weitergeführt.[40]
Kernkraftwerkausrüstung für Nordkorea
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2000 war Donald Rumsfeld noch im Vorstand von ABB, ehe er von 2001 bis 2006 unter der Präsidentschaft von George W. Bush Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. ABB unterzeichnete in diesem Jahr einen Auftrag für die Lieferung von Ausrüstungen und Dienstleistungen für zwei nordkoreanische Reaktoren im Kernkraftwerk Kŭmho. Letztere wurden unter einer Vereinbarung mit der Korean Peninsula Energy Development Organization (KEDO) geliefert,[41] einem Konsortium, das 1995 von den Regierungen der Vereinigten Staaten, Japan, Südkorea und der Europäischen Union gebildet wurde.[42]
2010er Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im September 2010 kaufte das Unternehmen K-TEK, einen Hersteller von Füllstandsmessgeräten, für 50 Millionen US-Dollar; es wurde in den Geschäftsbereich Messprodukte der ABB-Division Prozessautomatisierung integriert.[43]
Im Juli 2010 erhielt ABB in Cary, North Carolina, vom US-Bundesstaat eine Förderung in Höhe von 4,2 Millionen US-Dollar für die Entwicklung von Magnetspeichern.[44]
Am 10. Januar 2011 investierte ABB 10 Millionen US-Dollar in ECOtality, einen in San Francisco ansässigen Entwickler von Ladestationen und Energiespeichertechnologien, um in den nordamerikanischen Markt für Elektrofahrzeug-Ladestationen einzusteigen.[45] Am 1. Juli desselben Jahres gab das Unternehmen die Übernahme von Epyon B.V. aus den Niederlanden bekannt, einem frühen Marktführer im Bereich der europäischen Ladeinfrastruktur und Wartung für Elektrofahrzeuge.[46]
Anfang 2011 erwarb ABB Baldor Electric im Rahmen einer Bartransaktion im Wert von 4,2 Milliarden US-Dollar.[47] Am 30. Januar 2012 gab das Unternehmen die Übernahme von Thomas & Betts bekannt, einem nordamerikanischen Anbieter von Niederspannungsprodukten für Industrie-, Bau- und Versorgungsanwendungen, im Rahmen einer Bartransaktion im Wert von 3,9 Milliarden US-Dollar.[48] Am 15. Juni 2012 schloss ABB die Übernahme des auf kommerzielle und industrielle Drahtlostechnologie ausgerichtete Unternehmens Tropos ab.[49]
Im Jahr 2013 wurde bekannt gegeben, dass Joe Hogan sein Amt aus privaten Gründen niederlegen werde.[50] Im Juni 2013 ernannte der Verwaltungsrat Ulrich Spiesshofer, vormals Konzernleitungsmitglied für die Division Industrieautomation und Antriebe, einstimmig zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung.[51] An der GV 2015 löste Peter Voser Hubertus von Grünberg als VR-Präsident ab. Voser war von 2002 bis 2004 Finanzchef von ABB gewesen und leitete zuletzt als CEO die niederländisch-britische Royal Dutch Shell.
Im Juli 2013 übernahm ABB den weltweit zweitgrössten Solarwechselrichterhersteller Power-One, Inc. aus Camarillo, Kalifornien.[52][53] Im selben Jahr beauftragte Fastned ABB mit der Lieferung von mehr als 200 Terra-Schnellladestationen entlang der Autobahnen in den Niederlanden.[54]
Am 4. April 2017 wurde bekannt, dass ABB die oberösterreichische Firma Bernecker & Rainer (B&R) mit Sitz in Eggelsberg im Innviertel, und insgesamt 3000 Arbeitnehmern, übernommen hat.
ABB übernahm 2017/2018 für 2,6 Milliarden Dollar (2,17 Mrd. Euro) die Elektrosparte GE Industrial Solutions vom US-Konzern General Electric.[55] Im Januar 2018 wurde ABB Titelsponsor der ABB FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft, der weltweit ersten vollständig elektrischen internationalen FIA-Motorsportserie.[56]
2017 beteiligte sich ABB an einer Batteriefabrik von Northvolt mit 10 Mio. Euro.[57]
Am 17. Dezember 2018 gab ABB im Rahmen der Transformation des Konzerns den Verkauf von 80,1 % seiner Stromnetzsparte (Division Power Grids) im Wert von rund 7,8 Milliarden US-Dollar an den japanischen Elektrotechnik- und Maschinenbaukonzern Hitachi bekannt. ABB besitzt eine Option zum Verkauf auch der restlichen 19,9 % nach drei Jahren. Betroffen hiervon sind rund 36'000 Beschäftigte. An Hitachi geht auch die ABB Semiconductors mit Produktionsstätte in Lenzburg.[58][59]
2020er Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]März 2020 erwarb ABB die Cylon Controls Ltd. (Cylon).[60] Im selben Monat verkaufte ABB sein Solarwechselrichtergeschäft an den italienischen Solarwechselrichterhersteller Fimer. Die Transaktion umfasst alle Produktions- und Forschungs- und Entwicklungsstandorte von ABB in Finnland, Italien und Indien sowie 800 Mitarbeiter in 26 Ländern.[61]
Am 19. November 2020 gab ABB auf dem Investor’s Day bekannt, dass man sich von den Divisionen Turbolader, Stromwandler und Mechanical Power trennen möchte. Dies trifft besonders den Standort Baden/Schweiz, wo sich die Zentrale der Division Turbolader befindet. Die Division gilt als äusserst profitabel, passe aber nicht mehr zur neuen Ausrichtung der ABB-Gruppe. Nachdem sich kein Käufer für diesen Geschäftsbereich gefunden hatte, wurde dieser als ein eigenes Unternehmen ausgegliedert und als selbständige Firma Accelleron Industries an der Schweizer Börse kotiert.
Im Dezember 2022 eröffnete ABB nach einer Investition von 150 Millionen US-Dollar eine neue 67.000 Quadratmeter große Robotikfabrik in Shanghai.[62]
Am 12. Juni 2023 meldete ABB die vollzogene Übernahme des deutschen Smart-Home-Unternehmens Eve Systems an. Eve, seit 1999 in München ansässig und 2018 aus der Aufspaltung von Elgato Systems hervorgegangen, umfasst rund 50 Mitarbeiter und entwickelt insbesondere Geräte zum Energiemanagement in Haushalten, daneben aber auch Geräte für andere Felder der Heimautomatisierung. Die Beteiligten betonen im Rahmen der Übernahme insbesondere die Expertise für den neu entwickelten Standard Matter und das Netzwerkprotokoll Thread, auf die ABB damit Zugriff erhält. Eve Systems soll als eigenständige Marke innerhalb des Geschäftsbereichs Elektrifizierung bestehen bleiben.[63]
Im Januar 2024 übernahm ABB Real Tech, ein kanadisches Unternehmen für optische Sensortechnologie für die Echtzeit-Überwachung und -Prüfung von Wasser.[64] Außerdem übernahm es das Forschungs- und Entwicklungsunternehmen Meshmind[65] sowie die KI-Firma Sevensense.[66]
Im Mai 2024 vereinbarte ABB die Übernahme des Geschäftsbereichs Verdrahtungszubehör von Siemens in China. Durch diese Transaktion erhielt das Unternehmen Zugang zu einem Vertriebsnetz in 230 Städten in China.[67]
Im Oktober 2025 vereinbarte ABB den Verkauf seines Industrie-Robotikgeschäfts an die Softbank Group im Wert von 5,4 Milliarden US-Dollar und verzichtete damit auf Pläne, den Geschäftsbereich 2026 als eigenständiges Unternehmen auszugliedern.[68]
Im Dezember 2025 wurde bekannt gegeben, dass ABB die Übernahme des Power-Electronics-Geschäfts von Gamesa Electric in Spanien von Siemens Gamesa abgeschlossen hatte, die ursprünglich im Dezember 2024 bekannt gegeben worden war. Das übernommene Angebot umfasst Produkte zur Energieumwandlung wie Windkonverter für doppelt gespeiste Induktionsgeneratoren (DFIG), industrielle Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) und Solarwechselrichter für Versorgungsunternehmen.[69]
Geschäftsbereiche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die geschäftlichen Aktivitäten von ABB sind in die vier globale Geschäftsbereiche Elektrifizierung, Prozessautomation, Antriebstechnik sowie Robotik und Fertigungsautomation unterteilt, die sich wiederum aus spezifischen Divisionen zusammensetzen, deren Tätigkeitsschwerpunkt auf bestimmten Branchen und Produktkategorien liegt.[70]
Elektrifizierung
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Der Geschäftsbereich bietet Technologien über die gesamte Wertschöpfungskette der Elektrifizierung – vom Umspannwerk bis zur Verbrauchsstelle.
Das Portfolio umfasst digitale und vernetzte Innovationen, die die Verlässlichkeit und Effizienz von Elektroinstallationen in der Nieder- und Mittelspannung verbessern. Hierzu zählen: die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Solar-Wechselrichter, modulare Umspannwerke, Lösungen für die Verteilautomatisierung, Schaltanlagen, Sensortechnik und Steuerungen sowie KNX-Systeme zur Automatisierung und Vernetzung von Gebäudeinfrastruktur.
Robotik und Fertigungsautomation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Geschäftsbereich Robotik und Fertigungsautomation bietet Produkte, Lösungen und Dienstleistungen zur Steigerung der industriellen Produktivität und Energieeffizienz.
Mit ihren Motoren, Generatoren, Antrieben und Robotern stellt die Division Energie-, Antriebs- und Steuerungstechnologien für zahlreiche Automationsanwendungen bereit. Der Schwerpunkt Industrie wird durch die Führungsstellung in den Bereichen Windgeneratoren und Traktionsumrichter ergänzt.
2015 präsentierte ABB den kollaborativen industriellen Doppelarm-Montageroboter YuMi, der für den parallelen Einsatz mit menschlichen Arbeitskräften ausgelegt ist und neue Einsatzmöglichkeiten in der Automatisierung verschiedener Branchen eröffnete.[71]
2019 investierte ABB 150 Millionen Dollar in eine Fabrik in China.[72]
Im Oktober 2025 gab ABB die Unterzeichnung einer Vereinbarung zum Verkauf der Robotiksparte an die SoftBank-Gruppe zu einem Wert von 5.375 Mrd. US-Dollar bekannt. Der Verkaufsprozess soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen sein.[73]
Prozessautomation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Portfolio des Geschäftsbereichs Prozessautomation umfasst das gesamte Spektrum an Produkten und Lösungen für die Instrumentierung, Automatisierung und Optimierung industrieller Prozesse, sowie den Bereich der Abgasturboaufladung. Zu den Zielindustrien zählen: Chemie, Öl und Gas, Energie, Papier und Zellstoff, Wasser und Abwasser, Metalle, Marine, Zement und der Tagebau.
Antriebstechnik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Geschäftsbereich Antriebstechnik von ABB bietet eine Reihe von Elektromotoren, Generatoren, Antrieben und Dienstleistungen sowie integrierte digitale Antriebsstranglsystemen.[74]
1990 brachte ABB Azipod auf den Markt, eine Linie elektrischer Antriebssysteme, die unter den Rümpfen großer Schiffe angebracht werden und sowohl Schub- als auch Steuerungsfunktionen übernehmen. Azipod wurde in Zusammenarbeit mit dem finnischen Schiffbauer Masa-Yards entwickelt.[75][76]
Im Jahr 2018 stellte ABB das Hochleistungsladegerät Terra für Elektrofahrzeuge vor, das in acht Minuten ausreichend Strom liefert, um ein Elektroauto für eine Fahrt von 200 Kilometern aufzuladen.[77]
Power Grids (Ehemaliges Joint Venture Hitachi Energy)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Geschäftsbereich Power Grids (Stromnetze) war ein Anbieter von energie- und automationstechnischen Produkten, Systemen und Servicelösungen über die gesamte Wertschöpfungskette der Stromerzeugung, Stromübertragung und -verteilung.
Sie belieferte Kunden aus der Versorgungswirtschaft, Industrie und dem Transport- und Infrastruktursektor sowohl direkt als auch über Vertriebspartner. Die Division konzentrierte sich auf Schlüsselbereiche wie die Integration erneuerbarer Energien, die wachsende Netzkomplexität,[78] die Netzautomatisierung und Mikronetze. Darüber hinaus bot sie im Rahmen von Lifecycle-Konzepten ein breites Spektrum von Beratungsleistungen, Serviceleistungen und Lösungen für das Anlagenmanagement.
Die Stromnetz-Sparte – geschichtlich eigentlich zu den Ursprüngen der Firma gehörend – wurde 2018 zu 80,1 % an den Hitachi-Konzern verkauft. 19,9 % verbleiben zunächst bei ABB, wobei innerhalb von 3 Jahren eine Option zum Verkauf der restlichen Anteile durch ABB gezogen werden kann. ABB und Hitachi kooperieren in Form eines Joint Ventures. Zunächst erfolgte die Kooperation unter dem Namen Hitachi ABB Power Grids.[79][80]
Am 30. Juni 2021 ließ Hitachi das Joint Venture unter dem Namen Hitachi Energy Ltd. registrieren. Die Namensänderung von Hitachi ABB Power Grids zu Hitachi Energy sollte ab Oktober 2021 weltweit umgesetzt werden.[81]
Im Jahr 2022 verkaufte ABB die restlichen Beteiligungen an Hitachi.[82]
Unternehmensdaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Umsatz des Gesamtkonzerns belief sich im Geschäftsjahr 2024 auf rund 32,85 Milliarden US-Dollar, der Konzernreingewinn auf rund 5,07 Milliarden US-Dollar.[4]
Die größte Einzelbeteiligung an dem Unternehmen hält die schwedische Investmentgesellschaft Investor AB, die von der Familie Wallenberg kontrolliert wird und einen Anteil von 12,9 % hält.[83] Der aktivistische Investor Cevian hält ebenfalls einen großen Anteil an dem Unternehmen.[84]
Konzernstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der ABB-Konzern besteht aus weltweit über 330 konsolidierten Tochtergesellschaften.
Schweiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Schweiz beschäftigt ABB rund 3850 Mitarbeiter.[85] Zu den wichtigen Schweizer Tochtergesellschaften zählen
- ABB Schweiz AG
- ABB Asea Brown Boveri Ltd
Das Unternehmen ist mit Produktion und Engineering an acht Standorten in der Schweiz aktiv. Diese befinden sich in Baden, Baden-Dättwil, Turgi/Untersiggenthal, Schaffhausen, Frauenfeld, Zuzwil, Uster und Quartino. Dazu kommen Niederlassungen für Sales und Marketing in Baden, Quartino, Morges und Genf.[86]
Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit einem Umsatz von 2,81 Milliarden Euro im Jahr 2019 und ca. 8.500 Beschäftigten[87] zählt Deutschland zu den weltweit wichtigsten Standorten innerhalb des ABB-Konzerns. In Deutschland hat ABB beispielsweise folgende Tochtergesellschaften:
- ABB AG, Sitz in Mannheim
- ABB Stotz-Kontakt GmbH
- ABB Stotz-Kontakt / Striebel & John Vertriebsgesellschaft mbH
- ABB Striebel & John GmbH[88]
- Busch-Jaeger Elektro GmbH
- ABB Ausbildungszentrum Berlin GmbH
Verwaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorsitzende der Geschäftsleitung
- 1987 bis 1996: Percy Barnevik
- Januar 1997 bis Dezember 2000: Göran Lindahl
- Januar 2001 bis September 2002: Jörgen Centerman
- September 2002 bis Dezember 2004: Jürgen Dormann
- Januar 2005 bis Februar 2008: Fred Kindle
- Februar 2008 bis September 2008: Michel Demaré (ad interim)
- September 2008 bis zum 14. September 2013: Joe Hogan
- September 2013 bis April 2019: Ulrich Spiesshofer
- April 2019 bis Februar 2020: Peter Voser (ad interim)
- März 2020 bis Juli 2024: Björn Rosengren
- seit 1. August 2024: Morten Wierod[3]
Verwaltungsratspräsident:
- seit April 2015: Peter Voser
Wichtige ehemalige Verwaltungsratsmitglieder:
- Donald Rumsfeld (1990–2001)
- Hubertus von Grünberg (2007–2015)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kevin Barham, Claudia Heimer: ABB: the dancing giant. Creating the globally connected corporation. Financial Times u. a., London 1998, ISBN 0-273-62861-5.
- Catrina Werner: ABB. Die verratene Vision. Orell Füssli, Zürich 2003, ISBN 3-280-06004-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website der ABB
- Financial Key Data
- Andreas Steigmeier: Asea Brown Boveri (ABB). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 19. Oktober 2001.
- Unternehmensgeschichte auf der offiziellen Website
- Heritage brands
- ABB (Unternehmen) auf der Plattform ETHorama
- Frühe Dokumente und Zeitungsartikel zu ABB in den Historischen Pressearchiven der ZBW
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Handelsregisterauszug des Kantons Zürich. Abgerufen am 26. November 2017.
- ↑ ABB Announces Details of Exchange Offers for New Single Share. In: abb.com. Abgerufen am 30. Mai 2017.
- ↑ a b ABB appoints Morten Wierod to succeed Björn Rosengren as CEO. In: abb.com. 23. Februar 2024, abgerufen am 5. August 2024 (englisch).
- ↑ a b Group reports. In: ABB. Abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Bastian Heiniger: Das sind künftig die grössten Arbeitgeber der Industrie. In: Handelszeitung. 18. Dezember 2018, abgerufen am 13. November 2020.
- ↑ SIX Swiss Exchange – ABB Ltd. In: six-swiss-exchange.com. Abgerufen am 30. Mai 2017.
- ↑ a b Geschichte. In: ABB. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
- ↑ ABB Group profits from Ulrich Spiesshofer’s automation gamble. In: European CEO. Abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Meldung Die Belegschaft von ABB in ZEV Glasers Annalen 114 (1990) Nr. 1/2, S. 38.
- ↑ Stuart Crainer: "A.B.B., the Dancing Giant" by Kevin Barham and Claudia Heimer. In: Strategy Business. 1. Januar 1999, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Robert J. Cole: Combustion To Merge With ABB. In: The New York Times. 14. November 1989 (nytimes.com [abgerufen am 8. Dezember 2025]).
- ↑ Hans E. Wettstein: Gasturbinen und Kombinanlagen. In: Franz Betschon, Stefan Betschon, Jürg Lindecker, Willy Schlachter (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4, S. 82–102.
- ↑ Walter Hossli: Die Energie des Wasserdampfes. In: Franz Betschon, Stefan Betschon, Jürg Lindecker, Willy Schlachter (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4, S. 72–82.
- ↑ Michael Jung: Mehr Leistung, weniger Treibstoff. Schweizer Turbolader In: Franz Betschon, Stefan Betschon, Willy Schlachter (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand. Band 2. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2014, ISBN 978-3-03823-912-3, S. 214–233.
- ↑ Here & There. In: Australian Railway Historical Society Bulletin. Nr. 633, Juli 1990, S. 176 (englisch).
- ↑ ASEA Brown Boveri. In: Continental Railway Journal. Nr. 84, Dezember 1990, S. 451 (englisch).
- ↑ John Dunn: Comeng: a history of commonwealth engineering; Volume 5. Online-Ausg Auflage. Rosenberg, Dural, New South Wales 2013, ISBN 978-1-922013-52-1, S. 77–86.
- ↑ ABB joins forces with Daimler-Benz. In: Rail. Nr. 249, 29. März 1995, S. 6 (englisch).
- ↑ Rivals to merge. In: Railway Gazette International. Nr. 1, Januar 1996, S. 197 (englisch).
- ↑ Merger approved. In: Railway Gazette International. Dezember 1995, S. 818 (englisch).
- ↑ Asbest-Vergleich mit ABB unter Dach. In: NZZ Online, 2. April 2006
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