Anthonis Sallaert

Anthonis Sallaert (auch Antoine oder Anton/Antoon Sallaert; getauft 1594 in Brüssel; † Juli 1650 ebenda) war ein flämischer Historien- und Porträtmaler, Kupferstecher und Zeichner der Barockzeit.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anthonis Sallaert wurde 1594 in Brüssel getauft. Im Geschäftsjahr 1606/07 wird er als Schüler von Michel de Bordeaux in der Brüsseler Lukasgilde geführt. 1613 erlangte er dort den Meistertitel und bekleidete 1633 sowie 1648 das Amt des Dekans. Die in der älteren Literatur gelegentlich geäußerte Vermutung, er sei auch Schüler oder Mitarbeiter von Peter Paul Rubens gewesen, ist durch keine Belege gesichert. Sallaert erhielt mehrere Aufträge von dem österreichischen Statthalterpaar Albrecht VII. und Isabella, die von 1598 bis 1621 die Spanischen Niederlande regierten. Offizieller Hofmaler war er jedoch nicht. Weitere Auftraggeber waren Adlige und Kleriker aus Brüssel und der näheren Umgebung, insbesondere die Jesuiten. 1613 heiratete er Anna Verbruggen, mit der er zwei Kinder hatte. 1629 wird sein Sohn Jan Baptist Sallaert (getauft am 14. Februar 1612 in Brüssel) als sein Schüler genannt. Dieser wurde 1644 selbst Meister und ist unter anderem mit einer Enthauptung Johannes des Täufers von 1633 in der Kirche von Releghem belegt.[2]
Werk
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Anthonis Sallaert war ein vielseitiger Künstler. Er malte Historienbilder und Porträts, entwarf Kartons für Wandteppiche, die in lokalen Brüsseler Webereien ausgeführt wurden, und erlangte besondere Bedeutung als Grafiker. Ein wesentliches Merkmal seiner Gemälde vor 1635 sind lebhaft bewegte, monumental wirkende Figuren, die häufig in starker Verkürzung dargestellt sind und deren plastische Wirkung durch ausgeprägte Lichteffekte gesteigert wird. Deutlich spürbar ist dabei der Einfluss von Rubens, der vermutlich durch Gaspar de Crayer vermittelt wurde. Zwischen 1645 und 1649 entstand im Auftrag der Jesuiten für die neue Kirche in Alsemberg ein mehrteiliger Gemäldezyklus mit Darstellungen zur Entstehungslegende dieser Kirche. Bisweilen kooperierte Sallaert mit anderen Künstlern, unter anderem mit Lodewijk de Vadder.[2]
Seine Bedeutung als Zeichner und Grafiker ist herausragend. Aufgrund des experimentellen Charakters seiner Druckgrafik zählt er zu den originellsten Künstlern seiner Zeit. Ihm werden zwölf Holzschnitte und elf Monotypien zugeschrieben. Die Holzschnitte zeichnen sich durch kräftige Linien und eine dramatische Lichtführung aus. Sie sind zumeist auf farbigem Papier gedruckt. Sallaert gilt als Erfinder der Monotypietechnik oder zumindest als einer ihrer frühen Vertreter. Die Monotypien dienten vermutlich als Vorstudien für Gemälde oder Holzschnitte. Seine Entwürfe für Wandteppiche zeigen Themen aus der antiken Mythologie und biblische Historien oder sind von Emblemsammlungen inspiriert, unter anderem von den Emblemata Horatiana (1607) von Otto van Veen. Im Jahr 1639 erwarb Philipp IV. von Spanien eine Folge von Wandteppichen nach Sallaerts Entwürfen, die sich heute im Palacio Real in Madrid befinden.[2]
Zu den erhaltenen Werken zählen unter anderem der Gemäldezyklus in der Onze-Lieve-Vrouwekerk in Alsemberg (Öl auf Leinwand), die Verherrlichung des Namens Jesu in den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel, die Kreuzigung Petri in der Sint-Pieterskerk in Denderwindeke, ein Porträt eines Ritters vom Goldenen Vlies im Rathaus von Leuven, Theseus mit dem Stier von Marathon als gewirkter Wandteppich im Palacio Real in Madrid, die Fröhliche Gesellschaft in der Fondation Custodia in Paris, das Urteil Salomons als Wandteppich bei der Stadtverwaltung Roeselare, Barbaren vor einem römischen Feldherrn in der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie der Wandteppich Geduld beschämt den Ruhm in der Kathedrale von Saragossa.[2]
Werke (Auswahl)
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Heiliger Johannes, Holzschnitt auf blauem Papier. National Gallery of Art, Washington D. C.
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Heiliger Matthäus, Holzschnitt auf blauem Papier. British Museum, London
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Fröhliche, musizierende Gesellschaft, Öl auf Holz. Fondation Custodia, Paris
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Magistrate der Stadt und Oberhäupter einer religiösen Gemeinschaft knien vor der Jungfrau Maria nieder. Musée de la Ville de Bruxelles/Hôtel de Ville, Cabinet Renaissance[3]
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Tapisserie aus der Serie Die Planeten, Brüssel, drittes Viertel des 17. Jahrhunderts (Wolle und Seide) hergestellt von Josse oder Jacob van Zeunen nach einem Karton (Vorlage) von Anthonis Sallaert. Kathedrale von Segovia
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.
- Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 29, E. A. Seemann, Leipzig 1935.
- Walther Bernt: Die niederländischen Maler und Zeichner des 17. Jahrhunderts. Band III, Bruckmann, München 1980.
- Friedrich Wilhelm Heinrich Hollstein: Dutch and Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts ca. 1450–1700. Band XXIII, Herausgegeben von D. de Hoop Scheffer, Roosendaal 1980.
- Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art. Band XXVII, Grove, London 1996.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006.
- Pieter Groenendijk: Beknopt biografisch lexicon van Zuid- en Noord-Nederlandse schilders, graveurs, glasschilders, tapijtwevers et cetera van ca. 1350 tot ca. 1750. Primavera Pers, Utrecht 2008.
- Carl van de Velde: Artikel in Gentse bijdragen tot de kunstgeschiedenis en de oudheidkunde 20, 1967, S. 193–235.
- Madeleine van der Vennet: Artikel in Bulletin des Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique 23, 1974, S. 171–197; sowie 30–33, 1981–1984, S. 81–122.
- Martin Royalton-Kisch: Artikel in Print Quarterly 5, 1989, S. 60–61.
- Timothy D. Weyman: Artikel in Print Quarterly 12, 1995, S. 164–169.
- James Clifton: Artikel in: Walter de Boer u. a. (Hrsg.): Jesuit Image Theory in Europe and the Overseas Missions 1540–1740. Brill, Leiden 2016, S. 318–351.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eintrag zu Anthonis Sallaert in der digitalen Sammlung im Städel, Frankfurt
- Eintrag zu Anthonis Sallaert in der Datenbank Ecartico
- Eintrag zu Anthonis Sallaert in der Bibliothèque de l'Art et d'Archéologie (BALat)
- Google Arts & Culture
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris 2006.
- ↑ a b c d De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. 2009.
- ↑ Les anciens magistrats de la Ville et chefs d'une compagnie religieuse agenouillés devant la Vierge / Musée de la Ville de Bruxelles – Inventaire du patrimoine mobilier. Abgerufen am 22. Februar 2026 (französisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sallaert, Anthonis |
| ALTERNATIVNAMEN | Sallaert, Antoon |
| KURZBESCHREIBUNG | flämischer Historien- und Porträtmaler, Kupferstecher, Zeichner und Entwurfszeichner des Barock |
| GEBURTSDATUM | 1594 |
| GEBURTSORT | Brüssel |
| STERBEDATUM | Juli 1650 |
| STERBEORT | Brüssel |