Abendrot



Als Abendrot bezeichnet man eine rötliche Färbung des Abendhimmels bei tiefem Sonnenstand während des Sonnenuntergangs.[1] Diese Färbung bei möglichst gering bewölktem Himmel im Westen[2] geht danach in die Dämmerung über.
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Je tiefer die Sonne am Horizont steht, desto länger ist der Weg, den das Licht durch die Atmosphäre zurücklegen muss. Dabei werden die kurzwelligen, blauen Anteile des Lichts stärker von den kleinen Partikeln in der Atmosphäre gestreut, sodass überwiegend die roten Spektralanteile übrig bleiben. Diesen Effekt nennt man Rayleigh-Streuung. Dadurch erscheint die Sonne und der Himmel in der Nähe der Sonne rötlich.[3][4]
Eine staubige Atmosphäre z. B. in Städten oder nach einem Vulkanausbruch verstärkt den Effekt noch.[3] Ebenso trägt eine hohe Luftfeuchtigkeit, also viele Wassertröpfchen in der Atmosphäre, dazu bei, dass das Abendrot intensiver ausgeprägt ist.[2]
Trifft das Abendrot auf ein Hochgebirge und beleuchtet dieses mit direkter Sonneneinstrahlung, spricht man vom sogenannten Alpenglühen.[5]
Abgrenzung zu anderen Dämmerungserscheinungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die analogen Erscheinungen wie beim Abendrot treten am Morgen bei der Morgenröte auf, mit dem Unterschied, dass die Himmelsrichtungen vertauscht sind.[3]
Die Gegendämmerung ist eine spezielle Form des rötlich gefärbten Abendhimmels. Dabei zeigt sich das Abendrot im Osten (am Himmelssegment, das der Sonne gegenüberliegt).
Das Abendrot erscheint vor und während des Sonnenuntergangs. Nachdem die Sonne untergegangen ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen das Purpurlicht auftreten.[6]
Volkstümliche Regeln
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Ein roter Abendhimmel gilt nach Bauernregeln als Vorzeichen für schönes Wetter (Abendrot, gut Wetterbot).[2] In Mitteleuropa trifft diese sehr oft zu. Dies liegt daran, dass in dieser Region die Wolken vom Westen über das Land ziehen. Die Abendsonne lässt die Luftpartikel nur dann rot erscheinen, wenn das Sonnenlicht nicht durch Wolken behindert wird. Die Wahrscheinlichkeit für einen wolkenlosen Himmel ist dann zumindest für die nächsten zwölf Stunden sehr hoch.[7] Bei Ostwind hingegen kann für eine Vorhersage die Morgenröte als Indikator für einen wolkenlosen Himmel für die nächsten Stunden herangezogen werden.
Eine Seemannsregel hingegen sagt eher das Gegenteil aus: Abendrot macht Seemann tot. Diese Regel kann daher kommen, dass rot nicht gleich rot ist. Eine leichte rote Färbung bei trockener Luft kann auf ein stabiles Hochdruckgebiet und damit gutes Wetter hindeuten. Eine intensive rote Färbung, ausgelöst durch hohe Luftfeuchtigkeit, kann wiederum auf eine heranziehende Schlechtwetterfront hindeuten.[8]
Abendrot in der Kunst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Insbesondere zur Zeit der Romantik war das Abendrot häufig Gegenstand von Gemälden (etwa von Caspar David Friedrich) und Gedichten (Im Abendrot von Karl Lappe, vertont von Franz Schubert). Auch im vierten Akt von Goethes Faust 2 wird der rote Schein thematisiert.[2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Abendrot. Deutscher Wetterdienst, abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ a b c d Abend- und Morgenrot. Arbeitskreis Meteore e. V., abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ a b c Abendrot. Spektrum.de, abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ John Augustine, Lisa Smith: Red Sky. Global Monitoring Laboratory, abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Alpenglühen. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 1: A–Astigmatismus. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1905, S. 370 (Digitalisat. zeno.org).
- ↑ Purpurlicht. Spektrum.de, abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ Experte: Bauernregeln sind „Schrott“, Focus Online vom 8. Mai 2015
- ↑ Vanessa Wehner, Katja Werle: Die Farben des Himmels. Deutscher Wetterdienst, 11. Oktober 2010, abgerufen am 26. Dezember 2025.